IG BAU - die tun was!


Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten

Catalina Guia und Thomas Krumscheid kümmern sich um Werkvertragsarbeitnehmer aus Osteuropa
Catalina Guia und Thomas Krumscheid kümmern sich um Werkvertragsarbeitnehmer aus Osteuropa © IG BAU (Thomas Krumscheid)
15.03.2016
Sie fahren weit über 2.000 km, um auf Aachener Baustellen, fernab der Heimat und ihrer Familien, Geld zu verdienen. Sie kommen aus Rumänien, Bulgarien und anderen osteuropäischen Ländern, weil sie glauben und ihnen gesagt wird, dass sie in Deutschland mehr Geld verdienen können. Sie fahren fort, weil ihre Kinder es einmal besser haben sollen.

Leider stellen sie bald fest, dass sich ihre Erwartungen nicht erfüllen. Als Arbeitnehmer einer vielgliedrigen Sub- und Nachunternehmerkette werden sie oft um ihren Lohn oder Teile davon geprellt. Sie sind schlecht untergebracht, werden mies verpflegt und dafür mit horrenden Kosten belegt. Sie sind nicht gut angesehen, weil sie als Lohndrücker eingesetzt und als Billigkonkurrenz benutzt werden.

"Diesem Treiben müssen wir ein Ende setzen", sagt der Branchensekretär der IG BAU für das Bauhauptgewerbe in Aachen, Thomas Krumscheid. Zusammen mit Catalina Guia, vom Projekt "Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten, ist er auf Aachener und Düsseldorfer Baustellen unterwegs. Das Projekt wurde vom DGB und dem Land NRW initiiert und von der Arbeitsgemeinschaft für politische und soziale Bildung "Arbeit und Leben" Düsseldorf umgesetzt. Weil Catalina Guia die rumänischen Arbeitnehmer in ihrer Landessprache ansprechen kann, werden die beiden über Verhältnisse informiert, die man in Deutschland im 21. Jahrhundert nicht mehr vermutet.

Doch wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, wird es meist schwierig, die Rechte der betrogenen Arbeitnehmer durchzusetzen. Darum müssen wir vorher mit den osteuropäischen Kollegen in Kontakt kommen, ihr Vertrauen gewinnen und sie zu Mitgliedern der IG BAU machen, ist sich der Branchensekretär sicher. Unsere Tarifverträge gelten teilweise auch für diese Kollegen. "Lohndumping, Schein-Arbeitsverhältnisse, Schein-Werkverträge, fehlender Arbeitsschutz oder überlange Arbeitstage sind für viele Menschen, die insbesondere aus Rumänien und Bulgarien zu uns gekommen sind, leider traurige Realität", stellt Thomas Krumscheid fest.

Schon nach den ersten Baustellenbesuchen haben sich Arbeitnehmer in der IG BAU organisiert. Manche sind nicht zum ersten Mal auf deutschen Baustellen tätig und haben bereits so manche negative Erfahrung gesammelt.

Nur durch solidarisches und gemeinsames Handeln können wir der Lohn-Konkurrenz auf den Baustellen begegnen. Und nur so schaffen wir eine Akzeptanz und Unterstützung für unsere Tarifrunden bei den Kollegen aus Osteuropa.
Und nur mit der Unterstützung der Poliere und Betriebsräte können wir Solidarität schaffen und gemeinsames Handeln vereinbaren.

Nur so kann „Faire Arbeit Jetzt“ zu einer erfolgreichen Kampagne werden, von der alle auf der Baustelle profitieren.

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