Arbeitslosengeld II / Hartz IV


Armut: Trauriger Trend


16.12.2014
In Deutschland steigt das Armutsrisiko. Besonders Ältere und Arbeitslose sind zunehmend gefährdet. Das zeigen neue Daten des Mikrozensus, die der WSI-Forscher Eric Seils ausgewertet hat. Demnach ist der Anteil derjenigen, die weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens zur Verfügung haben, seit 1996 um mehr als zwei Prozentpunkte gestiegen – auf den Rekordstand von 15,5 Prozent im Jahr 2013. Allein gegenüber dem Vorjahr beträgt der Zuwachs einen halben Prozentpunkt. Das sind gut 400.000 Personen.

Die Kinderarmut stagniert mit zuletzt 19,2 Prozent seit Mitte der 1990er-Jahre auf überdurchschnittlichem Niveau. Einen deutlichen Zuwachs hat es dagegen bei den „working poor“ gegeben, die trotz Erwerbstätigkeit unter die Armutsschwelle fallen. Deren Zahl hat zwischen 1996 und 2013 von 2,2 auf über 3 Millionen zugenommen. Der Anteil der arbeitenden Armen an den Erwerbstätigen stieg in diesem Zeitraum von 6,2 auf 7,8 Prozent.

Darüber hinaus ist die Armutsquote vor allem der Arbeitslosen drastisch angewachsen. Waren 1996 noch 39,5 Prozent aller Arbeitslosen arm, so sind es nach den aktuellen Zahlen der Sozialberichterstattung 58,7 Prozent. Der Sozialwissenschaftler führt dies zum einen darauf zurück, dass immer weniger Erwerbslose Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Zum anderen sei aber auch die durchschnittliche Höhe des Arbeitslosengeldes gesunken – unter anderem wegen der schwachen Lohnentwicklung und der zunehmenden Verbreitung von Teilzeit.

Entscheidend für die langfristige Entwicklung der Armut in Deutschland ist laut Seils vor allem die Situation der Senioren, da Menschen im Rentenalter in Zukunft einen zunehmenden Anteil der Gesamtbevölkerung ausmachen werden. Bei den Älteren ist das Armutsrisiko zwischen 2006 und 2013 um 3,9 Prozentpunkte auf 14,3 Prozent gestiegen. Denn jüngere Jahrgänge hätten einen größeren Teil ihrer Erwerbsbiografie unter ungünstigen Arbeitsmarktbedingungen verbracht. „Um zu verhindern, dass wachsende Teile der Bevölkerung in Armut versinken, muss daher dringend das Rentenniveau stabilisiert werden“, fordert der WSI-Sozialexperte. Die geplante Absenkung von zuletzt 48,9 auf 43 Prozent des Durchschnittsverdienstes bis zum Jahr 2030 sei nicht tragbar.

erschienen in Böckler Impuls, Ausgabe 19/2014

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