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Bank für Bauarbeiter: 50 Jahre ING-DiBa

Georg Leber: Der Vorsitzende der Baugewerkschaft sorgt für ein stabiles Fundament der BSV.
Georg Leber: Der Vorsitzende der Baugewerkschaft sorgt für ein stabiles Fundament der BSV.
18.12.2015
„Mit dem Tarifvertrag über Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand hat unsere Gewerkschaft einen großen Schritt voran in gesellschaftspolitisches Neuland getan“, schreibt Georg Leber, Vorsitzender der damaligen IG Bau-Steine-Erden (IG BSE), im Oktober-„Grundstein“ 1965. Nach monatelangen, zähen Tarifverhandlungen wurde nun die Gewerkschafts-Forderung „Vermögen durch Tarifvertrag“ erfüllt.

Die Arbeitgeber zahlen neun Pfennige pro Arbeitsstunde für die Vermögensbildung (vermögenswirksame Leistungen), die Arbeitnehmer legen zwei Pfennige von ihrem Lohn drauf. „Das, was sich hier als Pfennige je Stunde ausdrückt und weswegen manche Kritiker Zweifel haben, das sind eben Pfennige, die bei Milliarden Stunden, die in einem großen Gewerbe jährlich geleistet werden, rasch Milliarden D-Mark in Bewegung bringen“, so Georg Leber damals.

„Leber-Bank“ setzt Maßstäbe
Die IG BSE sieht sich in der Pflicht, den eingeschlagenen Weg auszubauen und entsprechende Anlagemöglichkeiten für die sogenannten vermögenswirksamen Leistungen zu schaffen.

Mitte Oktober 1965 geben Georg Leber und Walter Hesselbach, damaliger Chef der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG), die Gründung der Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung (BSV) in Frankfurt am Main bekannt. Das Geldinstitut will den Kunden nicht nur eine gute Verzinsung bieten, sondern die Sparer auch am Ertrag der Bank beteiligen. Außerdem sollen die Arbeitnehmer Sitz- und Stimmrecht im Aufsichtsrat erhalten.

Und nach dem Motto „Bauarbeiter Sparen Vernünftig (BSV)“ erhält jedes IG BSE-Mitglied bei Eröffnung eines Sparkontos von der Gewerkschaft fünf D-Mark als Stammeinlage. Banken- und Sparkassen schlagen Alarm und zeigen den BSV-Vorstand beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen an. Begründung: Es werde mit unzulässigen Geldgeschenken und der Macht einer großen Gewerkschaft versucht, dem neuen Institut Kunden zuzuführen. Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Die BSV oder „Leber-Bank“, wie das Geldinstitut im Volksmund heißt, ist eine Direktbank, ohne Filialen. Die Kunden wickeln ihre „Geldgeschäfte“ per Brief ab. Mehr als 200 000 neue Konten werden im ersten Jahr eröffnet. Ende der 1960er-Jahre überrascht die BSV die Finanzwelt aufs Neue mit ihrem Programm „Eigenheimfinanzierung aus einer Hand“ – ohne Zwischenfinanzierungen für private Häuslebauer oder Wohnungskäufer. Es folgen der Verbraucherkredit in den 70er- und das Telefonbanking in den 80er-Jahren.

Turbulent wird es für die BSV beim Scheitern des gewerkschaftseigenen Wohnungsunternehmens Neue Heimat, was den Verkauf der BfG zur Folge hat. Mit der Übernahme der BfG durch die Gewerkschaftsholding BGAG bleibt die BSV im Besitz der Gewerkschaften. Es kristallisierte sich aber heraus, dass die Bank auf lange Sicht einen neuen starken Partner braucht. Im April 1998 übernimmt die niederländische Finanzgruppe ING 49 Prozent der Allgemeinen Deutschen Direktbank, wie die BSV mittlerweile heißt. Knapp vier Jahre später stockt die ING ihren Anteil um 21 Prozent auf. Und im Jahre 2003 trennt sich die BGAG-Holding von ihren letzten Anteilen. Die „Leber-Bank“-Ära geht zu Ende.

Seit Juli 2005 firmiert das Bankinstitut unter ING-DiBa und ist mit über acht Millionen Kunden die drittgrößte Privatkundenbank in Deutschland.

Ein Beitrag unserer Kollegin Gerlinde Dickert für die IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann".