Streik bei KMB Marsberg


Betriebsrätemobbing: Unsinnig - doch immer wieder gerne versucht

Forschungsprojekt zeigt: Betriebsräte sind für Innovationen offen


Minimalistische Ausstattung: das "Betriebsratsbüro" der KMB-Marsberg
© IG BAU
05.09.2012
Wer eine Betriebsratswahl behindert, begeht eine Straftat. Gleiches gilt für denjenigen, der den Betriebsrat in seiner Arbeit behindert oder stört. Betriebsrätemobbing nennen das die Fachleute. Die Ideologie, dass man Betriebsräte bekämpfen muss, ist vor allem bei klein- und mittelständischen Betrieben weiter verbreitet als man glaubt.

Das "Betriebsratsbüro" ist ein schlichter Raum. Kein Bild oder Plakat an der Wand lenkt den Blick ab, auch Telefon oder PC stören die Betriebsratsmitglieder nicht, wenn sie sich zu ihren Sitzungen treffen. Selbst bei den Arbeitsmitteln geizen die Chefs. Ein Tisch und sechs Stühle - das ist die ganze Ausstattung des Betriebsratsbüros der KMB-Betonfertigteile in Marsberg. Dabei schreibt das Gesetz etwas ganz anderes vor: Dem Betriebsrat sind die für seine Arbeit erforderlichen Sachmittel einschließlich Kommunikationsgeräten zu stellen (§ 40 BetrVG). Das Gleiche gilt für Informationen (§ 80 Abs. 2 BetrVG). Zu den Informationen gehören sowohl betriebliche Informationen, als auch Fachliteratur und Medien, wie Fachzeitungen.

Der Firmenleitung im Patriarch Hermann Jakobs scheint das egal zu sein. Er setzt darauf, dem ihm verhassten Betriebsrat das Leben schwer zu machen. Und erreicht damit genau das Gegenteil: die Kollegen halten fest zusammen. Immerhin hat der Betriebsrat inzwischen einige Nachschlagewerke zur Verfügung. Telefon und PC? Weiterhin Fehlanzeige. Um die nötige Ausstattung zu bekommen, läuft ein weiteres Gerichtsverfahren. Entschieden wird vermutlich beim Kammertermin im Oktober.

Dabei ist das Betriebsräte-Mobbing völlig unnötig, wie ein von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertes Forschungsprojekt am Institut für Angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universtität Bochum (IAI) deutlich macht.

Neue Produkte oder Dienstleistungen, eine andere Arbeitsorganisation oder effizientere Produktionsprozesse gelten als Schlüsselelemente, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Früher hätten Arbeitnehmer Innovationen oft skeptisch gegenübergestanden: Sie fürchteten, dass ihre Arbeitsplätze durch Rationalisierung verloren gehen würden. Doch das hat sich deutlich geändert, zeigen die Innovationsforscher. Betriebsräte sind Innovationen gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt und treiben sie mit voran.

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