Junge BAU


DGB-Index Gute Arbeit: Junge Beschäftigte unter Druck

25.05.2012
Viele Überstunden, schlechte Bezahlung, unsichere Beschäftigung, steigender Arbeitsdruck – viele junge Beschäftigte unter 35 leiden unter den Belastungen der heutigen Arbeitswelt. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit zur Situation der jungen Beschäftigten. "Die Junge BAU hat mit Bedauern auf die Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit für Junge Beschäftigte reagiert.

"Die Ergebnisse zeichnen ein verheerendes Bild der Arbeitswelt, in der sich junge Beschäftigte wiederfinden" sagt IG BAU-Bundesjugendsekretär Christian Beck. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre habe die Beschäftigungssituation der jungen Generation weiter dramatisch verschlechtert. Wer als gut ausgebildete Fachkraft in den Arbeitsmarkt eintrete erhalte erst einmal "einen Schlag ins Gesicht".

Beck:"Wenn man sich anstrengt, hoch motiviert ist, sich einbringt und dann erbärmlich dafür entlohnt wird und einem dann noch das letzte Bisschen Sicherheit fehlt sein Leben zu planen, dann darf man sich nicht wundern, wenn einem dafür Unverständnis und Wut entgegenschlägt." Dagegen wirke der dauernde Ruf nach gut ausgebildeten Fachkräften wie Hohngelächter.

Ein erster Schritt die bestehenden Verhältnisse zu verbessern sei die richtige Eingruppierung. Gerade auf dem Bau sei das ein Thema. Damit ließe sich kurzfristig die Einkommenssituation der jungen Menschen verbessern. Die IG BAU bietet ihren Mitgliedern hierzu Beratung und Unterstützung an.

Für die Junge BAU reiche das aber noch lange nicht: "Wir müssen die befristeten Arbeitsverhältnisse zurückdrängen," sagt Christian Beck. Das sei eine Frage von Sicherheit und Respekt. Die Junge BAU macht sich daher für eine deutlich bessere Entlohnung von befristet Beschäftigten stark. Das sei das Mindeste, um die Risiken drohender Arbeitslosigkeit und anderer Unwägbarkeiten auszugleichen.

Die Junge BAU wird dieses Thema anpacken. Dazu gibt es ab Sommer verstärkt Aktionen und Informationen.

Unzufriedenheit mit dem Einkommen

Viele junge Beschäftigte sind mit ihrer Einkommenssituation unzufrieden. 47 Prozent, also fast die Hälfte, beurteilt sie als negativ, das gilt vor allem für die prekär Beschäftigten. Fast jede bzw. jeder Vierte bezieht ein niedriges Einkommen unter 1.500 Euro im Monat, jeder Sechste gar unter 800 Euro. Lediglich die Hälfte der Befragten ist unbefristet beschäftigt und verdient mehr als 1.500 Euro im Monat, etwa ein Drittel (37 Prozent) mehr als 2.000 Euro. Die Gewerkschaften fordern deshalb Tariflöhne und den gesetzlichen Mindestlohn. „Tariflöhne sind auch für junge Beschäftigte immer noch die beste Lösung. Sie bleiben das wirkungsvollste Instrument, um Dumpinglöhne und Ausbeutung zu verhindern. Darüber hinaus brauchen wir endlich den gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro.“

Kaum Planungssicherheit

Von Planungssicherheit kann bei vielen der Befragten keine Rede sein. Etwa ein Fünftel (21 Prozent) ist befristet beschäftigt, jede bzw. jeder Zehnte arbeitet in der Leiharbeit (4 Prozent) oder als Minijobberin (7 Prozent). Die Ausbreitung der Minijobs ist vor allem ein Problem für junge Frauen: jede Zehnte (10 Prozent) hat einen Minijob, bei den Männern sind es vier Prozent. Gerade prekär Beschäftigte haben mangels verlässlicher Perspektiven in einer wichtigen Lebensphase, in der persönliche Entscheidungen anstehen, zum Beispiel Familiengründung oder Altersvorsorge, keine Wahl.

Gehetzt und gestresst

Die Beschleunigung und Intensivierung der Arbeit hinterlässt auch bei den jungen Beschäftigten Spuren. Gut jede bzw. jeder zweite junge Beschäftigte (56 Prozent) hat den Eindruck, dass in den letzten Jahren immer mehr in der gleichen Zeit geschafft werden muss. Besonders Frauen machen diese Erfahrung, hier sind es 61 Prozent gegenüber 52 Prozent bei den Männern. René Rudolf, DGB-Bundesjugendsekretär, warnte: „Durch die zunehmende Belastung steigt auch bei den jungen Beschäftigten das Risiko von chronischen Erschöpfungszuständen. Burn-out ist – man muss es leider so sagen – in der Mitte der Gesellschaft und auch bei den jungen Beschäftigten angekommen.“

© einblick

Viele Überstunden

Dazu tragen auch viele Überstunden bei. Sie sind für viele junge Beschäftigte nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Mehr als zwei Drittel der Befragten (70 Prozent) gaben an, regelmäßig Überstunden zu leisten. 41 Prozent leisten mehr als fünf Überstunden die Woche, für jeden Fünften (19 Prozent) sind es sogar regelmäßig mehr als zehn Stunden.

Arbeit und Freizeit verschwimmen

Der Trend, seine Arbeit mental mit nach Hause zu nehmen, ist auch bei den jungen Beschäftigten zu beobachten. Etwa jede oder jeder Dritte (34 Prozent) gibt an, zu Hause an Schwierigkeiten bei der Arbeit denken zu müssen. Mehr als ein Viertel der Beschäftigten (28 Prozent) fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten. Für 16 Prozent der Befragten gilt dies sogar im Urlaub. Und jede bzw. jeder Siebte (14 Prozent) erledigt „sehr häufig“ oder „oft“ in der Freizeit Aufgaben für den Betrieb.

Krank zur Arbeit

Viele Beschäftigte gehen zur Arbeit, obwohl sie aus gesundheitlichen Gründen zu Hause bleiben müssten. Insgesamt gaben 70 Prozent der Befragten an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal krank zu Arbeit gegangen sind, jede bzw. jeder Zweite (48 Prozent) hat dies sogar zwei oder mehrere Male getan.

Der DGB und seine Gewerkschaften fordern mehr Beratung, Information und ein durchdachtes Gesundheitsmanagement in den Betrieben. Das nutzt nicht nur den Beschäftigten, jung und alt, sondern auch den Unternehmen selbst. Denn auch sie haben ein Interesse daran, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund bleiben und zufrieden mit ihrem Arbeitsumfeld sind. Die Unternehmen sollten hierfür auf die Kompetenz der Betriebs- und Personalräte zurückgreifen, die die Belastungen ihrer Kolleginnen und Kollegen sehr gut kennen, forderte die stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Der DGB hat zum vierten Mal eine repräsentative Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit zur Situation der jungen Beschäftigten unter 35 vorgenommen. Das Umfragezentrum Bonn (uzbonn) hat im Auftrag des DGB insgesamt 6.083 abhängig Beschäftigte aus allen Branchen, Regionen und Betriebsgrößen zu ihren Arbeitsbedingungen befragt, davon waren 1.238 unter 35 Jahre alt. Fachlich begleitet wurde die Studie vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES).

Die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit zur Situation der jungen Beschäftigten gibt’s hier