Arbeitssicherheit / Gesundheitsschutz


Das U in IG BAU zum Zweiten

Fracking und Luftbelastung durch Baumaschinen


28.10.2015
Ein themenreiches und intensives Seminar wurde von der Region Westfalen zur Reihe „Das U in der IG BAU“ im September zum bundesweiten Klimaaktionstag durchgeführt. In zwei Themenblöcken sammelten die KollegInnen Informationen zu den Risiken und Chancen von Fracking und den Gefahren, die von Diesel in Baumaschinen für Mensch und Umwelt ausgehen.

Fracking - Chancen oder Risiken der Erdgasgewinnung

Seit dem letzten Gewerkschaftstag nimmt die IG BAU eine ablehnende Haltung gegenüber Fracking ein und begründet das mit den Risiken, die von dieser Technologie für Mensch und Umwelt ausgehen. Das hinderte die Region Westfalen jedoch nicht, Fracking noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Dazu hatte sie zwei Experten eingeladen, die recht gegensätzliche Meinungen vertreten, wenn es um die Frage geht, ob es Risiken gibt bzw. ob diese beherrschbar sind.

Für Josef Tumbrinck vom Naturschutzbund (NABU) Nordrhein-Westfalen und Dr. Nikolai Delling, Senior Referent für Altlasten und Bodenschutz bei der DEA Deutschen Erdoel AG und seit 1982 Mitglied der IG BAU, war klar: Wir brauchen Erdgas als Energieträger noch einige Jahrzehnte.

Der Klimawandel ist einer der größten Herausforderungen für heutige und zukünftige Generationen. Um diesen aufzuhalten, sollten wir fossile Energieträger wie Kohle, Öl und auch Gas für Energieerzeugung nicht mehr auf ewig nutzen - auch wenn es weiterhin große Vorkommen gibt. Bis Ende des Jahrhunderts sollte die Menschheit andere Energiequellen für sich erschlossen haben. Für Deutschland steht das Ziel 2050.

Das bedeutet, dass Erdgas für die Zeit, bis erneuerbare Energien endgültig ihren Siegeszug antreten können, eine unerlässliche Rolle spielen wird. Und das auf Jahrzehnte. Es ist unter den fossilen Geschwistern dasjenige, das sich mit dem Klima noch am besten verträgt.
Doch ab diesem Punkt schieden sich dann die Geister. Auch wenn wir Erdgas weiterhin brauchen, sollte dafür unkonventionelles Fracking genutzt werden? Wie sehen Risiken aus? Gibt es sie überhaupt? Oder handelt es sich um eine gut beherrschbare Technologie, bei der die Vorteile überwiegen?

Risiko heutiger Wissensstand?

„Der Energieverbrauch kann so nicht weiter gehen. Sicherlich kann man mit Erdgas noch Jahrzehnte Geld verdienen, global ist das jedoch eine Sackgasse. Und dann stellt sich für mich die Frage: Wer steigt wie schnell aus?“, so Josef Tumbrinck.
„Es gibt genügend konventionell gefördertes Gas auf der Welt, wo Fracking zur Förderung nicht nötig ist. Da brauchen wir keine Erdgasförderung, bei der wir tief in das geologische Gefüge eingreifen und nicht genau wissen, was die Folgen sind“, so Tumbrinck weiter. „Es gibt zahlreiche Beispiele in der menschlichen Geschichte, wo sich herausstellte, dass man nicht alle Auswirkungen voraussehen konnte. Die Menschen haben in den Industrieländern ziemlich kaputte Landschaften hinterlassen, die wir heute wieder reparieren.“
Das bedeutet wiederum, dass eine gesetzliche Regulierung von Fracking nicht hilft, wie sie die Bundesregierung vorhat.

Für den Geologen Nikolai Delling ist es eindeutig: „Wir benötigen noch sehr lange den aus klimatologischer Sicht günstigsten fossilen Brennstoff Erdgas als Energielieferanten. Und wir wären dumm, nicht die eigenen, vorhandenen Ressourcen umweltschonend zu nutzen. Wenn wir in 5000 Meter Tiefe Risse erzeugen, um Erdgas zu fördern, hat das keinerlei Einfluss auf oberflächennahe Grundwasserleiter. Das ist schon rein physikalisch nicht möglich. Wir reden hier von Naturgesetzen und jahrzehntelang erprobten Techniken, die außer Acht gelassen werden und über eine Polemik, die nur auf Emotionen setzt.“

Genauer führt er aus: „Der Boden ist nicht einfach ein homogener Boden aus dem sowohl unser Trinkwasser als auch andere Rohstoffe wie z.B. Erdgas kommen. Wir haben es hier mit Gesteinsschichten zu tun. Da ist es sehr wohl ein Unterschied, ob ich in 200, 500 oder 5000 Meter arbeite, wo überhaupt keine Gefährdung von oberflächennahem Grundwasser besteht. In größeren Tiefen gibt es nämlich kein Grundwasser, das ich nutzen könnte.“

Risiko Frackfluide ?

Josef Tumbrinck thematisierte eine große Sorge der Bevölkerung und auch der TeilnehmerInnen. Nämlich die Frage nach den chemischen Zusatzstoffen in den sogenannten Frackfluiden, die mit großen Mengen Wasser vermischt in den Boden verpresst werden, um das Erdgas aus dem Gestein zu lösen. Auch hier hätten die Positionen der beiden Referenten nicht unterschiedlicher sein können.

Nikolai Delling sieht es als unproblematisch an, Stoffe zu nutzen, die nach der Rezeptur der DEA alle auch im gebräuchlichen Haushalt vorkommen und als Frackfluide der Wassergefährdungsklasse 1 (wie auch Milch oder Salzwasser) zugeordnet werden.
Für Tumbrinck ist es nicht sicher, dass alle frackenden Unternehmen auch wirklich nichttoxische Substanzen nutzen. Dies stellt Delling als unterstellende Polemik dar, die nur weiter verunsichern soll statt aufzuklären. Daneben ist die Toxizität der Fluide von nachrangiger Bedeutung, da sie nicht mit der schützenswerten Umwelt in Kontakt kommen.

Risiko Bohrlöcher?

Auch auf die Frage der Teilnehmerin Thea Mersch aus Dortmund, was denn mit den Bohrlöchern sei, wo der Austausch zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘ stattfindet, sie sei sich nicht sicher, ob die Versiegelung der Bohrlöcher tatsächlich auf Dauer halten, war Delling eindeutig: „Es ist in Deutschland noch nie zu ernsthaften Vorfällen um Bohrlöcher gekommen. Die Bohrlöcher und genutzten Materialien haben sich bewährt. Das können wir sagen, weil die DEA das seit Jahrzehnten in Deutschland macht. Allein in Niedersachsen gibt es 8600 Bohrlöcher.“

Beide Referenten widerspiegelten die gegensätzlichen Positionen, die es nun bei der anstehenden Regulierung von Fracking unter einen Hut zu bringen gilt. Für die TeilnehmerInnen wie Oliver Beizel aus Bad Berleburg stand das Fazit zur Veranstaltung: „Ich fand diese Auseinandersetzung sehr fruchtbar für meine eigene Meinungsbildung.“

Für weitere Informationen, auch zur Funktionsweise von Fracking, finden sich die Präsentationen der beiden Referenten hier als Download.

Rußpartikel fliegen bis zur Arktis und gelangen bis ins menschliche Gehirn

Rußpartikel gehören zum Feinstaub. Ungefähr 20 Prozent des Feinstaubs in Deutschland kommen aus dem Verkehr. Und davon tragen Baumaschinen in Städten nur 0,2 – 2 Prozent bei. Wieso ist das also so ein Problem?
Es gibt zwei Ebenen, auf denen Rußpartikel, die bei weitem nicht den Durchmesser eines Haares erreichen, sondern sich nur in Mikrometern messen, schaden: dem Klima und der Gesundheit. Besonders betroffen ist die Gesundheit der KollegInnen, die mit dieselbetriebenen Maschinen arbeiten – und das ist in fast allen IG BAU Branchen der Fall.

„Über Winde werden Rußpartikel an die Pole und auf Gletscher getragen. Dort setzen sie sich ab und verhindern eine Reflektion des Sonnenlichtes“, arbeitete Kollege Oliver Beitzel aus Bad Berleburg heraus. „Jeder kennt den Effekt, den schwarze Kleidung in der Sonne hat. Es wird warm. Deswegen trägt man im Sommer auch helle Sachen.“

Laut Bericht des Weltklimarates 2013 ist Ruß global für eine Erwärmung von umgerechnet ca. 0,5 °C verantwortlich. Rußpartikel beeinflussen auch die Wolkenbildung und führen damit zu anderen Niederschlägen. Je wärmer die Luft, desto weniger Wolken entstehen.
Die andere Ebene ist der Gesundheitsschaden, der durch Rußpartikelausstoß entsteht. Und dabei ist es völlig egal, ob Baumaschinen zu 1, 2 oder 15 Prozent Anteil an der Gesamtbelastung von Feinstaub tragen. Rußpartikel sind per se schädlich, weil sie eingeatmet überall in den Körper gelangen können und zu Stoffwechsel- und Kreislauferkrankungen sowie Lungen- und Blasenkrebs führen können. Bauarbeiter haben eine 10mal so hohe Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken, wenn sie regelmäßig Feinstaub ausgesetzt waren. Als Baumaschinenführer kann man davon ausgehen, während seines Arbeitslebens einer potentiell krankmachenden Belastung ausgesetzt zu sein.

„Deswegen hilft nur eines!“, sagt Frank Rennekamp, stellv. Bezirksvorstand Münster Rheine. „Ein Rußpartikelfilter! Er müsste verpflichtend in allen Maschinen verbaut sein.“ Denn nur so ist den Rußpartikeln zu 99 Prozent beizukommen.
Für verschiedene Maschinen mit verschiedenen Leistungsklassen gibt es verschiedene Filterlösungen. Es gab auch die Gelegenheit, sich einen anzusehen. Vor der Bildungsstätte parkte extra ein kleiner Gabelstapler mit Filtersystem. Hier konnten die TeilnehmerInnen den Ausbrennungsprozess des Filters, der allen Rußpartikeln den Garaus macht, mit ansehen.

Interessierte können von den Seminarmaterialien Power-Point-Dateien bestellen. mailto: lisa.bauch@igbau.de

Temperaturmessung beim Ausbrennen des Rußpartikelfilters © IG BAU (Lisa Bauch)
Temperaturmessung beim Ausbrennen des Rußpartikelfilters © IG BAU (Lisa Bauch)