IG BAU - die tun was!


Die Erinnerung lebendig halten

Die Ermordeten ehren und die Erinnerung wachhalten
Die Ermordeten ehren und die Erinnerung wachhalten © Peter Köster
18.11.2016
Lokale Geschichte sichtbar machen, an die Geschichte der Entrechtung, Vertreibung und Ermordung erinnern - für die Kolleginnen und Kollegen im IG BAU-Bezirksverband Mülheim-Essen-Oberhausen (MEO) ist die Auseinandersetzung mit der Nazizeit, das Erinnern daran, eine Herzensangelegenheit. Deswegen waren sie am 9. November 2016 dabei, als das antifaschistischen Bündnis „Essen stellt sich quer“ dazu aufgerufen hatte, Stolpersteine zu reinigen und an die Ermordeten zu erinnern.

Am 20. Oktober 1936, morgens um fünf Uhr, wurde der Rottenarbeiter Benno Kier von der Gestapo abgeholt. "Man habe eine alte Sache aus der früheren Arbeit zu klären". Nachmittags um 15:30 Uhr war er tot, erschlagen auf der Wachstube der Bochumer Gestapo. Der Familie wurde untersagt, dem Getöteten das Totenhemd anzuziehen.

Der am gleichen Tag verhaftete und zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilte Arbeiter Fritz Leidig berichtet 1946 an Eides statt von Misshandlungen in der Wachstube. Benno Kier hat diese nicht überlebt. Den beiden und 26 weiteren später angeklagten Arbeitern wurde ihre Mitgliedschaft in der KPD vorgeworfen und unterstellt, sie wollten verbotenerweise die KPD neu entstehen lassen.

Auf Initiative des Bezirksverbandes Mülheim-Essen-Oberhausen (MEO) wurde bereits 2007 für Benno Kier ein Stolperstein verlegt. Damit soll die Erinnerung an Benno Kier und sein Schicksal wachgehalten werden. Der Stadtverband Essen der IG BAU beteiligte sich zusammen mit dem örtlichen Bürgerschafts- und Geschichtsverein an der diesjährigen Reinigungsaktion. Nachbarn machten ganz spontan mit.

"78 Jahre nach der Reichspogromnacht ist es notwendiger denn je, der Entwicklung nach Rechts in unserem Land etwas entgegenzusetzen", finden die teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen.

Die Aktivisten erinnern daran, dass damals hunderttausende Menschen überlebten, weil ihnen die Flucht aus Deutschland gelang und ihnen in vielen Ländern der Welt Asyl gewährt wurde.

Angesichts dieser Geschichte trägt unser Land heute eine besondere Verantwortung im Umgang mit Asylsuchenden und in der Bekämpfung von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus.

IG BAU - die tun was!

© Peter Köster

Peter Köster, Bezirksverbandsvorsitzender in MEO, bei der Reinigungsaktion.