Junge BAU


Gute Ausbildung ist der Schlüssel für ein erfolgreiches Berufsleben

Ausbildungsreport 2012


Übernahme oft ungeklärt: 64,4 Prozent der Azubis wissen nicht, ob sie nach
der Ausbildung übernommen werden. Angaben in Prozent von
11.777 befragten Auszubildenden © DGB / Ausbildungsreport 2012
12.09.2012
Nicht einmal jedes vierte Unternehmen bildet aus, vielen Betrieben mangelt es an der nötigen Ausbildungsreife, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und auch die Qualität der Berufsschulen kann noch erheblich verbessert werden. Zu diesen Ergebnissen kommt der diesjährige Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Gemessen an dem lauten Klagen der Arbeitgeber über einen Mangel an Auszubildenden hat sich überraschend wenig getan. Die Probleme von Auszubildenden sind in den letzten Jahren leider nicht geringer geworden.

Für die Junge BAU ist eine gute Ausbildung der Schlüssel für ein erfolgreiches Berufsleben. Auch die Unternehmen profitieren davon. Schließlich bilden sie damit ihren qualifizierten Nachwuchs aus - schon deshalb sollten sie großes Interesse an guter Ausbildung im eigenen Unternehmen haben. „Geschieht das dennoch nicht, zeigt sich vor allem eines, nämlich dass die Klagen über den Fachkräftemangel vor allem dazu dienen, von zu wenig Ausbildungsplätzen und schlechten Ausbildungsbedingungen abzulenken,“ sagt IG BAU-Bundesjugendsekretär Christian Beck.

Die Junge BAU fordert daher nicht nur eine hochwertige, dreijährige Ausbildung. Es geht auch darum, dass dies ständig kontrolliert wird. Hierbei seien vor allem die Kammern in der Pflicht. In Unternehmen mit betrieblicher Interessensvertretung gibt es weitere Möglichkeiten, die Qualität zu sichern. Um JAVen und Betriebsräte bei dieser Aufgabe zu unterstützen, wird noch in diesem Jahr eine Arbeitshilfe erscheinen. Diese gibt nicht nur „umfassende Hinweise für die betrieblichen Interessensvertreter zum Thema Ausbildungsqualität. Mit zusätzlichen Checklisten kann zudem jeder Azubi selbst überprüfen, wie es um die Qualität in seinem Betrieb steht,“ verspricht der Bundesjugendsekretär.

Zudem müssen sich nach Ansicht der Jungen BAU die Ausbildungsvergütungen den aktuellen Lebenssituationen der Azubis anpassen. Laut Beck würden „viele Azubis oftmals weite Wege zum Ausbildungsplatz in Kauf nehmen oder gar umziehen.“ Beides ist von den oft geringen Vergütungen nicht zu bezahlen, am Monatsende bleibt dann nicht viel übrig. Daher müssten sich die Arbeitgeber in den kommenden Tarifrunden auf die Nachwuchskräfte von morgen zubewegen. Die Übernahme von Fahrtkosten zur Berufsschule wäre nach Ansicht der Jungen BAU ein erster wichtiger Schritt. Für den Übergang nach der Ausbildung fordert sie zudem tragfähige Übernahmeregelungen, die den Azubis Sicherheit geben.

Die rote Laterne bleibt beim Hotel- und Gaststättengewerbe

Wenige Veränderungen gab es im Ranking der 25 häufigsten Ausbildungsberufe. Die besten Beurteilungen für die Qualität der eigenen Ausbildung gab es erneut von angehenden Bank- und Industriekaufleuten sowie Mechatronikern. Auf den letzten drei Rängen sind wie im Vorjahr die Ausbildungsgänge für Fachverkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk, Restaurant- und Hotelfachleute gelandet. Die rote Laterne bleibt damit beim Hotel- und Gaststättengewerbe.

Entsprechend hoch sind dort auch die Abbrecherquote sowie der Anteil an unbesetzten Stellen. Beispiel Restaurantfachleute: Fast jeder zweite Ausbildungsvertrag (47,6 Prozent) wird vorzeitig aufgelöst, ein Viertel der Ausbildungsplätze ist nicht besetzt. „Es ist offensichtlich, dass zwischen der Ausbildungsqualität auf der einen und der Abbrecherquote sowie dem Bewerbermangel auf der anderen Seite ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.

Nur jeder zweite bewertet die Qualität der Berufsschulen als gut oder sehr gut

Das Sonderthema der diesjährigen Befragung war die Qualität der Berufsschulen. Zwar bewertet eine knappe Mehrheit der befragten Auszubildenden (56,3 Prozent) die fachliche Qualität der Berufsschulen als „gut“ oder „sehr gut“. Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der positiven Bewertungen allerdings um mehr als fünf Prozentpunkte zurückgegangen. Mehr als ein Viertel bezeichnet die Unterrichtsqualität als „befriedigend“ (29,1 Prozent), immerhin 14,6 Prozent bewerten sie nur als „ausreichend“ bis „mangelhaft“.

Einen starken Einfluss auf die Bewertung hat die Ausstattung der Berufsschulen mit technischen Geräten und Unterrichtsmaterialien. Etwa zwei Drittel der Befragten sind mit der Ausstattung an ihrer Schule zufrieden. Von ihnen bewerten 67,4 Prozent die Qualität der Berufsschule positiv. Deutlich kritischer sind die Auszubildenden, die mit der Ausstattung unzufrieden sind: nur ein Fünftel (21,7 Prozent) bewertet die Qualität der Berufsschule als „gut“ oder „sehr gut“.

Auch die Klassengröße spielt eine wesentliche Rolle bei der Bewertung: je größer die Klasse, desto negativer wird die Lernatmosphäre bewertet. In Klassen mit bis zu 15 Auszubildenden sind vier von fünf Azubis (78,8 Prozent) „immer“ oder „häufig“ mit der Lernatmosphäre zufrieden, bei Klassen mit mehr als 25 Auszubildenden ist es nur noch ein Drittel (32,2 Prozent). Die Befragung zeigt: kleine Klassen und eine zeitgemäße Ausstattung der Berufsschulen mit Unterrichtsmaterial, Schulbüchern und technischen Geräten ist unabdingbar, wenn das Lernen im Unterricht erfolgreich unterstützt werden soll.

Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten und fachliche Betreuung

Der Anteil der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden leisten müssen, ist gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen, von 40,6 Prozent in 2011 auf 38,1 Prozent in diesem Jahr. Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben erhält fast jeder Fünfte weder einen Freizeitausgleich noch eine entsprechende Vergütung für die geleisteten Überstunden.

Fast jeder oder jede zehnte Auszubildende (10,8 Prozent) muss nach eigenen Angaben ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (9,8 Prozent). Auch bei der Betreuung durch eine Ausbilderin oder einen Ausbilder gibt es Defizite: Fast jeder zehnte Befragte hat gar keinen Ausbilder (8,2 Prozent), bei weiteren 10,1 Prozent steht die Ausbilderin oder der Ausbilder selten oder nie zur Verfügung.

Der DGB sieht hier vor allem die Kammern in der Pflicht: „Angesichts der beinahe unveränderten Verstöße gegen gesetzliche Regelungen stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit der Kontrollen. Missstände müssen schneller erkannt und beseitigt werden und bei besonders gravierenden Fällen dürfen die Kammern auch vor Sanktionen nicht zurückschrecken.“

Schlechtere Bedingungen in weiblich dominierten Berufen

Nach wie vor gibt es auffällige geschlechterspezifische Unterschiede in der Ausbildung. Noch immer entscheiden sich Frauen und Männer für unterschiedliche Ausbildungen, was zu deutlich männlich und weiblich dominierten Berufen führt. Zu den „Männerberufen“ gehören unter anderem Metallbauer, Anlagenmechaniker und Elektroniker, Frauen entscheiden sich häufiger für eine Ausbildung zur Friseurin, Kauffrau für Bürokommunikation oder Medizinischen Fachangestellten.

Das hat Folgen für die Vergütung: Frauen erhalten in den von ihnen bevorzugten Berufen weniger Geld. Während männliche Auszubildende im Durchschnitt 721 Euro (West) und 658 Euro (Ost) verdienten, erhielten weibliche Auszubildende durchschnittlich 688 Euro (West) und 614 Euro (Ost). Eine Annäherung gab es bei den Überstunden. Zwar leisten Auszubildende in den weiblich dominierten Berufen nach wie vor häufiger Überstunden, der Unterschied zu den männlich dominierten Berufen ist aber geringer ausgefallen als im Vorjahr (2012: 38,4 zu 36,3 Prozent, 2011: 44,2 zu 36,9 Prozent). Deutliche Unterschiede gibt es aber weiterhin beim Überstundenausgleich: in den von Männern favorisierten Ausbildungsgängen erhalten drei von vier Azubis (74,9 Prozent) einen Freizeitausgleich oder eine entsprechende Vergütung, bei den „Frauenberufen“ sind es lediglich 60 Prozent

Übernahme oft ungeklärt

Sehr problematisch für die Auszubildenden ist die oft ungeklärte Übernahmesituation. Zum Zeitpunkt der Befragung wusste ein gutes Viertel der Befragten (26,8 Prozent), dass sie übernommen werden, knapp jeder Zehnte (8,7 Prozent) hatte bereits eine Absage. Die Mehrheit von fast zwei Dritteln (64,4 Prozent) wusste noch nicht, wie es nach der Ausbildung weitergeht. Dazu René Rudolf, Bundesjugendsekretär des DGB: „Junge Menschen werden nach der Ausbildung zunehmend atypisch und prekär beschäftigt. Was sie aber brauchen, sind Perspektiven und Planungssicherheit. Es passt einfach nicht zusammen, dass die Arbeitgeber ständig über Fachkräftemangel klagen, aber gleichzeitig die Fachkräfte, die sie selber ausbilden, nicht für ihren Betrieb sichern.“

Gewerkschaftliches Engagement für bessere Ausbildungsqualität

Um die Ausbildungsqualität zu verbessern, engagieren sich die Gewerkschaften auf unterschiedlichen Ebenen. Die Gewerkschaften setzen sich für tarifliche Regelungen ein, die über den gesetzlichen Rahmen hinaus die Qualität der Ausbildung sichern sollen. Auch die betrieblichen Interessensvertretungen werden unterstützt und beraten, um entsprechende Betriebsvereinbarungen abzuschließen. Da gerade die Auszubildenden mit den größten Problemen oftmals keine Interessenvertretung haben, ist es wichtig, auch diese Auszubildenden über Besuche an der Berufsschule oder das Online-Beratungsangebot von www.dr-azubi.de zu erreichen und über ihre Rechte zu informieren.

Der Ausbildungsreport des DGB erscheint jährlich. Für die repräsentative Befragung wurden in diesem Jahr 12.039 Auszubildende aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt. Damit haben über 2.500 Menschen mehr teilgenommen als im vergangenen Jahr. Damals wurden 9.325 Auszubildende befragt.