Streik bei KMB Marsberg


KMB Marsberg: Einen Schritt vor - zwei zurück

Geschäftsführung bestätigt: Demokratiefreie Zone im KMB-Werk


IG BAU (Bodo Matthey)
Marsberg, 11.07.2012
Staunen bei den Streikenden der KMB Marsberg: am Vormittag sah es so aus, als käme Bewegung in den Arbeitskampf. Erstmals ließ Geschäftsführer Hermann Jakobs verlauten, er sei gesprächsbereit. Um 10.30 Uhr fand dieses Gespräch mit den beiden gewählten Sprechern der Kolleginnen und Kollegen statt. Und die kamen mit einer erstaunlichen Nachricht zurück zu den Streikenden.

Erstmals hat der Geschäftsführer der KMB Marsberg, Hermann Jakobs, heute signalisiert, dass er zu Verhandlungen mit der Tarifkommission bereit sei. Allerdings unter einer Bedingung: der im Dezember 2011 gewählte Betriebsrat müsse zurücktreten.

Die Kollegen sind sauer. "Nachdem Herr Jakobs in der vergangenen Woche vor dem Arbeitsgericht eine empfindliche Niederlage erlitten hat, versucht er nun, auf diese Weise einen Keil zwischen Belegschaft und Betriebsrat zu treiben. Das lassen wir nicht zu. Wir stehen zu unserem demokratisch gewählten Betriebsrat. Und wir streiken für einen Lohn, wie er auch in anderen Betonwerken üblich ist."

Der Geschäftsführer hat mit seinem Vorschlag etwas erreicht: die Kollegen stehen jetzt noch enger zusammen. Sie sind fest entschlossen: "Wir lassen uns unsere demokratischen Rechte nicht abkaufen!"

Hermann Jakobs bestätigt mit seiner Herr-im-Haus-Taktik die Ergebnisse eines Projekts des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts. In dessen Verlauf haben die Forscher festgestellt, dass es überwiegeend in Betrieben mit weniger als 200 Beschäftigten eine mitbestimmungsfeindliche Orientierung des Managements gibt. Immer dann, wenn Beschäftigte und ihre Gewerkschaften am Status quo der Betriebsratslosigkeit rütteln, steigt nach Aussagen der Forscher die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Problemen kommt.

Davon, dass sich die Haltung des Managements nach der Etablierung des Betriebsrats entspannt, wie die Forscher feststellen, ist man in Marsberg noch weit entfernt. Die streikenden Kollegen jedenfalls sind entschlossen: "Wir streiken für unser gutes Recht: für bessere Löhne, für bessere Arbeitsbedingungen. Und das erreichen wir nur MIT unserem Betriebsrat."

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