IG BAU - die tun was!


Mit dem Wischmopp gegen die Uhr


© IG BAU (Franz Zöllner)
03.07.2009
„Das ist doch unmöglich zu schaffen!“ stöhnt die junge Frau schweißgebadet. Sie steht mitten in der Saarbrücker Fußgängerzone in einem 9 m² großen Büro. Ein Schreibtisch mit jeder Menge Unterlagen, ein Rollcontainer, davor ein Drehstuhl. Ein kleiner Schrank dahinter und auf dem Boden PVC-Belag komplettieren das nachgestellte Büro.

Die Frau ist die erste Passantin, die versucht, dieses Büro von 9 m² in der für Gebäudereinigerinnen üblichen Zeit zu reinigen. Natürlich ist der Boden wie im echten Leben mit Papierschnipseln übersät und auf dem Schreibtisch kaum Platz für die notwendige Reinigung.

Das Büro hat die Fachgruppe Gebäudereinigung des Bezirksverbandes Saar-Trier am letzten Juni-Samstag unter einem Pavillon in der belebten Bahnhofstraße aufgebaut. So wird den Passanten praktisch vor Augen geführt, was eine Reinigungskraft leisten muss.

360m² pro Stunde ist die in der Gebäudereinigung übliche Kalkulationsgröße für Büros, erklärt Gewerkschaftssekretär Thomas Kreten den erstaunten Zuschauern. Folglich wären die 9 m² Büro in der Saarbrücker Fußgängerzone in einer Minute und 30 Sekunden zu reinigen. Viel zu wenig Zeit, um Flächen und Fußboden zu wischen, Griffspuren an Fenster und Türen zu beseitigen und die Mülleimer zu entleeren. Auch eine Fachkaft schafft das kaum.

Als die junge Frau dann auch noch erfährt, was die Reinigungskraft für die Reinigung dieses Büros erhält, wird sie kreidebleich und ziemlich sauer: „Das ist moderne Sklaverei. Wenn die Frauen hierfür nur 20 Cent erhalten, müsste die Forderung der Gewerkschaft anstatt 8,7 Prozent eigentlich 20 Prozent sein,“ empört sie sich.

Die Vorsitzende der Fachgruppe Ute Langenbahn bedankt sich bei der Frau für die geleistete Arbeit und überreicht ihr symbolisch ein trockenes Brötchen im Wert von 20 Cent für den Westlohn und ein Ei im Wert von 17 Cent für den Ostlohn.

So wie dieser Passantin ging es noch weiteren Saarbrücker Bürgerinnen und Bürgern an diesem sonnigen Samstagmorgen beim Probereinigen. Sie zeigten großes Verständnis für die berechtigte Lohnforderung der Gewerkschaft und ein mindestens so großes Unverständnis für die Blockadehaltung der Arbeitgeber in der diesjährigen Tarifrunde. Auch einige Auftraggeber von Gebäudereinigerfirmen sehen die tägliche Reinigung in ihren Betrieben nun mit ganz anderen Augen.

Als ein weiterer „Versuchsreiniger“ von dem zwischenzeitlich eingetroffenen Fernsehteam gefilmt wurde, standen die Saarbrücker Bürger in einer riesigen Traube um den Pavillon. Interviews von Zeitung und Fernsehen ließen bei den Akteuren wie Passanten eine tolle Stimmung aufkommen.

Nach so viel Zuspruch aus der Bevölkerung war sich die Fachgruppe einig: Wenn die Saarbrücker Bürgerinnen und Bürger der IG BAU am Verhandlungstisch gegenüber säßen, wären die Tarifverhandlungen schon längst mit einem Abschluss von 8,7 Prozent beendet.

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