Arbeitssicherheit / Gesundheitsschutz


Neue Regel für Arbeitsstätten: Absturzunfälle vermeiden

12.02.2013
Absturzunfälle auf Baustellen kommer nach wie vor viel zu häufig vor. Sicherere und bessere Arbeitsbedingungen regelt seit November die neue Technische Regel für Arbeitsstätten „ASR A 2.1 „Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen“. Was dahinter steckt? Darüber informiert der Arbeitskreis AGUS Rhein/Main.

Der Vorteil der neuen Regel liegt klar auf der Hand. Unfälle durch Absturz werden sich bei konsequenter Umsetzung durch uns (IG BAU) und den staatlichen Aufsichtsorganen wesentlich verringern. Die neue Arbeitsstättenrichtlinie legt die gefährliche Absturzhöhe für höher gelegene Arbeitsplätze verbindlich auf einem Meter fest und zwar für alle Arbeiten und alle Arbeitnehmer.

Nun ist endlich Schluss damit, dass ein Bauarbeiter beim über die Hand mauern fünf Meter abstürzen kann. Auch ein Dachdecker / Zimmermann kann nicht mehr drei Meter in die Tiefe stürzen, wenn er mit dem Rücken zur Traufkante arbeitet.

All diese gefährlichen Ausnahmesituationen sind in der neuen Arbeitsstättenrichtlinie nicht mehr vorgesehen. Bislang war lediglich bei Arbeiten auf Treppenabsätzen oder auf Befehlsständen von Anlagen ab einem Meter eine Absturzsicherung vorgeschrieben. Bei allen übrigen Arbeiten war erst ab einer Höhe von zwei Metern eine Absicherung notwendig.

So steht es auch jetzt noch im §12 der BGV C22. Eine Anpassung an diese staatliche Arbeitsschutzvorschrift muss daher zeitnah erfolgen. Es darf nicht sein, dass Kollegen und Unternehmer durch den §12 BGV C22 verunsichert werden. Klare Aussagen verbessern die Sicherheit und den Gesundheitsschutz.

Wir fordern unsere Kollegen auf Baustellen daher auf, staatliches Recht konsequent umzusetzen. Ab einer Absturzhöhe von einem Meter muss eine Schutzmaßnahme gegen Absturz vorhanden sein.

Bei Betrachtung der Statistiken der BG Bau und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) wird sehr deutlich, dass der Arbeitsplatz Baustelle für unsere Beschäftigten noch immer viel zu gefährlich ist.

In der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann" (Ausgabe Februar 2013) stand, dass der Bauarbeiter mit 70 Arbeitsunfällen je 1000 Vollarbeiter in der Gefährlichkeit nur noch von Arbeitnehmern der Landwirtschaft mit 73 je 1000 Vollarbeiter übertroffen wird. Im Branchendurchschnitt sind es etwa 25 Arbeitsunfälle je 1000 Vollarbeiter.50 Prozent aller Arbeitsunfälle geschehen auf Baustellen.

Die BG Bau stellte fest, dass etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) aller Arbeitsunfälle, die sich auf Baustellen zutragen, Absturzunfälle sind. (Auswertung vom Sommer 2010)
Die Informationen der BG Bau und der BAuA sind in in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst.

Unfälle in Relation zur Absturzhöhe

AbsturzhöheAbsturzunfälle mit VerletzungenAbsturzunfälle mit tödlichem Ausgang
< 3 Meter47,6 %25,0 %
3 - 5 Meter29,8 %16,7 %
5 - 10 Meter20,2 %37,5 %
> 10 Meter2,3 %18,1 %
Absturzhöhe nicht bekannt2,8 %

Was lernen wir daraus: Wenn wir bei konsequenter Umsetzung der neuen ASR A2.1 Absturzsicherungen ab einem Meter einfordern, könnten Absturzunfälle mit Verletzungen um die Hälfte und Abstürze mit tödlichem Ausgang um ein Viertel reduziert werden. Diese Zahlen sprechen für sich und bieten Grund genug zu handeln.

Deshalb müssen wir nicht zeitgemäßes Vorschriftenwerk, wie beispielsweise § 12 der vorgenannten BGV C22 ändern, um die Gesundheit unserer Kollegen besser zu schützen.

Wir fordern den Bundesvorstand der IG BAU auf, diejenigen Kolleginnen und Kollegen die in Gremien der BG BAU sitzen, zu beauftragen, dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Setzt euch dafür ein, dass die Umsetzung der ASR A2.1 auch in das BG Regelwerk (BGV C 22) übernommen und eine längst überfällige Verbesserung der Sicherheit unserer Beschäftigten umgesetzt wird.

Ein Beitrag unserer Kollegen des Arbeitskreis AGUS Rhein/Main.

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