IG BAU - die tun was!


Was und warum es damals geschah

Ein Tag mit Esther Bejarano in Fulda

Zeitzeugin Ester Bejarano
Zeitzeugin Ester Bejarano © IG BAU (Andreas Görke)
22.05.2015
Ganz still lauschten über 1.100 Besucher den Erzählungen von Esther Bejarano. Das Aktionsbündnis "Fulda stellt sich quer" hat zum Zeitzeugengespräch eingeladen. Teilweise mit Tränen in den Augen hörten die Schüler, Lehrer und Bürger, die in die Christuskirche gekommen sind, die Lesung Esther Bejarano's aus ihrem Buch "Erinnerungen".

Wer Esther Bejarano kennt, weiß, dass für sie die Gegenwart eine große Rolle spielt. Treffend ihre Aussagen zu Pegida. Pegida und ähnliche Strömungen sind für Esther Bejarano eine Katastophe. "Was mich traurig macht ist, dass ich eine Parallele sehe, zur damaligen Zeit. Da ist schreckliche, menschenverachtende Ideologie in den Köpfen. Mein Ziel ist es, dass es keine Nazis mehr gibt", sagt sie bestimmt und merkt dann an: "Aber da können wir noch lange warten." Nach zwei Stunden bewegenden, mutmachenden und nachdenklichen Worten endete ein einmaliges Zeitzeugengespräch in Fulda.

Danach kehrte Esther Bejarano, zum ersten Mal nach 70 Jahren, auf den Gehringshof in Neuhof-Hattenhof zurück. Ein Besuch, den sie sehr interessant fand. Schwermütig wirkte Esther nicht, bei ihren Erinnerungen an den Gehringshof. Empfangen vom Zweiten Bürgermeister der Stadt Neuhof, erzählte Esther Ihre Geschichte.

Nach dem Sieg über den Faschismus, kam sie zu Fuß vom Lager Bergen-Belsen hierher. Bis zur Auswanderung nach Palästina verbrachte sie hier einige Wochen. Jetzt trug sie sich in das Buch der Stadt Neuhof ein.

"Als ich in Auschwitz war, habe ich gesagt, ich muss mich rächen an diesen schrecklichen Nazis", erzählt sie. Ihre Rache ist die Aufklärung, der Kampf gegen rechtes, ausländerfeindliches, undemokratisches Gedankengut mit ihrer Geschichte, so sagt sie in deutlichen Worten.

Vor der ausverkauften Orangerie beeindruckte Esther am Abend in Fulda. Unter der Überschrift "8. Mai 70 Jahre Befreiung vom Faschismus" sahen knapp 900 Gäste ein Programm, welches es in Fulda noch nie gegeben hat. Unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Gerhard Möller (CDU) und des Bundesvorstandsmitglieds der IG BAU, Carsten Burckhardt, würdigte Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär der Fédération International des Résistants-Association Antifasciste, die Lebensleistung von Esther Bejarano, „als Überlebende des KZ Auschwitz, als bewusste Antifaschistin, die bis heute eine klare Haltung gegen alle neonazistischen, rassistischen und antidemokratischen Bedrohungen unserer Gesellschaft einnimmt“, so Ulrich Schneider. Carsten Burckhardt würdigte Esther Bejarano als Vorbild für die Jugend.

Dass Fulda weltoffen, bunt und tolerant ist, zeigte das Rahmenprogramm zum Konzert, an dem über 200 Schülerinnen und Schüler beteiligt waren. Sehr eindrucksvoll war die 15-minütige Inszenierung des Theaterstücks der Kinderoper "Brundibar" von Schülerinnen und Schülern der Fuldaer Marienschule unter der Leitung von Schwester Hildegard.

Zwei Schulorchester zeigten Ihr Können und begeisterten das Publikum. Mit Stücken aus Schindlers Liste wurde das Publikum vom klassischen Orchester der Rabanus-Maurus-Schule an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte erinnert.

Mit Teilen aus Ihrer aktuellen CD begeisterten Esther Bejarano, Joram Bejarano, Signore Rossi und Kutlu Yurtseven das Publikum. Die charismatische Esther Bejarano machte in Ihren Liedern immer wieder deutlich, wie wichtig der Widerstand gegen Rassismus und Neofaschismus ist.

Emotional wurde es, als für Esther und in Erinnerung an Peter Gingold von zwei jungen VVN/BdA-Mitgliedern der Appell an die Jugend verlesen wurde. Als Staffelstab übergab Esther den beiden jungen VVN/BdA-Mitgliedern die Fackel der Fédération International des Résistants-Association Antifasciste.

Ohne Zugabe wollte das Publikum Esther nicht von der Bühne lassen. So gab es auf diesem wundervollen Konzert eine Weltpremiere. Begleitet vom klassischen Orchester sang Esther "die Moorsoldaten". Sie animierte das Publikum so, dass Hunderte von Zuschauern einen klangvollen Chor bildeten.

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® IG BAU (Andreas Görke)

In der Christuskirche.