IG BAU - die tun was!


Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

Am Ende siegte Solidarität und Durchhaltevermögen

Der Widerstand formiert sich
Der Widerstand formiert sich © IG BAU (Friedhelm Höcker)
24.07.2015
Wie eine Bombe schlug die Nachricht im rheinland-pfälzischen Speicher bei Trier ein. Die österreichische Frühwald-Gruppe will die Produktion von der südlichen Eifel nach Klardorf bei Schwandorf/Bayern verlagern. Die Plewa GmbH, eIn Tochterunternehmen der Frühwald-Gruppe, fertigt in Speicher Beton-Fertigkamine und andere Sonderteile unter teils widrigen Arbeitsbedingungen. Das Werk ist profitabel, die Beschäftigten werden tariflich entlohnt und stellen Spitzenprodukte her.

Sofort wurde die IG BAU hinzugeholt. Schon bald war klar: mit dem Ziel das Werk in Speicher mit seinen 34 Arbeitsplätzen zu erhalten, sollten Verhandlungen mit der Geschäftsleitung aufgenommen werden.

Vorschläge, Alternativen, Möglichkeiten wurden diskutiert. Gut vorbereitet ging die Verhandlungskommission, unterstützt von IG BAU Branchensekretär Friedhelm Höcker, ans Werk.

Die Geschäftsleitung hatte sich festgelegt, der Standort wird "geschliffen". Kurz vor Weihnachten 2014 wurden die Verhandlungen für einen Sozialplan für gescheitert erklärt und die Einigungsstelle angerufen.

Ein Gutachten, das der Einigungsstelle vorgelegt wurde, ergab: Für ein Sozialplan sei kein Geld da. Schließlich müssten die Kosten für die Produktionsverlagerung berücksichtigt werden, die Firma dürfe durch einen Sozialplan nicht überlastet werden.

Hier zeigte sich, dass eine gut organisierte Mannschaft mehr Möglichkeiten hat, als sich auf den Spruch einer Einigungsstelle zu verlassen. Da die Belegschaft fast vollständig gewerkschaftlich organisiert ist, und das schon vor der Schließungsnachricht, brachte der Betriebsrat einen Sozial-Tarifvertrag ins Gespräch. Schnell war die Bereitschaft unter den Beschäftigten hergestellt, für einen Sozial-Tarifvertrag, der nur für Gewerkschaftsmitglieder gelten sollte, zu kämpfen, notfalls auch zu streiken. Der Bundesvorstand der IG BAU gab "grünes Licht".

Am Ende der zweiten Sitzung der Einigungsstelle überreichte Gewerkschaftssekretär Friedhelm Höcker dem Geschäftsführer der Plewa GmbH die Aufforderung, Verhandlungen zu einem Sozial-Tarifvertrag aufzunehmen. Eine Überraschung, auch für den Arbeitgeber-Rechtsanwalt und den Einigungsstellen-Vorsitzenden. Damit hatten sie nicht gerechnet, wo doch alles so "klar auf der Hand" lag. Es wurde dann doch verhandelt, aber abschließen wollte der Geschäftsführer nicht. Das erregte den Zorn der Verhandler und der ganzen Belegschaft.

So musste es dann sein! Der Bundesvorstand der IG BAU gab seine Genehmigung, die Regionalleitung unterstützte bei der organisatorischen Vorarbeit, die Belegschaft trat am 13. März 2015 in einen ganztägigen Warnstreik. Nichts ging mehr! Keine Produktion, keine Verladung. Kein Streikbrecher. Die Mannschaft zeigte nachdrücklich, dass sie zu ihrer Forderung steht.

Nun wurde auf Augenhöhe verhandelt. Ein einvernehmlicher Sozialplan konnte verabschiedet werden. Das Ende einer langen Verhandlung. Jetzt geht alles seinen Gang!?

Leider Nein! Der Geschäftsführer hatte Zahlen "verändert“ und so die Gesamtsumme reduziert. Den Vorwurf eines möglichen Betruges wies er mit einer" irrtümlichen Zahlenübertragung" zurück. Eine Überarbeitung des Sozialplanes lehnte er ab. Eine Nachbesserung stellte er für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht.
 
So dann doch nicht! Wer nicht im Guten will, muss fühlen! Die Belegschaft wollte es wissen! Alle zwischenzeitlich gekündigten Kollegen reichten über Ihre IG BAU Kündigungsschutzklage ein. Und der Betriebsrat kündigte eine gerichtliche Überprüfung des Einigungsstellenergebnisses an.

Was für ein Hammer! Diese Sprache verstand dann auch der Geschäftsführer und unterschrieb den vorgelegten „Nachtrags-Sozialplan“.

Nach dem Motto: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." (Bertold Brecht), haben Solidarität, Durchhaltevermögen und Zusammenarbeit gesiegt.

IG BAU - die tun was!

© IG BAU (Friedhelm Höcker)

Gut vorbereitet in die Verhandlungen

© IG BAU (Friedhelm Höcker)

Es ging früh los und es wurde spät

© IG BAU (Friedhelm Höcker)

Ohne Mampf kein Kampf

© IG BAU (Friedhelm Höcker)

Gemeinsam sind wir stark!