Tarife


Bundesempfehlung Landwirtschaft: Durchbruch!

10 Prozent mehr Geld und ein wegweisender Tarifabschluss

22.12.2017
Die Tarifvertragsparteien Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und Gesamtverband
der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände e.V. (GLFA) einigten
sich am 6. Dezember 2017 in Kassel, erstmals seit Juli 2014 und nach vielen Tarifgesprächen, auf eine Bundesempfehlung Landwirtschaft, welche insbesondere in der Arbeitszeitgestaltung wegweisend ist. Zum Tarifabschluss der Bundesempfehlung Landwirtschaft im Einzelnen:

Lohn- und Gehaltserhöhungen

  • Auf Basis der am 30.06.2015 geltenden Tariflöhne werden vorab rechnerisch alle Lohn- und Gehaltsgruppen in den regionalen Tarifverträgen um 3 Prozent erhöht.
  • Die Löhne und Gehälter erhöhen sich des Weiteren in drei Stufen
    - ab 01.01.2018 um 3,0 Prozent
    - ab 01.01.2019 um 2,5 Prozent
    - ab 01.01.2020 um 1,5 Prozent
  • Die letzte Erhöhung ist nur für 6 Monate, denn die Laufzeit der Bundesempfehlung
    endet am 30.06.2020.

Mindestlöhne, untere Lohngruppe

  • Die erste untere Lohngruppe beträgt ab 01. Januar 2018 bis 31. Dezember 2018 9,10 Euro in der
    Stunde. Ab 01. Januar 2019 gilt der dann neu festgesetzte gesetzliche Mindestlohn.
  • Die nächste untere Lohngruppe ohne Berufsausbildung wird ab 01.01.2018 einheitlich auf 9,25 Euro festgesetzt und ab 01. Januar 2019 mit den weiteren vereinbarten Lohnerhöhungen angepasst.
  • Die untersten Lohngruppen werden nach Betriebszugehörigkeit differenziert: Bis zu 4 Monaten und mehr als 4 Monate.

Arbeitszeitregelungen

Überzogene Arbeitszeitkonten gefährden den Arbeits- und Gesundheitsschutz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Landwirtschaft. Aus diesen Gründen sah die IG BAU hier dringend Handlungsbedarf. Zwei Abweichungen der wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden mit klaren Grenzen sind von nun ab nur noch möglich:

  • Abweichende Verteilung der wöchentlichen Arbeitszeit bei verstetigten Monatseinkommen. Die über die jeweils festgelegte Wochenarbeitszeit geleisteten Arbeitsstunden werden als Lohn mit Überstundenzuschlag gezahlt.
  • Arbeitszeitkonto mit Mehr- und Minderstunden in einem Zeitraum von 12 Monaten. Auf das Arbeitszeitkonto dürfen höchstens 150 Mehrstunden eingestellt werden. Ab der 151. Stunde ist der Lohn mit Überstundenzuschlag neben dem verstetigten Monatslohn auszuzahlen.
  • Erstmals werden bundeseinheitliche Standards in der Rahmenmaterie Arbeitszeit
    gesetzt.

Ausbildungs- und Praktikantenvergütungen
Ausbildungs- und Praktikantenvergütungen sollen überproportional erhöht werden.
Die Bundesempfehlung Landwirtschaft wird durch Tarifgespräche in den regionalen Flä-
chentarifverträgen umgesetzt. Eine Abweichung der vereinbarten Lohnerhöhungen nach
oben hin ist selbstverständlich möglich.

Je stärker wir in den Betrieben gewerkschaftlich organisiert sind, desto mehr wird in Tarif-
verhandlungen erreicht!

Bitte informiert eure Kolleginnen und Kollegen über das Ergebnis der Bundesempfehlung
Landwirtschaft und deren anstehende tarifvertragliche Umsetzung!