IG BAU - die tun was!


Immer im Gespräch bleiben


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02.02.2018
Bernhard Kullmann, Betriebsratsvorsitzender der Firma Celesta Gebäudereinigung, im Gespräch mit dem zuständigen Branchensekretär für die Gebäudereinigung, Thomas M. Kreten (IG BAU-Region Rheinland-Pfalz - Saar).

Bernd: Thomas, mich hat vor kurzem eine Vorarbeiterin angesprochen, die in ihrem Arbeitsvertrag eine Regelung hatte, wonach sie für vier Stunden als Reinierigungskraft und eine Stunde als Vorarbeiterin beschäftigt wurde - und auch so bezahlt wurde. Was hältst du von dieser Regelung?
Thomas: Wenn sie die fünf Stunden im gleichen Objekt arbeitet, halte ich diese Regelung für problematisch.

Bernd: Warum? Hat das einen speziellen Grund?
Thomas: Ja, da der Kollegin hier nicht erkennbar ist, wann sie Vorarbeiterin ist und wann nicht, ist dies eine sogenannte „unklare Regelung“ - und nach § 307 Abs. 1 Satz 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ungültig.

Bernd: Was hat das für Folgen für die Beschäftigte?
Thomas: Die Kollegin hat Anspruch auf fünf Stunden Vorarbeiterlohn. Ist ja auch logisch. Wenn sie, während sie reinigt, von jemanden angesprochen wird, wird sie mit Sicherheit nicht antworten: „Es tut mir leid, aber meine Zeit, in der ich Vorarbeiterin bin, ist um. Sie müssen mich morgen wieder darauf ansprechen!“

Bernd: Klingt plausibel, aber gibt es in unserem Rahmentarifvertrag nicht eine Regelung, nach der man auch für zeitweise Tätigkeiten einer anderen Lohngruppe einen anderen Lohn erhalten kann?
Thomas: Ja, aber nur wenn die beiden Tätigkeiten klar voneinander trennbar sind. Zum Beispiel, wenn eine Reinigungskraft zeitweise Fenster reinigt. Hier können die beiden Tätigkeiten zeitlich voneinander getrennt werden. Im Falle der Vorarbeiterin ist das nicht der Fall. Vorarbeiter/in ist somit auch keine Tätigkeit, sondern eine Funktion.

Bernd: Logisch! Muss deshalb eine Vorarbeiterin auch schriftlich ernannt werden?
Thomas: Ja! Mit der schriftlichen Ernennung wird die Funktion übertragen und eine Eingruppierung in die Lohngruppe IV vorgenommen. Somit steht einer Vorarbeiterin auch für Reinigungstätigkeiten der Vorarbeiterlohn zu. Ein Objektleiter bekommt ja auch nicht in der Zeit, in der er von Objekt zu Objekt fährt, den Lohn eines Fahrers.

Bernd: Stimmt, und während er telefoniert, nicht den Lohn einer Telefonistin. Aber warum werden solche Regelungen denn vereinbart?
Thomas: Solche Vereinbarungen haben lediglich den Sinn, unseren Lohntarifvertrag zu umgehen. Mit einer solchen Regelung wird der Vorarbeiter nur untertariflich bezahlt. Die Firmen haben billige Vorarbeiter. In deinem Beispiel erhält die Vorarbeiterin anstatt einem Stundenlohn von derzeit 12,24 Euro effektiv lediglich 10,68 Euro pro Stunde, also 1,55 Euro unter Tarif.

Bernd: Was kann ich denn als Betriebsrat in einem solchen Fall tun?
Thomas: Du kannst schon bei der Einstellung darauf achten, dass die Eingruppierung ordnungsgemäß vorgenommen wurde. Kontrollieren kannst du das über einen Einblick in die Lohn- und Gehaltslisten. Auf jeden Fall kannst du die betroffenen Arbeitnehmer informieren und dich zusammen mit ihnen an uns wenden.

Bernd: Super! Da kann ich nur sagen: IG BAU - wir tun was!