Arbeit und Wirtschaft


125 Jahre 1. Mai - Uns wird nichts geschenkt


© © IG BAU (Alexander Paul Englert)
22.04.2015
Viele nutzen den 1. Mai heute als freien Tag für die Familie oder ruhen sich vom Tanz in den Mai aus. Dem eigentlichen Anlass als Tag der Arbeit messen sie kaum Bedeutung zu. Das ist bedrückend, denn der 1. Mai sollte für jeden Arbeitnehmer mehr sein, als ein zusätzlicher freier Tag. Seit 125 Jahren gehen Beschäftigte an diesem Tag für ihre Rechte auf die Straße.

Bei der ersten Demonstration im Jahr 1890 beteiligten sich 100.000 in Deutschland, weltweit forderten gleichzeitig Millionen Menschen bessere Arbeitsbedingungen. Dies war ihnen so wichtig, dass sie riskierten, verhaftet oder verletzt zu werden. Im Laufe der Geschichte wurden Gewerkschafter immer wieder diffamiert, bedroht, misshandelt und umgebracht.

In Deutschland können wir heute weitgehend unbehelligt unsere Forderungen in die Öffentlichkeit tragen. Das ist eine Errungenschaft. In den 125 Jahren hat die Arbeiterbewegung darüber hinaus ein Vielzahl von Verbesserungen für die Beschäftigten gegen teils enorm starke Widerstände durchgesetzt, wie etwa den Acht-Stunden-Arbeitstag, die 40-Stunden-Woche oder aktuell nach fast zehn Jahren Auseinandersetzung endlich den gesetzlichen Mindestlohn.

Tatsächlich waren Gewerkschaften so erfolgreich, dass manche meinen, diese Rechte wären ihnen geschenkt worden. Immer wieder erreichen uns Briefe, in denen die Absender davon reden, sie hätten sich alles selbst hart erarbeitet und Gewerkschaften seien überflüssig. Richtig ist sicher, dass diese Menschen hart gearbeitet haben. Leider vergessen sie dabei, dass sie als Einzelne ihrem Arbeitgeber gegenüber wohl kaum 30 Tage Urlaub oder ein 13. Monatseinkommen durchgesetzt hätten.

Diese Rechte müssen erhalten bleiben. Schon allein dafür braucht es Gewerkschaften, die Widerstand organisieren gegen ständig neue Versuche, unsere Rechte zu beschneiden. Gleichzeitig beeinflussen neue Entwicklungen wie technischer Fortschritt und Globalisierung die Arbeitswelt. Der damit verbundene Wandel bringt neue Herausforderungen.

Es sind die in Gewerkschaften organisierten Arbeitnehmer, die aktiv dafür streiten, dass Veränderungen nicht auf Kosten der Beschäftigten umgesetzt werden. Damit wir uns durchsetzen können, brauchen wir viele Mitstreiter. Man muss uns bis in die Chefetagen und Parlamente hören können. Jeder ist deshalb aufgerufen, sich den Demonstrationen und Veranstaltungen am 1. Mai anzuschließen.

IG BAU-Bundesvorsitzender Robert Feiger in der IG B AU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", April 2015.