Gesundheit und Rente


904.000 Rentner haben Minijob – steigende Altersarmut befürchtet

Tariflöhne und betriebliche Vorsorge sichern Auskommen im Alter


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20.11.2015
Wenn die Rente nicht reicht: Immer mehr Rentner in der Bundesrepublik sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Rund 904.000 Menschen über 65 Jahre haben derzeit einen Minijob – das sind 75 Prozent mehr als noch vor zwölf Jahren. Das teilt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit und beruft sich dabei auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur. Die Gewerkschaft warnt zugleich vor einer Zunahme der Altersarmut.

Ein Minijob ist für viele ältere Menschen im die einzige Möglichkeit, um am Monatsende über die Runden zu kommen. Das darf aber nicht zum Normalfall werden. Die Politik muss dringend gegensteuern und für eine Rente sorgen, die zum Leben reicht. Wie das gehen kann, zeigen Erfahrungen aus den Betrieben – vom Tariflohn bis zur betrieblichen Altersvorsorge.

Für die IG BAU ist es zudem „höchste Zeit, die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente rückgängig zu machen.“ Man könne nicht hinnehmen, dass über 70-Jährige Treppenhäuser putzen oder sich als Gärtner etwas hinzuverdienen müssten, obwohl sie Jahrzehnte gearbeitet hätten, kritisiert die Gewerkschaft. Wer 3.000 Euro im Monat verdient, muss schon heute 26 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen, um später eine Rente an der Armutsgrenze zu bekommen – nämlich gerade einmal 760 Euro im Monat.

Dabei gibt es längst bewährte Modelle. In der Bauwirtschaft finanzieren Arbeitgeber und Beschäftigte seit Jahrzehnten eine betriebliche Zusatzrente. Auch wer durch Krankheit früher mit dem Beruf aufhören muss, ist dadurch abgesichert. Die Rente auf dem Bau ist ein Muster-Beispiel für die ganze Wirtschaft, denn die Zusatzrente gelte überall – im Großunternehmen genauso wie im Drei-Mann-Betrieb. Dafür hat die IG BAU durch allgemeinverbindliche Tarifverträge gesorgt.

Damit die Arbeitsplätze im Land wirklich demografiesicher werden, brauchen wir mehr Bezahlung nach Tarif, so die Überzeugung der IG BAU. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde reiche für eine spätere Rente, von der man leben könne, nicht aus. Die IG BAU habe schon jetzt am Tarif-Tisch wesentlich höhere Branchenmindestlöhne vereinbart: unter anderem im Baugewerbe, im Dachdecker-, Gerüstbauer-, Maler- und Lackierer-Handwerk.