Internationales


BHI: Aussicht auf Arbeitsschutz-Inspektion


© BWI
15.11.2016
Tausende von Beschäftigten, die auf den Baustellen für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ arbeiten, haben bald die Möglichkeit, die Bedingungen auf den Baustellen mit Blick auf Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zu ändern, dank eines heute unterzeichneten Abkommens zwischen der BHI und dem katarischen Planungsgremium, das die Grundlagen einer Zusammenarbeit für gemeinsame Arbeitsinspektionen in den Stadien und Unterkünften in Katar legt.

Die Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) mit Sitz in Genf und das Supreme Committee for Delivery and Legacy (SC), der Oberste Ausschuss für die WM in Katar, haben das heutige Abkommen nach knapp sechsmonatigen Verhandlungen erreicht. Das Abkommen gilt für Bauprojekte von internationalen Firmen, in denen die BHI im Land, in dem das Unternehmen seinen Hauptsitz hat, vertreten ist. Bisher betrifft dies Firmen aus Österreich, Belgien, Italien, Indien und Zypern.

BHI-Generalsekretär Ambet Yuson sagte, dies sei „ein wichtiger Schritt hin zu einem stärkeren Mechanismus, der die Sicherheit der Beschäftigten auf den Baustellen für die WM 2022 gewährleistet, da die BHI als internationaler Gewerkschaftsverband jetzt mit dem Obersten Ausschuss zusammenarbeiten wird, um das System der Schulung und Weiterbildung im Bereich Arbeitsschutz in Katar zu prüfen und zu bewerten. Wir werden Zugang zu den Baustellen haben und Arbeitsinspektionen durchführen, die als vorbeugende Maßnahmen wichtig sind, um Todesfälle und Verletzungen bei den Arbeitern zu vermeiden.“

Dieses Abkommen wird als ein weiterer Ausdruck dessen gesehen, dass der Oberste Ausschuss für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ sich für die Gesundheit, Sicherheit und Menschenwürde aller Arbeitnehmer bei diesen Projekten einsetzen will. Das Abkommen zur Zusammenarbeit mit der BHI ist ein deutliches Zeichen für die Einbindung von mehr Stakeholdern, wodurch sehr konkret auf die Einhaltung internationaler Standards bei Projekten rund um ein solches Turnier hingearbeitet wird.

Der Oberste Ausschuss hat sogenannte Workers’ Welfare Standards erarbeitet (etwa: Standards für das Wohlergehen der Beschäftigten), durch die Baufirmen und Subunternehmer zur Gewährleistung bestimmter Punkte verpflichtet werden: Gesundheit und Sicherheit im Hinblick auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen, Beschäftigungsstandards, Gleichberechtigung, Menschenwürde, fristgerechte Zahlung von Löhnen, Verbot von negativen Konsequenzen bei der Ausübung von Rechten und Zugang zu Informations- und Schulungsveranstaltungen.

Die BHI mit ihrer Erfahrung aus 340 Mitgliedsverbänden in 130 Ländern wird Schulungen für die katarischen Arbeitsinspektoren und andere mit Arbeitsschutz befasste Personen durchführen. Zudem wird der Gewerkschaftsverband die aktuelle Gestaltung der „Workers‘ Welfare“-Foren prüfen und bewerten, über die den Arbeitnehmern ermöglicht wird, auf Missstände und andere Themen aufmerksam zu machen und eine Lösung zu finden.

Durch die Zusammenarbeit entsteht außerdem eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit Zuständigkeit für die Arbeitsinspektionen und Meldepflichten. Die Arbeitsgruppe wird die Aufgabendefinition gemäß des Abkommens zur Zusammenarbeit noch weiter ausarbeiten. Die BHI will ein System für eine schnelle Lösung von Problemen, die bei Inspektionen und Prüfungen auftreten, einrichten.

„Die Sportkampagne der BHI befasst sich seit 2006 mit der FIFA und anderen globalen Sportgremien. Mit dem heute unterzeichneten Abkommen wird die direkte gewerkschaftliche Beteiligung eingeläutet, um sicherzustellen, dass die Euphorie der Fans von Fußball-Weltmeisterschaften nicht auf Kosten von Menschenleben bei den Arbeitern erlebt wird“, so Dietmar Schäfers von der IG BAU, der Vorsitzende des BHI-Gremiums für Sportkampagnen.

Das Abkommen orientiert sich an dem im August 2016 unterzeichneten Abkommen zwischen BHI, FIFA und dem lokalen Organisationskomitee in Russland für die FIFA-WM 2018. Es galt zudem in diesem Jahr für gemeinsame Arbeitsinspektionen in 10 Stadien.

Der steigende Druck auf internationale Sportgremien und die Gastgeberländer solcher sportlichen Großveranstaltungen durch eine Multi-Stakeholder-Bewegung, welche die Einhaltung der Menschen- und Arbeitnehmerrechte sowie bessere Arbeitsschutzmaßnahmen fordert, hat zu diesen jüngsten Entwicklungen beigetragen.

Das Abkommen wird als Zeichen dafür gesehen, dass Katar gewillt ist, noch stärker für die Gewährleistung der Gesundheit und Sicherheit der Arbeitsmigranten zu sorgen. Von Seiten der BHI hofft man, dass diese Zusammenarbeit in Zukunft auch auf andere Bereiche der Beschäftigung ausgeweitet werden kann, von denen das Wohlergehen und die Rechte der Arbeitsmigranten in Katar abhängen.