Bildung / Berufsbildung


Berufsbildungspolitische Tagung: Kein Abschluss ohne Anschluss


© IG BAU
07.11.2014
Globalisierung, der gemeinsame EU-Markt und der Fachkräftemangel wirken sich auf die berufliche Ausbildung aus. Wie die Modernisierung gestaltet werden kann, darüber diskutierten rund 60 Teilnehmer bei der Berufsbildungspolitischen Tagung der IG BAU Anfang November in Berlin.

Gemäß dem Motto der Tagung, „Kein Abschluss ohne Anschluss“ forderte der Gastredner, Professor Gerhard Syben, freien Wissensverkehr für individuelle Karrieren. Das heißt, eine berufliche Qualifikation müsse ebenso zu einem Studium berechtigen wie ein Abitur – ohne Prüfungen oder andere Zugangshürden. Hintergrund der Diskussion ist der Kampf um den Nachwuchs. In Konkurrenz mit den Universitäten schneidet die Ausbildung immer schlechter ab. Das hat seinen Grund laut Syben darin, dass die Jungen schlicht ihre Einkommenschancen abwägen. In Deutschland ist das Lebenseinkommen von Akademikern deutlich höher als das gelernter Fachkräfte. Hätten junge Menschen nach der Ausbildung einen leichteren Zugang zu Universitäten, gewänne die berufliche Bildung dadurch an Attraktivität.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion fragten ebenso nach der Zukunftsfähigkeit des Berufskonzepts. So kritisierte Dietmar Schäfers, Stellvertretender IG BAU-Bundesvorsitzender, dass die Studienmöglichkeit nach der Ausbildung teils nur in der Theorie bestehe. „Die Prüfungen sind rein auf gymnasiales Wissen abgestellt2, sagte er. Hier gebe es ein Elitedenken. „Das ist kaum zu schaffen. Dabei ist die Kombination aus beruflicher Qualifikation und Erfahrung ein hoher Wert.“

Einig waren sich die Teilnehmer, dass gerade das Handwerk stärker auf sogenannte Uni-Abbrecher zugehen muss. Dort liege noch Potential brach. Schäfers hoffte, dass „die neue Not mangelnden Nachwuchses Druck erzeugt, die Bedingungen zu verändern.“
Gleichzeitig ging es bei der Tagung um die Frage, wie sich im EU-Kontext die duale Ausbildung in Deutschland bewahren lässt. Schäfers sagte: „Angesichts unterschiedlicher Traditionen der Länder ist es fraglich, ob sich das duale Ausbildungssystem als ‚Leitmodell’ aufrecht erhalten lässt.“ Eine Verlagerung der beruflichen Ausbildung an die Hochschulen lehnte er ab.

Nicht zuletzt tauschten sich die Teilnehmer in drei Arbeitsgruppen über die branchenspezifischen Probleme der Berufsbildungspolitik aus.

Im Bild von links: Kerstin Zimmer, Dietmar Schäfers (beide IG BAU), Gerd Syben und Dietbert Arnold

Ein Beitrag unseres Kollegen Ruprecht Hammerschmidt in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Ausgabe 12-2014/01/2015.