Internationales


Das andere, solidarische Europa


© EGB
21.09.2015
Europa ist in der Krise – das zeigt sich in der Flüchtlingsfrage und im Umgang mit den Krisenländern. Die Weichen für ein anderes, solidarisches Europa will der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) auf seinem Kongress vom 29. September bis 2. Oktober in Paris stellen.

Eine gerechte Gesellschaft, gute Arbeit und Arbeitnehmerrechte sind die Themen des EGB-Kongresses in Paris. 600 Delegierte von 90 Gewerkschaftsorganisationen aus 39 europäischen Ländern beraten die Agenda des EGB für die nächsten vier Jahre und wählen eine neue EGB-Führung. Beraten wird nicht nur über das neue EGB-Aktionsprogramm, auch aktuelle Themen stehen auf der Agenda. So wird es einen Initiativantrag zum Thema Migration und Flüchtlinge geben. „Europa steht am Scheidepunkt“, sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Europa erlebe derzeit einen breit angelegten Angriff auf Flächentarifverträge, Gewerkschaften und nationale Lohnfindungssysteme. „Nur gemeinsam können die europäischen Gewerkschaften diese Angriffe abwehren“, so Hoffmann.

Zu Gast werden unter anderen der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Martin Schulz, Präsident des EU-Parlamentes, der französische Staatspräsident François Hollande, die IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow und Kapitalismuskritiker Thomas Piketty sein. Gemeinsam mit den europäischen GewerkschafterInnen wollen sie Zukunftsperspektiven für Europa entwickeln. Das Motto des Kongresses ist „A fair society, quality jobs and workers‘ rights“ (eine gerechte Gesellschaft, gute Arbeitsplätze und Arbeitnehmerrechte). In Podiumsdiskussionen beschäftigen sich die Delegierten mit Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa, mit Alternativen zur gescheiterten Austeritätspolitik, mit guter Arbeit für alle, mit dem Kampf gegen Sozialdumping und für ambitionierte Sozialstandards sowie mit den EGB der Zukunft.

Der EGB-Exekutivausschuss hat einstimmig einen Kandidatenvorschlag für das neue EGB-Führungsteam beschlossen. Danach soll neuer Generalsekretär der Italiener Luca Visentini (45) werden, als seine beiden StellvertreterInnen schlägt der Exekutivausschuss die Schwedin Veronica Anna-Maria Nillson (43) und den Deutschen Peter Scherrer (55) vor. Visentini und Nillson gehören bereits seit 2011 dem EGB-Generalsekretariat an. Peter Scherrer ist derzeit beim IG Metall-Vorstand für Europäische Industriepolitik zuständig. Neuer Präsident des EGB soll der Belgier Rudy De Leeuw (61) werden. De Leuww ist Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes FGTB/ABVV, einem von drei Gewerkschaftsbünden in Belgien.

einblick 16/2015

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