IG BAU - die tun was!


Den Sozialstaat schützen

Wir stimmen zu
Wir stimmen zu © IG BAU (Thorsten Goerke)
20.03.2015
"Die Reichen werden immer reicher und alle anderen müssen schauen, wo sie bleiben", so begann der frühere langjährige IG BAU-Bundesvorsitzende Klaus Wiesehügel sein Referat beim Bezirksverbandstag der IG BAU Duisburg-Niederrhein. Die Hälfte der Deutschen besitzt zusammen nur ein Prozent des Volksvermögens, während sich ein Prozent der reichsten Deutschen ein Drittel teilt.

Zum Bezirksverbandstag am 12. März 2015 hatte der Vorstand den früheren langjährigen Bundesvorsitzenden der IG BAU Klaus Wiesehügel eingeladen und ihn gebeten, zur derzeitigen Situation des Sozialstaates zu sprechen.

In einem engagierten Referat sprach Klaus Wiesehügel darüber, wie das Vermögen in Deutschland verteilt ist und dass es leicht möglich wäre, die Staatsverschuldung zu verringern. Man müsste nur 10 Prozent der reichsten Deutschen, die über zwei Drittel des Gesamtvermögens verfügen, mit einer einmaligen Vermögenssteuer in Höhe von 33 Prozent belegen. Das Geldvermögen liegt bei einem kleinen Teil der Bevölkerung und das Staatsvermögen verrottet. Die Infrastruktur wird seit Jahren vernachlässigt, Brücken werden gesperrt, an maroden Autobahnen wird die Geschwindigkeit begrenzt und in Schulen bröckelt nicht nur der Putz. Es muss investiert werden in Bildung, in Ausbildung und in gute Arbeit.

"Endlich ist der Mindestlohn da und schon werden Seminare zu dessen Umgehung angeboten", informiert der ehemalige Vorsitzende. Da wird von Unternehmern ein Bürokratiemonster an die Wand gemalt, als ob bisher noch nie Stunden aufgeschrieben worden wären. Aber auch der Mindestlohn reicht nicht, um eine Familie zu versorgen, zumal wenn man in Leiharbeit und befristet beschäftigt ist. Welcher junge Mensch will denn unter solchen Bedingungen eine Familie gründen" ,fragt Klaus Wiesehügel. "Das ist ein Verbrechen an den jungen Menschen", ruft er in den Saal.

"Ich bin für den Sozialstaat", bekennt der frühere IG BAU-Chef, "aber nicht für einen verkrüppelten." Er sprach sich für ein funktionierendes Gemeinwesen, ein bezahlbares Gesundheitssystem, eine menschenwürdige Pflege und eine gute Rente aus. Die Rente mit 63 war ihm immer ein Herzensanliegen und er ist froh, dass sie jetzt kommt. Auch wenn sie leider nicht von Dauer ist, weil schon ab dem Jahrgang 1953 länger gearbeitet werden muss. Merkel's Mütterrente müsste steuerfinanziert werden, weil das eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Sie wird jedoch mit 125 Mrd. Euro bis 2030 aus der Rentenkasse finanziert. Sie ist teurer als die Rente mit 63, die bis 2030 34,5 Mrd. Euro kostet. Deshalb war es falsch, jetzt die Rentenbeiträge zu senken, weil sie schon allein aus diesem Grund bald wieder erhöht werden müssen.

Zum Thema Pflegestärkungsgesetz forderte der langjährige Gewerkschafts-Chef unter anderem eine dringend notwendige, höhere Bezahlung für die Pflegekräfte. Dem Facharbeitermangel könnte man mit einer Ausbildungsumlage, wie sie sich auf dem Bau längst bewährt hat, entgegen wirken; und Demokratie- und Arbeitsplatzverlust wird das Ergebnis von TTIP sein, sagt Klaus Wiesehügel.

Mit einem lang anhaltenden Applaus dankten die Delegierten für die Informationen und Hintergründe und den lebendigen Vortrag. Der Bezirksvorsitzende Friedhelm Bierkant sagte Klaus Wiesehügel zu, diese gemeinsamen Forderungen in den Mittelpunkt der Bezirksverbandsarbeit zu stellen.

IG BAU - die tun was!

Ein Beitrag nach Material unseres Kollegen Friedhelm Bierkant.

® IG BAU (Thorsten Goerke)

Klaus Wiesehügel kam gerne zum Bezirksverbandstag

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Der nierderrheinische Gewerkschaftstag beschließt