Frauen


Der lange Weg zur Gleichstellung

Keine Quote: Bundesfrauenvorsitzende Angelika Müller konnte sich auf dem IG BAU-Gewerkschaftstag mit ihrer Forderung nach einer Frauenquote für Ehrenamtliche nicht durchsetzen.
Keine Quote: Bundesfrauenvorsitzende Angelika Müller konnte sich auf dem IG BAU-Gewerkschaftstag mit ihrer Forderung nach einer Frauenquote für Ehrenamtliche nicht durchsetzen. © IG BAU (Dietmar Gust)
30.10.2013
„Ich glaub, ich geh in den Keller und such meine lila Latzhose wieder raus“, erklärte eine Kollegin beim Gewerkschaftstag der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) im September kopfschüttelnd. Kurz zuvor hatten die Delegierten eine Frauenquote für den ehrenamtlichen Bereich mehrheitlich abgelehnt. Dieses Ergebnis spiegelt eine momentane gesellschaftliche Stimmung wider.

Laut einer Studie des Allensbach-Instituts finden fast zwei Drittel der Männer in Deutschland, dass es mit der Gleichberechtigung mittlerweile reicht. Fast jeder Dritte meint sogar, dass es mit der Gleichstellung
der Geschlechter übertrieben wird.

Frauen sehen das anders: Im August hatte ebenfalls eine Allensbach-Studie im Auftrag des Frauenmagazins „Emma“ gezeigt, dass 54 Prozent der befragten Frauen mit dem Stand der Gleichberechtigung unzufrieden sind. Vor allem bei Verdienst, Karriere und Hausarbeit sehen sich die Frauen benachteiligt.

Frauen verdienen weniger

Dahinter stehen messbare Fakten. Seit vielen Jahren liegt das durchschnittliche Einkommen von Frauen zwischen 22 und 23 Prozent unter dem der Männer. Die Gewerkschaftsfrauen haben deshalb in diesem
Jahr erstmals den 11. Oktober zum „Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit“ erklärt. Grund ist: Bis zum Ende des Jahres müssen die Frauen noch arbeiten, damit sie das gleiche Einkommen erreichen, das
Männer bereits am 11. Oktober hatten.

Die Ursachen dieses Missstands sind vielfältig: Frauen arbeiten häufiger im Niedriglohnbereich und in Teilzeit. Die Arbeit in klassischen Frauenberufen wird traditionell geringer bewertet und bezahlt. Laut Studien der Hans-Böckler-Stiftung liegt selbst bei gleicher Arbeit das durchschnittliche Einkommen der Männer höher. Frauen sind immer noch schlechter gewerkschaftlich organisiert, haben seltener für angemessene Löhne gestreikt.

Kinder oder Karriere

Dazu kommt: In der Zeit, in der viele Väter ihre Karriere vorantreiben, stecken Mütter oft ihre beruflichen Ziele zugunsten der Familie zurück. Selbst hochqualifizierte Frauen erleben, dass in puncto Karriereförderung eher ihre männlichen Kollegen bevorzugt werden. Nach wie vor sind Frauen in
den Führungspositionen der Wirtschaft unterrepräsentiert.

Dieses Missverhältnis zeigt sich auch in unserer Gewerkschaft – sowohl in den ehrenamtlichen
Entscheidungsgremienwie auch in politischen Funktionen im hauptamtlichen Bereich. „Zwar gibt es immer wieder die einzelne Frau, die sich durchsetzt, aber sie allein ändert nichts an der Arbeitsweise und der Kultur“, schätzt Angelika Müller, Bundesfrauenvorsitzende der IG BAU, die Situation ein.

Was tun? Hedwig Dohm, eine der alten Feministinnen, hat vor fast 100 Jahren schon erklärt: „Man kommt sich auf dem Gebiete der Frauenfrage immer wie ein Wiederkäuer vor.“ 2013 stellen wir fest: Ob mit oder
ohne lila Latzhose, die Perspektive kann nur heißen: organisieren und weiterkämpfen!

Ein Beitrag unserer Kollegin Sylvia Honsberg in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Ausgabe November 2013.