Bauen und Wohnen


Deutschland hat eine Wohnungsnot – Ideen sind gefragt


© Rainer Sturm / www.pixelio.de
05.02.2015
Deutschland hat wieder eine Wohnungsnot – nicht überall, aber in den meisten Großstädten wie Hamburg, Köln, Düsseldorf, Münster, Frankfurt am Main, Heidelberg, Stuttgart, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt oder München. In den Ballungsräumen ist der Nachfrageüberhang beinahe schon mit Händen zu greifen. Bezahlbare Wohnungen sind Mangelware.

Rund 50.000 Mietwohnungen fehlen - jährlich!

Eine vom Verbändebündnis Wohnungsbau vorgestellte Studie „Mietwohnungsbau 2.0 – Bezahlbarer Wohnraum durch Neubau“ (Pestel- Instituts in Hannover) zeigt auf, dass in den Problemregionen, zu denen Großstädte und Ballungsräume gehören, bundesweit rund 50.000 Mietwohnungen pro Jahr zusätzlich neu zu bauen sind, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden. Die Studie kommen zu dem Ergebnis, dass eine Verbesserung der steuerlichen Abschreibungsbedingungen, eine Reduzierung der Baulandkosten und verbesserte Finanzierungskonditionen einen enormen Preiseffekt auf dem Mietwohnungsmarkt hätten. Zudem sind Bund und Länder gefordert, ihre Neubauleistungen im sozialen Wohnungsbau spürbar zu steigern. Im Idealfall könnten die Kaltmieten in Neubauten um bis zu vier Euro pro Quadratmeter gesenkt werden, rechnet die Studie vor. Notwendig hierfür wäre ein Paket kombinierter Maßnahmen, insbesondere verbesserte Abschreibungsregelungen.

Altersgerechte Wohnungen - Mangelware

Doch das alleine reicht nicht aus. In einer alternden Gesellschaft werden immer mehr altersgerechte Wohnungen gebraucht. Derzeit sind lt. Angaben von Fachleuten nur ein bis zwei Prozent des Wohnungsbestandes altersgerecht. Diese Zahl lässt sich deutlich steigern – beispielsweise mit Hilfe des KfW-Zuschusses für altersgerechten Umbau und/oder einem günstigen KfW-Kredit.

Das alles zeigt: Ideen sind gefragt. Zum Beispiel ein Wohnungstausch „alt für jung“. So wie ihn manche Wohnungsbaugesellschaften schon seit vielen Jahren anbieten. Mit einer Prämie für den Tauschenden, die ihn von Umzugs- und Renovierungskosten entlastet. Dabei geht es keinesfalls darum, Ältere zwangsweise aus ihren Wohnungen oder ihrem bisherigen Wohnumfeld zu vertreiben. Sondern ihnen das Leben mit altersgerechtem Wohnraum angenehmer zu machen. Es kann so vermieden werden, dass ältere Menschen künftig allein deshalb ins Pflegeheim gehen müssen, weil eine ambulante Betreuung wegen der Ausstattung ihrer Wohnung nicht möglich ist.

Statt vier Stockwerke mit Treppen dann eine Wohnung, die bequem per Aufzug erreicht werden kann. Eine Wohnung ohne Schwellen, mit breiten Türen, durch die später auch mal Rollator oder Rollstuhl passen. Haltegriffe im Bad und vieles mehr, was das Wohnen im Alter angenehmer macht. Und nebenbei so durch den Wohnungstausch jungen Familien leichter zu einer größeren Wohnung zu verhelfen.

Hier ist der Bund aufgefordert, jährlich mindestens 200 Millionen Euro im Jahr aus Haushaltsmitteln für altersgerechte Wohnungen in Form von Zuschüssen oder Krediten bereitzustellen.

Es gibt viel zu tun: die Linderung der Wohnungsnot in den Ballungsgebieten und Großstädten ist eine Mammutaufgabe für Bund, Länder und die Kommunen. Denkverbote sind hier fehl am Platz.

Kommentar abgeben:


(wird nicht veroeffentlicht)


  7694