Saisonarbeit


EU-Kommission will "Saisonarbeit" aus Drittstaaten in allen Branchen


© EU
24.08.2010
Noch ist die EU-Erweiterung nicht voll wirksam, schon nimmt die EU-Kommission einen neuen Anlauf, um den Arbeitgebern in Europa den massiven Einsatz von „Saisonbeschäftigten“ aus Drittstaaten zu erlauben. In allen Branchen, nicht nur in den klassischen Saisonbranchen. Es bedarf keiner Phantasie, um sich die Folgen auszumalen.

Skrupellose Geschäftemacher werden dann sofort Tricks finden, um z. B. Bauarbeit, den Modellwechsel in der Automobilindustrie, den Messebau und die Kongresshotelreinigung als Saisonarbeit auszugeben.

Im Forst z.B. gibt es bisher traditionell keine Saisonarbeit, außer nach Sturmschäden. Jetzt wird aber bereits von arbeitgeberhörigen Ministerialbeamten argumentiert, da durch den Klimawandel praktisch irgendwo in Europa immer Sturm sei, müsse man die Branche künftig generell und ständig für Saisonarbeiter öffnen. In der Folge werden dann Menschen in Drittstaaten mit falschen Versprechungen angeworben und in Europa zum Hungerlohn ausgebeutet. Danach wird man sie billigst wieder los, denn sie müssen nach spätestens sechs Monaten wieder ausreisen. Und werden dann durch die nächsten ersetzt.

Was in der Praxis heute schon mit Saisonarbeitern aus Drittstaaten innerhalb der EU passiert, berichtet die Presse gerade aus Schweden. Dort reichen die tatsächlich gezahlten Löhne für Beerenpflücker nicht einmal zum Leben aus. Hunderte Saisonarbeiter aus Asien müssen deshalb nach ihrer Arbeit in den Wäldern Vögel jagen und ihnen unbekannte, vielleicht giftige, Pilze zur eigenen Ernährung sammeln, um zu überleben. Um den Arbeitsvertrag über Arbeitsagenten zu bekommen, hatten sie sich zuhause hoch verschulden müssen. Bei ihrer Rückkehr stehen sie vor dem Nichts (vgl. Frankfurter Rundschau: Schweigen im Walde.

Der Entwurf der EU-Richtlinie enthält zwar auch einige Schutzvorschriften für die Arbeiter, aber die Analyse der IG Bauen-Agrar-Umwelt zeigt: sie sind nicht viel wert. Die wichtigsten Themen werden gar nicht oder nicht gut genug geregelt.

Die IG BAU hat in ihrer Stellungnahme die Abgeordneten der beteiligten Bundestagsausschüsse und die Fraktionen aufgefordert, ihre neuen Rechte in der Europapolitik zu nutzen und die Verabschiedung der Richtlinie mit diesem Inhalt zu verhindern.

Die vollständige Stellungnahme gibt's als Download rechts unter Aktuelles Material.

Aktuelles Material

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