Geschichte


Ein langer Weg zur Freiheit

60 Jahre Volksaufstand vom 17. Juni 1953


© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung
14.06.2013
Der Aufstand rund um den 17. Juni 1953 war der Anfang vom Ende des DDR-Regimes. Obwohl gewaltsam niedergeschlagen, ebnete er doch mit den Weg zur deutschen Einheit. Nicht nur im Osten Deutschlands saß der Schock nach der blutigen Niederschlagung des Volksaufstands tief.

Auch im Westen der jungen Republik waren Wut und Trauer deutlich zu spüren. Aber auch Achtung vor dem Mut und der Entschlossenheit der Demonstranten. „Ihr Blut hat den Mörtel mit gefestigt für das neue Haus einer deutschen staatlichen Einheit und Freiheit“, brachte der damalige Bundespräsident Theodor Heuss in einer Gedenkstunde des Bundestags am 21. Juni 1953 zum Ausdruck, was viele dachten.

Ernst Reuter, Regierender Bürgermeister von Berlin, äußerte sich bei einer Trauerfeier vor dem Schöneberger Rathaus am 23. Juni 1953 ähnlich: „Keine Macht der Welt, niemand wird auf Dauer uns Deutsche voneinander trennen können, wir werden zusammenkommen, wir werden zusammenwachsen, wie wir seit Langem in dieser Not innerlich zusammengewachsen sind. Unsere Stadt wird wieder eine Einheit werden, äußerlich, wie sie es innerlich immer gewesen ist, und unser Land wird wieder eine Einheit werden i Freiheit, wie es nach unserem besten Wissen und Gewissen immer gewesen ist und immer hat sein sollen.“

Dennoch fristeten die Geschehnisse rund um den 17. Juni im politischen Bewusstsein eher ein Schattendasein: Im Westen überwog ritualisiertes Gedenken und „war es bloß noch ein in den sozialen Besitzstand übergegangener arbeitsfreier Tag, im Osten funktionierte die angstbesetzte Tabuisierung des Aufstand und seiner Helden und Opfer, wie von der SED gewünscht und erzwungen“, so der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse 2003 bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, des DGB und der Hans-Böckler-Stiftung.

Dabei hätte man doch allen Grund gehabt, auf die couragiertesten Akteure stolz zu sein. Denn: „Der 17. Juni ist ein Tag des Kampfes für demokratische Freiheiten in Deutschland. Von hier aus führte der Weg zur friedlichen Revolution von 1989.“ Und damit zur Freiheit – ein langer Weg seit 1953.

Ein Beitrag unserer Kollegin Christiane Nölle in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann, Juni 2013.

Chronik 1953

28. Mai:

Der Ministerrat der DDR ordnet eine Erhöhung der Arbeitsnormen um 10,3 Prozent an - bei gleichbleibenden Löhnen.

4. Juni:

Im "Fortschrittsschacht" Eisleben streiken Arbeiter und fordern, den Normenbeschluss zurückzunehmen. Die örtliche Parteileitung gibt nach.

9. Juni:

Im Stahl- und Walzwerk Henningsdof legen rund 2.000 Beschäftigte die Arbeit nieder. Die örtliche Partei- und Betriebsleitung gibt nach und nimmt die Normenerhöhung zurück.

12. Juni:

Auf der Baustelle Block C-Süd der Stalinallee in Ost-Berlin wird eine zehnprozentige Normenerhöhung verkündet. Erste Arbeitsniederlegung.

16. Juni:

Bauarbeiter der Ost-Berliner Stalinallee treten - wie auch am 15. Juni - in den Ausstand. Weitere Kollegen solidarisieren sich, eine Großdemonstration von rund 10.000 Menschen bewegt sich in Richtung Regierungsgebäude in der Leipziger Straße.

17. Juni:

Der Streik weitet sich aus. Verhängung des Ausnahmezustands über ost-Berlin.

18. Juni:

In rund 80 Prozent der insgesamt 217 Land. und Stadtkreise der DDR gilt der Ausnahmezustand. In Ost-Berlin beherrschen sowjetzische Truppen und DDR-Polizeikräfte das Straßenbild.

19. Juni:

Die IG Bau-Steine-Erden stellt 20.000 DM zur Verfgügung, um geflecuhtete Kollegen zu untrerstützen. Die Streikenden unterstützt sie mit 50.200 DM.

21. Juni:

Die Normenerhöhung wird zurückgenommen.

23. Juni:

Auf dem Platz vor dem Schöneberger Rathaus (West-Berlin) versammeln sich 125.000 Menschen zur Trauerfeier.

3. Juli:

Der Deutsche Bundestag erklärt den 17. Juni zum "Tag der deutschen Einheit".

Bis zum Morgen des 3. Juli werden nach Angaben der DDR-Staatssicherheit insgesamt 10.506 personen festgenommen. In zahlreichen prozessen werden im Juli Angeklagte wegen der Beteiligung am Juni-Aufstand zu teilweise hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Die Zahl der Toten ist nach wie vor unklar, aktuelle Angaben gehen von mindestens 55 aus.

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