IG BAU - die tun was!


Ende gut - alles gut

Beim Treffen mit der IG BAU werden die ausstehenden Löhne errechnet
Beim Treffen mit der IG BAU werden die ausstehenden Löhne errechnet © IG BAU (Gesine Raymund)
07.11.2014
Die Anwohner wunderten sich über Aktivitäten in einem längst still gelegten ehemaligen Gasthof im Landkreis Nienburg. Ein Landwirt hatte dort seine 30 ukrainischen Erntehelfer untergebracht. Eine Dusche für alle, warmes Wasser gab's nur aus einem Waschbecken. Doch schlecht war nicht nur die Unterbringung, auch Arbeitsbedingungen und Bezahlung waren weit von dem entfernt, was in Deutschland Recht ist. Mit Unterstützung von Anwohnern wurde der Kontakt zur IG BAU hergestellt.

Branchensekretärin Gesine Raymund aus der Region Niedersachsen erfuhr, dass im Gebiet des IG BAU-Bezirksverbands Niedersachsen-Mitte Landwirt H. aus Laatzen bei Hannover über eine Agentur in Frankfurt/Oder dreißig ukrainische Studenten als Erntehelfer für die Blaubeerernte angeheuert hatte. Die Agentur verlangte eine Vermittlungsgebühr von 600 Euro pro Person. Mindestens 1.000 Euro im Monat könnten sie verdienen, so wurde den Studierenden bei der Anwerbung versprochen. Für die Unterbringung im heruntergekommenen ehemaligen Gasthof "Zwei Linden" sollten die jungen Leute pro Person und Monat 120 Euro an Landwirt H. bezahlen. Weil sie unregelmäßig Geld erhielten - mal gab' der Bauer dem einen einen "Fünfziger", dem anderen einen "Zwanziger" - fragten die jungen Leute in der Nachbarschaft um zusätzliche Arbeit nach.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft setzte ein. IG BAU, Kreisverwaltung, Zoll wurden verständigt. Mit Unterstützung der Arbeitsagentur und Katarzyna Zentner von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte gelang es, den jungen Ukrainern neue Arbeit und Unterkunft zu vermitteln. Für IG BAU-Frau Gesine Raymund begann der schwierige Teil: für jeden der Erntehelfer, die inzwischen Mitglied der IG BAU geworden waren, musste sie die ausstehenden Löhne ausrechnen und geltend machen. Mit Hilfe von Polizei und Finanzkontrolle Schwarzarbeit und unter Androhung von Rechtsmitteln schaffte es die IG BAU, den bereits einschlägig bekannten Landwirt zur Lohnzahlung zu veranlassen. Der Gasthof "Zwei Linden" wurde zwischenzeitlich vom Landkreis wegen Baufälligkeit geschlossen.

Die jungen Leute aus der Ukraine sind mit einem blauen Auge davongekommen. Nach Ausbeutung und Willkür im scheinbar 'goldenen Westen' lernten sie Hilfsbereitschaft und gelebte Solidarität kennen. Von der aufmerksamen Bevölkerung, die zahlreiche Lebensmittel spendete, hilfreichen Behördenvertretern und von der IG BAU, die ihnen zu ihrem sauer verdienten Lohn verholfen hat.

IG BAU - die tun was!

@ IG BAU (Gesine Raymond)

Katarzyna Zentner (links) von der mobilen Beratungsstelle hilft beim Ausfüllen der Papiere