Internationales


Europa muss sozialer werden


© IG BAU (Alexander Paul Englert)
17.07.2015
Der wohlverdiente Urlaub naht, und wer kann, fährt für ein paar Tage weg. Viele reisen in unsere Nachbarländer - ohne großen Papierkram. Keine Sorgen um einen gültigen Pass oder Ausweis trüben mehr die Vorfreude auf die schönste Zeit im Jahr. Diese erlebbare Freiheit in der EU ist für uns in kürzester Zeit selbstverständlich geworden.

Erst vor zehn Jahren wurden an den meisten EU-Binnengrenzen die Schlagbäume abgeschafft. Nur noch an den Verkehrsschildern bemerken wir, dass wir gerade in ein anderes Land fahren.

Doch außer dem Wegfall der Personenkontrollen fällt vielen kein weiterer Vorteil mehr ein, wenn sie an die EU denken. Gerade für Beschäftigte kommt aus Brüssel eine Zumutung nach der anderen. Das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den USA, TTIP, bedroht Arbeitnehmerrechte und Sozialstandards, die Idee von grenzüberschreitenden Schnellgründungen von Ein-Personen-Gesellschaften ist geradezu eine Einladung zum Lohndumping und seit Neuestem gerät die Tarifautonomie ins Visier einiger EU-Politiker.

Diese und weitere Brüsseler Projekte sind Folge einer falschen Sicht von Politikern auf die Staatengemeinschaft. Sie betrachten die EU lediglich als einen Wirtschaftsraum, wo große Profite erzielt werden können. Die Belange der darin lebenden Menschen bleiben bei ihren Entscheidungen außen vor, und deshalb wächst in fast allen Ländern die Skepsis gegenüber Brüssel. Vertrauen in die EU lässt sich jedoch nur gewinnen, wenn Europa deutlich sozialer wird. Die Menschen müssen im privaten wie beruflichen Alltag feststellen, dass die EU ihr Leben verbessert. Das wird aber nicht von allein passieren. Gemeinsam müssen wir uns deshalb dafür stark machen, dass unsere Interessen in Brüssel gehört werden und die EU endlich die Menschen in den Mittelpunkt ihrer Politik stellt.

IG BAU-Vorsitzender Robert Feiger in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", 07-08/2015.