Bildung / Berufsbildung


Externenprüfung: Zweite Chance für alle ohne Berufsabschluss

11.06.2013
Unter bestimmten Voraussetzungen können Berufsabschlüsse nachgeholt werden: die Externenprüfung wird bei Industrie- und Handelskammern für Berufe in Industrie und Handel und für Handwerksberufe bei den Handwerkskammern abgelegt. Für Berufe im landwirtschaftlichen Bereich ist im Westen die Landwirtschaftskammer, im Osten das entsprechende regionale Ministerium zuständig. Die Zulassungsvoraussetzungen:

Das Berufsbildungsgesetz und die Handwerksordnung bestimmen die Voraussetzungen zur Teilnahme an einer Externenprüfung:

1. Nachweis des mindestens 1,5-fachen der vorgeschriebenen Ausbildungszeit (in der Regel: 4,5 Jahre) in dem Beruf, in dem man die Prüfung ablegen möchte. Nachweistauglich sind Arbeitszeugnisse, Arbeitsverträge, aber auch andere Nachweise (zum Beispiel Gewerbeanmeldungen bei Selbstständigen), die belegen, dass einschlägige Berufserfahrungen in dem Beruf gesammelt wurden.

Auch der Nachweis von Ausbildungszeiten in einem anderen einschlägigen Ausbildungsberuf wird berücksichtigt. Eine höhere schulische Allgemeinbildung, zum Beispiel Fachoberschulreife, kann verkürzend auf die nachzuweisende Berufstätigkeit angerechnet werden.

2. Ist der Nachweis der Mindestzeit nicht oder nicht vollständig möglich, kann auch zugelassen werden, wenn durch Zeugnisse oder auf andere Weise glaubhaft belegt wird (zum Beispiel ergänzende Bildungsmaßnahmen, ausländische Zeugnisse oder Berufstätigkeiten), dass die die berufliche Handlungsfähigkeit erworben wurde, die eine Zulassung zur Prüfung rechtfertigt.

Unterlagen - Anmeldung:
Die angeforderten Nachweise können je nach zuständiger Stelle unterschiedlich sein. In der Regel sind folgende Unterlagen notwendig:

  • formaler Antrag oder formloses Anschreiben mit der Berufsbezeichnung, in dem die Prüfung ablegt werden soll,
  • tabellarischer Lebenslauf,
  • qualifizierte/s Arbeitszeugnis/se,
  • Tätigkeitsnachweise oder Arbeitsplatzbeschreibungen,
  • ggf. Nachweise über Ausbildungszeiten in anderen einschlägigen Berufen,
  • ggf. Nachweise über spezielle Seminare, Lehrgänge oder Qualifizierungen, die den Ausbildungsinhalten des gewünschten Ausbildungsberufes entsprechen, zum Beispiel anhand von Zeugnissen von Bildungseinrichtungen.

Fristen und Prüfungsgebühr können bei den regionalen zuständigen Stellen erfragt werden. Auch Antragsvordrucke gibt es dort. Kammern, im Handwerk auch die Innungen, führen in der Regel zweimal jährlich Abschluss-/Gesellenprüfungen durch, meist eine Sommer- und eine Winter-Prüfung. Örtlich zuständig ist die Kammer, in deren Bezirk man wohnt oder arbeitet.

Bei Handwerksberufen ist der Zulassungsantrag direkt an den örtlichen Prüfungsausschuss zu richten, die Handwerkskammern wissen, ob der Prüfungsausschuss bei den Kammern oder bei den Innungen angesiedelt ist, teilweise nehmen sie den Zulassungsantrag auch direkt entgegen. Hält die zuständige Stelle beziehunsweise der Prüfungsausschussvorsitzende im Handwerk die Zulassungsvoraussetzungen nicht für gegeben, muss jeweils der gesamte Prüfungsausschuss entscheiden.

Prüfungsvorbereitung und Finanzierung
Grundsätzlich ist es möglich sich ohne Vorbereitungslehrgang zur Externenprüfung anzumelden, ratsam ist es aber eher nicht. Ohne gezielte Vorbereitung verringert sich der Prüfungserfolg. Vor allem in den schriftlichen Prüfungsbereichen muss man die wesentlichen fachtheoretischen Zusammenhänge beherrschen und berufliche Problemstellungen lösen können. Die konkreten Prüfungsanforderungen stehen in der Ausbildungsordnung für den jeweiligen Ausbildungsberuf.

Hinweise auf Kurse und vor allem auch zu Fördermöglichkeiten bieten die örtlichen Agenturen für Arbeit.

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