IG BAU - die tun was! (2012)


Fair geht anders: Gute Arbeit kannst Du wählen!

© DGB
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01.06.2012
Eine Beraterfirma ist im Haus – und die Ruhe im Betrieb ist hin. Diese bittere Erfahrung machen seit geraumer Zeit die Beschäftigten der auf Hochbau spezialisierten Firma Bau-Mauch im baden-württembergischen Dunningen (Landkreis Rottweil). Die Firmeneigner haben die „Berater“ ins Haus geholt, um Lösungen für das angeblich rote Zahlen schreibende Bauunternehmen vorzulegen. Deren Vorschläge haben es in sich:

Einsatz von „Leiharbeitskräften“ (Kollegenhilfe anderer Baufirmen), Austritt aus dem Arbeitgeberverband, um der Tarifbindung zu entgehen und schrittweiser Verkauf von Firmeneigentum zu denkbar günstigen Preisen. Gleichzeitig werden Überstunden angeordnet, der Samstag soll als Regelarbeitstag eingeführt werden. Erste Kündigungen wurden ausgesprochen.

Schlecht beraten ist die Firmenleitung, die sich auf ihrer Website als „ein innovatives, flexibles Bauunternehmen“ anpreist, was die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat angeht. Die „vertrauensvolle Zusammenarbeit von Arbeitgeber und Betriebsrat“ (§ 2 BetrVG) gehört mit Einzug der Berater der Vergangenheit an. Die Betriebsratsarbeit wird permanent behindert. Dem Betriebsrat wird untersagt, seine Sitzungen während der Arbeitszeit stattfinden zu lassen, er wird bei personellen Einzelmaßnahmen wie Einstellungen oder dem Einsatz von Kollegenhilfe, nicht gehört.

Die Kollegen lassen sich das nicht gefallen: der Betriebsrat wehrt sich juristisch dagegen, es sind mehrere Verfahren anhängig. Vor Gericht wird man sich noch häufiger sehen: neben den Verfahren des Betriebsrates stehen auch noch die Kündigungsschutzklagen an, die die IG BAU für die entlassenen Kollegen eingereicht hat.

Eine „zukunftsorientierte Firmenpolitik ist“ sieht die Belegschaft aus gestandenen Bauarbeitern da nicht mehr, eher einen wirtschaftlichen Kamikazeakt, dem sie mit Kopfschütteln und Unverständnis begegnet. Und mit dem stärksten Mittel, das Arbeiterinnen und Arbeiter haben: der Solidarität und Organisation in ihrer Gewerkschaft, der IG BAU.

Die ständigen Auseinandersetzungen haben dazu geführt, dass in dem Betrieb mehr als 90 Prozent der Beschäftigten Mitglied in der IG BAU sind. Und weder Betriebsrat noch Belegschaft wollen sich diese Angriffe auf Ihre Arbeitsplätze länger gefallen lassen. Unterstützt werden sie dabei von der Fachgruppe BAU des Bezirksverbandes Südbaden.

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Die Fachgruppe Bau Südbaden untersützt die Kollegen.
V.l.n.r.: Claus Redondo, Alfred Sprich, Uwe Schwarzwälder, Bezirksverbandsvorsitzender Meinrad Schmitt, Michael Jäger, Chrsitoph Bahn

Die Kollegen haben einiges vor, weiß Claus Redondo, Branchensekretär für das Bauhauptgewerbe in Baden-Württemberg. „Wir haben bereits eine Befragung der Kollegen durchgeführt, sie sind verunsichert und glauben nicht mehr daran, dass es ihren Chefs darum geht, den Betrieb am Leben zu halten. Viele sind der Meinung, dass es die Geschäftsleitung stört, das der Betriebsrat ein wachsamer Vertreter der Interessen seiner Kollegen ist und dass so viele Arbeitnehmer Gewerkschaftsmitglieder sind.“

Sie wollen kämpfen – gemeinsam mit ihrer IG BAU. „Wir werden auf keinen Fall klein beigeben“, meint einer der Aktiven bei einem Treffen. Die nächsten Wochen werden zeigen, was sich die Kollegen und ihre Familien noch überlegen. Wichtig ist allen, dass auch Kollegen aus benachbarten Betrieben sich mit ihnen solidarisieren, denn sie kann es genauso treffen!


IG BAU – die tun was!