IG BAU - die tun was!


Faire Arbeit - Fairer Lohn - auch beim neuen Eigentümer

Die Bien-Zenker-Beschäftigten setzen sich für ihre Forderung ein
Die Bien-Zenker-Beschäftigten setzen sich für ihre Forderung ein © IG BAU (Johannes Schader)
20.02.2015
Mit der Absicht, bessere Leistungen auszuhandeln, haben die IG BAU-Mitglieder bei der Firma Bien-Zenker GmbH in Schlüchtern beschlossen, die geltenden Lohn- und Gehaltstarifverträge zum 31.03.2014 zu kündigen. Der neue Eigentümer, Finanzinvestor ADCURAM aus München, hatte jedoch erst mal keine Zeit für Tarifverhandlungen.

Die Tarifkommission mit Unterstützung von Gewerkschaftssekretär Johannes Schader ließ jedoch nicht locker, sodass es am 17. Juni 2014 zu einem ersten Tarifgespräch kam. Die Arbeitgeberseite legte bei diesem Termin kein Angebot vor.

Die ehemalige Eigentümerin, die Firma Elk AG aus Schrems/ Österreich, hatte den Betrieb Mitte August 2013 an den Finanzinvestor ADCURAM aus München verkauft. Bien-Zenker in Schlüchtern war ehemals eine AG mit Börsennotierung. Mitte Juli 2014 wurde Bien-Zenker von der Börse genommen und in eine GmbH umgewandelt. Diese Maßnahme hat den Zugang zu Finanzdaten erheblich erschwert.

"Rückblickend betrachtet," so stellte der ehrenamtliche Gewerkschafter, Betriebsrat und Mitglied der Verhandlungskommission, Dieter Oechler, fest, "hat uns ADCURAM hingehalten, um einen möglichen Tarifabschluss so weit wie möglich hinauszuschieben."

Am 11. Juli 2014 gab es dann ein erstes Angebot: 3 x 300,00 EUR Einmalzahlung im August 2014 sowie im April und August 2015, Laufzeit bis 31.03.2016. Mit Bildern eines polnischen Werkes, wohin man die Produktion auslagern könne, wurden die Arbeitnehmer unter Druck gesetzt.. Die Tarifkommission ließ sich jedoch nicht einschüchtern und setzte eine Forderung von plus 1,20 EUR/ Stunde je Mitarbeiter dagegen.

Im Verlauf der weiteren Verhandlungen wollte ADCURAM die Wochenarbeitszeit von 39 auf 40 Wochenstunden anheben und drei Jahre gar keine Lohnerhöhung bezahlen. Es sollte bei Bien-Zenker nur dann investiert werden, wenn der Tarifabschluss moderat ausfällt.

Mehrere spontane Abteilungs-Versammlungen, bei denen der Stand der Verhandlungen mit der Belegschaft diskutiert wurde, brachten nicht nur Unruhe in den Betrieb, sondern machte die Ernsthaftigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deutlich. Zeitgleich verhandelte der Betriebsrat über die Verlängerung von befristeten Verträgen, die bei einer Produktion in Polen weggefallen wären. Das beeindruckte die Gegenseite so, dass es zu ernsthaften Verhandlungen kam.

In fünf Verhandlungsrunden wurde folgendes Ergebnis erzielt: 350,00 EUR Einmalzahlung für April bis September 2014, ab 01. Oktober 2014 wurden Löhne und Gehälter sowie Ausbildungsvergütungen um 2,5 Prozent angehoben und ab 01. Mai 2015 gibt es eine weitere Erhöhung von 2,3 Prozent. Die Laufzeit des Tarifvertrages beträgt 26 Monate und endet am 31. Mai 2016. In Anbetracht der Ausgangssituation konnte man mit dem Erreichten ganz zufrieden sein.

Dieter Oechler sagt: "Bisher haben wir mit einer eigentümergeführten Hausbaufirma verhandelt, bei einem internationalen Finanzinvestor müssen wir uns noch besser aufstellen und noch geschlossener auftreten.Es hat sich gezeigt: Gemeinsam sind wir stark!"

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