Internationales


„Gebt den Völkern endlich Frieden!“


© IG BAU (Alexander Paul Englert)
01.09.2014
Am 1. September vor 75 Jahren ließ Hitler deutsche Soldaten in Polen einmarschieren. Die Welt versank in einer Katastrophe mit mehr als 50 Millionen Toten, wovon die Mehrzahl Zivilisten waren. Der frühere Vorsitzende unserer Baugewerkschaft und spätere Verteidigungsminister Georg Leber gedachte in einer Rede 25 Jahre nach Kriegsausbruch der Opfer und erinnerte an die mutigen Frauen und Männer – darunter viele Gewerkschafter - , die ihr Leben einsetzten, um den aufziehenden Krieg Nazi-Deutschlands doch noch zu verhindern.

„Alle Probleme, die es gibt, sind von Menschen gemacht, deshalb müssen sie auch von Menschen gelöst werden“, sagte Leber. „Die Menschen müssen nur wollen. Mit Bomben und Kanonen kann man nicht argumentieren, sondern nur töten und vernichten. Wir alle, jeder einzelne von uns ist aufgerufen, zum Frieden beizutragen.“

Es ist traurig: Diese Mahnung Lebers ist heute, weitere 50 Jahre später, nicht ein bisschen weniger berechtigt als zum Zeitpunkt der Rede 1964. Mit Ende des Kalten Krieges glaubten viele an eine sicherere, angstfreie Zukunft. Vernunft und Dialog hatten das tiefe, jahrzehntelange Misstrauen der Supermächte überwunden. Nun ist es zurück. Der Friede in Europa, der so stabil und unerschütterlich wirkte, ist zersplittert wie dünnes Glas. Menschen, die noch vor zwei Jahren gemeinsam die Fußball-Europameisterschaft feierten, kämpfen nun gegeneinander. Welche Rolle die Nato, die EU und die russische Regierung in diesem Drama spielen ist völlig unklar. Denn zwei Dinge wiederholen sich in jedem Krieg: Die Wahrheit bleibt als erstes auf der Strecke. Da empfiehlt es sich, den Nachrichten nicht blind zu vertrauen. Und die Arbeiter leiden am stärksten unter den Kämpfen, Gewalt, Hunger und Not. Denn wer reich ist, hat sich und seine Familie längst in Sicherheit gebracht. Doch die Ärmsten können sich eine Flucht nicht leisten. Sie harren und hoffen zwischen den Fronten. Manche vergebens. Sie verlieren ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben.

Wir sind aufgerufen, zum Frieden beizutragen und können doch nur wenig tun. Sicher ist, dass noch mehr Gewalt keine Lösung bringt. Die Politik muss vermitteln, verhandeln, Vertrauen aufbauen – und das mit ganzem Herzen. Leber formulierte es einst so: „Wir fordern von den Regierungen in aller Welt: Lasst das Recht an die Stelle der Gewalt treten! Gebt den Völkern endlich Frieden!“

Robert Feiger, Bundesvorsitzender der IG BAU, in der September-Ausgabe der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann"