Betriebsratswahl 2014


Gute Arbeit mitbestimmt

Leiharbeitnehmer haben die Wahl


05.11.2013
Mitreden, mitgestalten, mitbestimmen: Alle vier Jahre wählen Beschäftigte ihren Betriebsrat, der mit echten Mitbestimmungsrechten ihre Interessen gegenüber dem Arbeitgeber vertritt. Das gilt auch für Leiharbeitskräfte.

Zwischen den Stühlen: Als Leiharbeiterin oder Leiharbeiter hast du nicht nur einen, sondern zwei Arbeitgeber: Deinen Arbeitsvertrag hast du mit einer Leih- oder Zeitarbeitsfirma abgeschlossen, tatsächlich arbeitest du aber in einem ganz anderen Betrieb. Deshalb hast du in deinem Arbeitsalltag auch zwei Ansprechpartner: Alle Fragen zu deinem Arbeits- und Tarifvertrag musst du mit deinem Verleiher besprechen. Doch den bekommst du an Arbeitstagen im Einsatzbetrieb oft nur schwer zu greifen. Alles, was mit deinem direkten Arbeitsplatz zu tun hat, musst du hingegen mit deinem Einsatzbetrieb besprechen. Und der verweist nicht selten auf deinen Verleiher.

Zwei Betriebsräte: Doppelt hält besser
Konkrete Hilfe gibt es in solchen Fällen beim Betriebsrat. In deinem Einsatzbetrieb gibt es häufig bereits eine solche Interessenvertretung der Beschäftigten, die auch für dich als Leiharbeitskraft in vielen Arbeitnehmerfragen kompetenter Ansprechpartner ist. In den Zeitarbeitsfirmen, also den Verleihbetrieben, gibt es seltener Betriebsräte. Nicht zuletzt, weil viele Angestellte dieser Firmen sich oft gegenseitig gar nicht kennen. Das macht die Organisation einer Betriebsratswahl schwierig. Die IG BAU unterstützt dich auch im Verleihbetrieb bei der Gründung einer Interessenvertretung.

Erste Adresse im Einsatzbetrieb

Egal ob Arbeitsschutz, Arbeitszeitbeginn oder schlicht und einfach die Kantinennutzung: Der Betriebsrat in deinem Einsatzbetrieb ist der erste Ansprechpartner, wenn du als Beschäftigter Hilfe brauchst. Und wenn du bereits seit mindestens drei Monaten in deinem Einsatzbetrieb arbeitst, kannst du ihn bei den Betriebsratswahlen mitwählen.

Hier bestimmt der Betriebsrat mit

• Der Betriebsrat im Einsatzbetrieb kann dir bei Fragen zum Beginn und zum Ende der Arbeitszeit helfen.

• Er kann Dich außerdem zum Schichtplan oder bei unvorhergesehenen Überstunden beraten.

• Er bestimmt mit, wenn es um die Zuweisung von Arbeit oder die Versetzung von Leiharbeitskräften geht.

• Er wacht darüber, dass auch für Leiharbeitskräfte Arbeits- und Gesundheitsschutz eingehalten werden.

• Er achtet darauf, dass Tarifverträge, Vereinbarungen und Gesetze eingehalten werden. Das gilt auch für tarifliche Branchenzuschläge und Betriebsvereinbarungen zur besseren Bezahlung von Leiharbeitnehmern.

• Auch bei Fragen der Verhaltens- und Leistungskontrolle von Leiharbeitskräften hat der Betriebsrat des Einsatzbetriebs ein Wort mitzureden.

Auch Leiharbeitnehmer sind wählbar

Selbst wenn Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter in ihren Einsatzbetrieben keine regulären Beschäftigten sind, arbeiten sie mit ebenso viel Engagement und Einsatz wie die Stammbelegschaft. Und sie können im Einsatzbetrieb mitbestimmen: Leiharbeitskräfte dürfen dort an Betriebsversammlungen teilnehmen und nach drei Monaten im Einsatzbetrieb bei Betriebsratswahlen mitwählen, also über die Zusammensetzung des Betriebsrats mitentscheiden. Sie zählen bei der Ermittlung der Größe des Betriebsrats mit und sind daher mit ausschlaggebend, wie durchsetzungsfähig das Betriebsratsgremium ist.

Bei der Wahl das Beste herausholen
Leiharbeitskräfte sollten auf jeden Fall ihre Mitbestimmungsrechte nutzen und so die Situation bei ihren beiden Arbeitgebern mitgestalten und verbessern: Wähle als Leiharbeiterin oder Leiharbeiter ab drei Monaten Einsatzzeit den Betriebsrat in deinem Einsatzbetrieb mit. Und versuche, gemeinsam mit anderen Kolleginnen und Kollegen in deinem Verleihbetrieb, einen Betriebsrat zu gründen. Zwei Arbeitgeber, zwei Betriebsräte: Hole aus deiner speziellen Arbeitssituation als Leiharbeitskraft das Beste heraus.

IG BAU: Leiharbeit fairer machen

• Wir setzen uns für „Equal Pay“ ein: den gleichen Lohn für Leiharbeitskräfte wie für Beschäftigte der Stammbelegschaft mit selber Tätigkeit am selben Einsatzort.

• Die IG BAU und dein Betriebsrat sorgen dafür, dass nicht nur die Stammbelegschaft, sondern auch Leiharbeitskräfte die Rechte und den Schutz erhalten, die ihnen gesetzlich zustehen.

• Wir machen uns stark für bessere Arbeitsbedingungen: vom Arbeits- und Gesundheitsschutz über die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatem bis zu fairen Arbeitszeitregelungen.

• Neu gewählten Betriebsratsmitgliedern und neu gegründeten Gremien hilft die IG BAU mit Rat und Tat – wir qualifizieren Betriebsräte in Entleih- und Verleihbetrieben für ihre Arbeit.

• Die IG BAU und die anderen DGB-Gewerkschaften handeln faire und starke Tarifverträge für Stammbelegschaften und Leiharbeitskräfte aus.

• Wir setzen uns für einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde ein, damit Dumpinglöhne keine Chance mehr haben.

• Wir fordern mehr Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte beim Thema Leiharbeit – damit Leiharbeit nicht mehr zum Lohndumping missbraucht werden kann.

Mitbestimmen ohne Risiko

Viele Leiharbeitskräfte arbeiten ohnehin in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen – und scheuen deshalb oft davor zurück, sich für oder in einem Betriebsrat zu engagieren. Doch dafür gibt es keinen Grund: Betriebsräte sind demokratisch gewählt – sie haben die Belegschaft, die IG BAU und das Gesetz im Rücken: Auch Betriebsratsmitglieder im Verleihbetrieb genießen einen besonderen Kündigungsschutz ab der Kandidatur bis zu einem Jahr nach dem Ausscheiden aus dem Gremium. Und wenn es sein muss, leistet die IG BAU Rechtsschutz für ihre Mitglieder.

Mitbestimmung heißt: Mitmachen!
Der Betriebsrat ist so stark, wie die Beschäftigten ihn machen: Du hast es in der Hand – auch als Leiharbeiterin oder Leiharbeiter. Beteilige dich ab drei Monaten Einsatzzeit als Wählerin und Wähler an der Betriebsratswahl im Einsatzbetrieb oder gründe einen Betriebsrat bei deinem Verleiher.

Mitbestimmung heißt: Aktiv werden!
Werbe auch bei deinen Leiharbeitskolleginnen und -kollegen für die Betriebsratswahl. Denn nur wer seine Mitbestimmungsrechte nutzt, hat die Chance, dass sich etwas zum Besseren wendet.

Sprich uns an:
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