Umwelt / Nachhaltige Entwicklung


Im Dezember hat die Menschheit ein Rendezvous mit sich selbst

Gewerkschaftlicher Klimagipfel „Keine Arbeit auf einem toten Planeten“ in Paris


© PECO Institut (Lisa Bauch)
Paris, 22.09.2015
Paris, 14. bis 15. September 2015. Von einer bis zum Anschlag gefüllten Metro ausgespukt, strömten Kollegen und Kolleginnen aus Kolumbien, den USA, Norwegen oder Japan in den französischen Wirtschafts- und Sozialrat. Das hallenartige Gebäude mit 70er Jahre-Charme beherbergt den Klimagipfel „Keine Arbeit auf einem toten Planeten“, zu dem der Internationale Gewerkschaftsbund eingeladen hat. Auch die IG BAU und weitere DGB-Gewerkschaften sind dabei.

Im Dezember hat die Menschheit in Paris ein Rendezvous mit sich selbst. Es sind noch 80 Tage bis zur 21. Klimakonferenz der Vereinten Nationen. In Frankreich soll endlich das ersehnte und dringend benötigte globale Klimaabkommen geschlossen werden, damit die Erderwärmung noch in Grenzen gehalten werden kann. Und die Uhr tickt. Seit 1750 hat sich die Welttemperatur schon um 1,8 Grad C erhöht. 2 Grad C werden als beherrschbar für die Menschen definiert. Und auch das hat schon massive Folgen, die auch in Deutschland zu spüren sind. Erinnern wir uns kurz an die Hitze und Trockenheit im Sommer.

Angesichts dieser Entwicklung ist es umso wichtiger, dass so viele gesellschaftliche Akteure wie möglich zum Klimaschutz beitragen. Zwar wies der französische Außenminister, Laurent Fabius von den Sozialdemokraten (Parti socialiste), der im Dezember für einen reibungslosen Ablauf der Klimakonferenz sorgen muss, auf die wichtige Rolle der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Klimaschutz hin, doch spiegelt sich diese Auffassung leider noch nicht im zukünftigen Klimaabkommen wider.

Daher war ein Ziel der Konferenz, der Forderung nach einer gerechten industriellen Transformation Nachdruck zu verleihen. „Gewerkschaften sind enttäuscht darüber, dass Beschäftigte und ihre Familien im Entwurf des Klimaabkommens nicht vorkommen. Sie haben die französische Präsidentschaft aufgefordert, die Formulierungen für das Abkommen wieder miteinzufügen.“, sagte Generalsekretärin Sharan Burrow vom Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB). Außerdem muss das Klimaabkommen die Staaten zu höheren Emissionsreduzierungen animieren und für das Eintreiben der zugesagten Finanzierung sorgen, damit auch Entwicklungsländer, die nichts zum Klimawandel beigetragen haben, sich erneuerbare Energien und Anpassung leisten können. Die drei Hauptforderungen des IGB finden sich hier.

Es ging es aber auch darum, zu zeigen, dass viele Gewerkschaften den Gong schlagen gehört haben und sich für Klimaschutz einsetzen. Und das natürlich auf die unterschiedlichste Weise je nach Bedingungen im jeweiligen Land. Während sich die IG BAU für eine europäische Energiewende stark macht, wies Per-Olof Sjöö, der Präsident der Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI), darauf hin, dass die Bau- und Holzwirtschaft über entscheidende Hebel verfügt, um Emissionen zu senken. Regionale Ressourcenkreisläufe und nachwachsende Baumaterialien müssen eine viel größere Rolle spielen. Außerdem reicht es nicht, nur energetische Gebäudesanierung zu fordern. Das allein schafft keine gute Arbeit. Sondern sie muss von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik begleitet werden.

Josua Mata aus den Philippinen hat ganz anders gelagerte Sorgen: Seine Gewerkschaft SENTRO muss die Bevölkerung immer wieder unauthorisiert an das Stromnetz anschließen. Privatisierte Energieunternehmen, die nicht auf Erneuerbare setzen, fordern Preise, die sich breite Bevölkerungsteile nicht leisten können. Bei Stromengpässen werden Villenviertel und Golfplätze vor den Armenvierteln und den Krankenhäusern mit Energie versorgt. SENTRO will kommunale, dezentrale Versorgung und Genossenschaften für die zukünftige Energieversorgung in seinem Land erreichen.

Ähnliches war der Fall in Sao Paolo, Brasilien, wo sich die Gewerkschaft CUT gegen Öffentlich-Private-Partnerschaften im Bereich Wasser oder Nahverkehr einsetzt. Nach der Privatisierung hat das Unternehmen Sabesp aus Kostengründen über zwei Jahrzehnte nicht in die Wasserinfrastruktur investiert. Das rächte sich in den durch den Klimawandel zunehmenden Trockenperioden mit folgendem Starkregen und Überschwemmungen. Auch hier wurde das rationierte Wasser zuerst an Villenviertel und Einkaufszentren geliefert anstatt zu den Bewohnern von Sao Paolo.

Klimaschutz wird auf der Welt ganz unterschiedlich aussehen. Doch die Worte des großen französischen Philosophen Claude Lévi-Strauss sind prophetisch für unsere Zukunft: „Die Erde begann ohne die Menschheit. Und sie wird auch ohne die Menschheit enden.“ Die nächsten 30 Jahre werden entscheiden, wie schnell dieser Satz wahr werden wird. Ein wichtiger Moment wird die diesjährige Pariser Klimakonferenz sein und das, was wir daraus machen, wenn es die Staaten auch dieses Mal nicht schaffen, das Klima vor nationale Interessen zu stellen.

Das Programm der Konferenz gibt es hier.

Ein Beitrag unserer Kollegin Lisa Bauch.