Gesundheit und Rente


Initiative zur Rentenpolitik: Für eine gerechtere Rente

Klare Mehrheit für die Renten-Entschließung<br />© IG BAU (Kalle Meyer)
Klare Mehrheit für die Renten-Entschließung
© IG BAU (Kalle Meyer)
03.04.2012
Die rund 230 Delegierten des 7. Außerordentlichen Gewerkschaftstags der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) haben einen Forderungskatalog für eine gerechtere Rentenpolitik aufgestellt. Unter dem Motto „Rente muss zum Leben reichen“ schlägt die IG BAU Maßnahmen gegen Altersarmut vor und macht sich weiter stark für eine soziale Reform der gesetzlichen Rentenversicherung.

Die Forderung nach einer Bürgerversicherung und der Kampf gegen die Kürzung des Rentenniveaus und die „Rente mit 67“ stehen dabei mit im Fokus: „Die Rentenkasse ist so voll, dass genug Geld da wäre, um die ,Rente mit 67’ zu stoppen und gleichzeitig die Erwerbsminderungsrenten aufzubessern“, betonte der IG BAU-Bundesvorsitzende Klaus Wiesehügel. „Für viele endet das Berufsleben unfreiwillig schon heute mit 60 Jahren.“

Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Baugewerbe, aber auch in den anderen Branchen, in denen harte körperliche Arbeit geleistet werde, müssten neue Wege des Übergangs in die möglichst unverminderte Altersrente gefunden werden. „Wer aus gesundheitlichen Gründen gezwungen ist, vor der Altersgrenze seinen Beruf aufzugeben, muss heute hohe Abschläge in Kauf nehmen. Da ist Altersarmut programmiert“, ergänzte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, die von den Delegierten sehr herzlich als „unsere Stimme im DGB-Bundesvorstand“ begrüßt wurde.

Das will die IG BAU:

Klaus Wiesehügel stellt die Entschließung zur Rentenpolitik vor © IG BAu (Kalle Meyer)
  • Eine frühere Rente ohne Abschläge für körperlich oder psychisch besonders schwer arbeitende Menschen.
  • Die Erwerbsminderungsrente soll angehoben und gleichzeitig der Zugang zu ihr erleichtert werden. Mit Abschlägen kommen Erwerbsminderungsrentner heute nur auf durchschnittlich 640 Euro Rente.
  • Die Politik muss Arbeits- und Gesundheitsschutz ernster nehmen. „Nirgendwo in Europa werden am Bau so viele Überstunden geklotzt wie in Deutschland – wir brauchen ein anderes Arbeitszeitgesetz und einen besseren Arbeitsschutz, um bis zur Rente durchzuhalten“, erklärte Klaus Wiesehügel.
  • Auch tarifpolitisch will die IG BAU neue Wege gehen, um Altersarmut vorzubeugen. Gemeinsam mit dem Staat sollen die Tarifparteien eine Brücke in die Rente bauen. Dazu zählt die Zahlung eines neu zu schaffenden Altersübergangsgelds, um die Zeit vom 60. Lebensjahr bis zum frühstmöglichen Renteneintritt mit 63 zu überbrücken. „Wer sein Leben lang hart gearbeitet hat“, so Klaus Wiesehügel, „darf nicht Gefahr laufen, kurz vor der Rente in Hartz IV zu stürzen.“
  • Schließlich tritt die IG BAU für eine grundsätzliche Kehrtwende in der Rentenpolitik ein: „Nach Aktiencrash und Finanzkrise hat auch der Letzte verstanden, dass ein solidarisches Absicherungsmodell der privaten Vorsorge überlegen ist“, sagte Wiesehügel. Die Politik muss dem Rechnung tragen. An die Stelle der unzulänglichen Riester-Verträge muss aus Sicht der IG BAU eine Bürgerversicherung treten. Politiker, Reiche, Beamte und Selbstständige dürfen sich nicht mehr dem Solidarmodell entziehen können.
Annelie Buntenbach, &quot;unsere Stimme&quot; im DGB-Bundesvorstand

Das Thema Alterssicherung steht für das Wahljahr 2013 auch im DGB ganz oben auf der politischen Agenda. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach benannte außerdem die Herausforderungen in Europa und die Bekämpfung des Niedriglohnsektors auf dem Arbeitsmarkt. „Es ist nur das sozial, was gute Arbeit schafft“, sagte Klaus Wiesehügel unter starkem Beifall der Delegierten. Auf den Kundgebungen zum 1. Mai wird die IG BAU als Nächstes in diesem Sinne ihre Stimme erheben.

Ein Beitrag unseres Kollegen Michael Knoche in der April-Ausgabe 2012 der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann".