Internationales


„Junge Arbeitnehmer sind nicht die Zukunft der Gewerkschaften – sie sind ihre Gegenwart.“


© IG BAU (Paul Schimweg)
12.12.2014
Die Einbindung junger Menschen in ihre Arbeit ist für Gewerkschaften in der ganzen Welt eine Priorität. Daher suchen sie derzeit nach Wegen, junge Arbeitnehmer zu organisieren und zu integrieren. Die BHI führte vor kurzer Zeit ein Interview mit dem ehemaligen Jugendsekretär der IG BAU, Christian Beck, der maßgeblich daran beteiligt war, dass die BHI eine Agenda für junge Arbeitnehmer auf den Weg brachte.

Warum glauben Sie, dass es für Gewerkschaften wichtig ist, mit jungen Arbeitnehmern zusammenzuarbeiten? Wie ist es Ihnen gelungen, unter den jungen Gewerkschaftsmitgliedern Aktivisten zu finden?
Die Arbeit mit jungen Mitgliedern ist eine Frage des Überlebens. Wir sagen häufig, junge Menschen seien unsere Zukunft. Ich bin da anderer Meinung: Sie sind unsere Gegenwart. Das bedeutet, dass wir junge Mitglieder respektieren und mit ihnen arbeiten müssen. Wenn wir unsere Organisationen weiterentwickeln wollen, gilt es, bei einer aktiven und ernsthaften Jugendarbeit anzusetzen. Die IG BAU geht in Berufsschulen und in Unternehmen, um dort neue junge Mitglieder zu rekrutieren. Die größte Schwierigkeit besteht darin, die jungen Menschen zu aktivieren. Deshalb bieten wir Programme an, in deren Rahmen Freizeitbeschäftigungen, Schulungen, branchenspezifische sowie politische Aktivitäten angeboten werden. Natürlich müssen wir mit den jungen Menschen viele direkte Gespräche führen. Die neuen Medien können diesen persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Wir hatten das Glück, dass in unseren Regionen sehr fähige Jugendbeauftragte vertreten sind, die fantastische Arbeit geleistet haben. Im Verlauf der Jahre ist es ihnen gelungen, aktive Mitglieder zu finden und sie dafür zu gewinnen, sich an der Arbeit ihrer Gewerkschaft zu beteiligen.

Was war für Sie der wichtigste Moment im Rahmen Ihrer Arbeit als Jugendsekretär der IG BAU?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Mir sind zahlreiche sehr emotionale Momente in Erinnerung geblieben. Die Sunrise-Festivals, unsere Guerilla-Aktionen, das BHI-Jugendfestival sowie die vergangene Jugendkonferenz der IG BAU. Im Rahmen dieser Konferenz zeigte die Junge IG BAU wie stark sie ist. Es wurde deutlich, was wir in Zukunft von Ihnen erwarten können. Natürlich erinnere ich mich auch an sehr tiefgreifende und intensive Gespräche, schöne Abende und an lustige Geschichten. Ich habe in den vergangenen Jahren von allen meinen Kollegen – an guten und an nicht so guten Tagen – viel gelernt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus und was denken Sie über die Zukunft der Gewerkschaften?
Ich werde in meiner Heimatregion in Süddeutschland mit einem Projekt beginnen. Wir werden dort große Bauprojekte organisieren. Dabei geht es darum, einige der erfolgreichen Strategien, die wir bei der Gewinnung junger Arbeitnehmer angewendet haben, auf die „älteren“ Arbeitnehmer zu übertragen. Wir werden direkt mit ihnen zusammenarbeiten und gemeinsam versuchen, ihre Probleme zu lösen. Darüber hinaus werden wir Seminare durchführen und zusätzlich weitere Aktionen und andere interessante Projekte ins Leben rufen.

Die Zukunft der Gewerkschaften?
Es ist zudem erforderlich, dass wir verstärkt auf internationaler Ebene arbeiten. Die Arbeitgeber wissen bereits seit Jahrhunderten um die Bedeutung grenzüberschreitender Arbeit. Wir wissen das auch. Dazu gibt es Entschließungen und es existieren internationale Verbände. Ich denke, dass wir über genug Möglichkeiten verfügen, effizienter zu arbeiten.

Es geht nicht darum, welche Gewerkschaft am wichtigsten ist oder wer die größten Schwierigkeiten zu bewältigen hat. Vielmehr ist es wichtig, dass wir unsere Mission erfüllen. Sie besteht darin, gute Arbeits- und Lebensbedingungen für unsere Mitglieder zu erreichen. Diese Zielsetzung kann nur von freien Gewerkschaften erfüllt werden, da wir ausschließlich unseren Mitgliedern gegenüber verantwortlich sind. Wir sollten weniger über Strategien diskutieren, sondern vielmehr den Mut haben, diese umzusetzen. Wir sollten verstehen, dass wir seitens der Politiker keine großen Taten zu erwarten haben. Der Aufbau einer nachhaltigen Zukunft mit guten Arbeits- und Lebensbedingungen liegt einzig und allein in unserer Hand. Dabei ist unserer Fantasie keine Grenzen gesetzt.

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