Internationales


Kein Schutz keine Jobs,

Deregulierung ist kein Rezept gegen Jugendarbeitslosigkeit


19.11.2015
Wer jung ist und einen Job sucht, hat zurzeit in vielen europäischen Ländern schlechte Chancen: Für die Gruppe der 15- bis 24-Jährigen weist die EU-Kommission eine Arbeitslosenquote von 48,8 Prozent in Spanien, 48,6 Prozent in Griechenland und 40,7 Prozent in Italien aus.

Eine der Hauptursachen für die horrende Jugendarbeitslosigkeit steht für manche Experten seit jeher fest:

Internationale Organisationen wie die OECD, die Weltbank oder die EU-Kommission werden nicht müde, den Kündigungsschutz für die Probleme der jungen Generation auf dem Arbeitsmarkt verantwortlich zu machen. Wenn Entlassungen mit hohen Kosten verbunden sind, schrecke das Unternehmen von Einstellungen ab, so das Argument. Clemens Noelke von der Harvard T.H. Chan School of Public Health kommt in einer empirischen Studie dagegen zu dem Ergebnis, dass diese Behauptung wenig stichhaltig ist.
 
Der Soziologe hat Arbeitsmarktdaten der OECD und der ILO zu 16 westeuropäischen Staaten und den USA aus den Jahren 1980 bis 2008 ausgewertet. Seiner Analyse zufolge gibt es zwischen der Stärke des Kündigungsschutzes, den die OECD auf einer sechsstufigen Skala ausweist, und der Jugendarbeitslosigkeit generell keinen klaren Zusammenhang. Zudem zeigt sich: Wenn Staaten mit starkem Kündigungsschutz die Befristung von Arbeitsverträgen erleichtern, nimmt die Jugendarbeitslosigkeit tendenziell sogar zu. Es gebe also keine stichhaltigen empirischen Belege dafür, dass Deregulierung zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit beiträgt, resümiert der Forscher. Vielmehr habe sich die Deregulierung befristeter Verträge aller Wahrscheinlichkeit nach insbesondere in südeuropäischen Ländern kontraproduktiv ausgewirkt.

Böckler-Impuls 18/2015