Umwelt / Nachhaltige Entwicklung


Klimaabkommen jetzt - Wir können nicht länger warten


30.11.2015
Am 30. November beginnt in Paris die UN-Klimakonferenz. Fachleute mahnen: Es ist fünf vor zwölf und höchste Zeit, in Sachen Bekämpfung der globalen Erwärmung den Worten endlich Taten folgen zu lassen. „Wir wissen,was zu tun ist.Wir können nicht warten, bis es zu spät ist. Wir können nicht warten, bis uns verloren geht, was uns am kostbarsten ist.“

Im Jahr 2009 appellierten über 50 Nobelpreisträger im Vorfeld der damaligen UN-Klimakonferenz in Kopenhagen an die Ländervertreter, endlich zu handeln, um den drohenden Klimawandel noch abzuwenden. Seitdem sind sechs Jahre vergangen. Passiert ist: so gut wie nichts. Abgesehen von Absichtserklärungen, Schuldzuweisungen und Alibiveranstaltungen.

Vom 30. November bis 11. Dezember findet wieder eine UN-Klimakonferenz statt, dieses Mal in Paris. Und wieder betonen Wissenschaftler, Umweltverbände, Staats- und Regierungschefs, dass es höchste Zeit zum Handeln ist, um die verheerenden Folgen des Klimawandels, wie Dürren und Überschwemmungen, noch in Grenzen zu halten.

Auch die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) als Umweltgewerkschaft weiß um die Dringlichkeit des Themas. „Es wird in Paris bestimmt nicht an neuen Lippenbekenntnissen fehlen. Was wir aber benötigen, sind verbindliche Ziele und mutige Schritte für den Klimaschutz“, sagt der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers und fordert nicht zuletzt von der Bundesregierung den Einsatz für ein Klimaabkommen, „das diesen Namen auch verdient. Die Fakten sind klar. Nun geht es um den politischen Willen.“ Aber auch jede/r Einzelne ist gefragt, was er oder sie zum Klimaschutz beitragen kann.

Treibhauseffekt eindämmen

Es gilt vor allem, den Austritt von Treibhausgasen einzudämmen. Eigentlich sorgen sie in der Atmosphäre dafür, dass auf der Erde eine durchschnittliche Temperatur von 15 Grad Celsius herrscht. Der zusätzliche Ausstoß von Treibhausgasen durch menschliche Aktivitäten – allen voran Kohlendioxid (CO2) oder Methan – heizt das Klima jedoch auf. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es in diesem Jahrhundert zu einem Temperaturanstieg von vier Grad Celsius kommen.

Schnelles Handeln ist geboten, um bei einer Erwärmung von höchstens zwei Grad Celsius zu bleiben. Dieses Ziel hatte die internationale Gemeinschaft im Jahr 2010 für sich formuliert. Doch die bisher zugesagten Einsparungen reichen bei Weitem nicht aus. Daher muss ein Abkommen von Paris einen Weg aufzeigen, wie die Lücke zwischen zugesagten und notwendigen Maßnahmen geschlossen werden kann. Beispielsweise durch Investitionen in Energieeinsparung sowie den Umstieg von fossilen auf Erneuerbare Energien.

Weniger ist mehr

Energieeinsparung ist der Schlüssel zum Erfolg der Klimawende. Denn nur so können die schädlichen Emissionen sinken. Je weniger Strom wir verbrauchen, desto schneller kann der Bedarf durch Erneuerbare Energien aus Sonne, Wind, Wasser oder Erdwärme gedeckt werden. Zudem könnte mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien eine Branche entstehen, die immer mehr Menschen Arbeit bietet.

Laut einer Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums waren es im Jahr 2013 bereits rund 371 000 Beschäftigte. Das Beispiel der Windenergie-Wirtschaft zeigt, dass die Tendenz steigend ist. Waren es im Jahr 2004 noch rund 64 000 Arbeitnehmer, stieg die Anzahl 2007 schon auf knapp 86 000. 2012 waren es circa 122 000, in 2013 dann etwa 138 000.

Klimawandel und Bauen

Ein gewaltiges Einsparpotenzial liegt in der Gebäudesanierung. Alle Gebäude der Welt zusammen verursachen knapp ein Drittel des globalen Endenergieverbrauchs. Und stoßen etwa ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen aus. Das Potenzial für Energieeinsparungen bei bestehenden und neuen Gebäuden ist beachtlich: Es liegt bei 50 bis 90 Prozent. Potenzial, das noch lange nicht ausgeschöpft wird.

„In diesen Bereichen tut sich viel zu wenig: zu wenig Förderung, zu wenig klare Vorgaben, zu wenig transparente Anreize, zu wenig Investitionen, zu wenig Qualifizierung und zu wenig Förderung des Fachkräftenachwuchses“, zählt Schäfers auf. Der Bund muss dringend mehr Anreize schaffen, den CO2-Ausstoß von Wohngebäuden zu verringern. Benötigt wird eine Förderung, auf die sich die Eigentümer dauerhaft verlassen können. Gleichzeitig müssen die Mittel des KfW-Programms deutlich aufgestockt und steuerliche Anreize zur energetischen Sanierung gesetzt werden.

Folgen für die Landwirtschaft

Im Jahr 2010 stammten etwa zehn bis zwölf Prozent der von Menschen verursachten Treibhausgase aus der (industriellen) Landwirtschaft. Massentierhaltung und der permanente Einsatz von Düngemitteln tragen unter anderem dazu bei. Auf der anderen Seite ist die Landwirtschaft als erste von den Folgen des Klimawandels betroffen, sei es durch Dürre, Sturm oder Überflutungen.

Besonders in Entwicklungsländern sind diese Folgen oft schon zu spüren. Dabei sind es dort gerade die Landwirtschaft beziehungsweise die Kleinbauern, die die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen und für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes bedeutsam sind. Fehlende Ernten bedeuten Hunger, Arbeitslosigkeit und Armut. Oft bleibt nur die Flucht in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Agrarwirtschaft wie auch Verbraucher müssen umdenken, um das Ausmaß des Klimawandels nicht größer werden zu lassen. Weniger Bodenüberdüngung oder Massentierhaltung, so schnell und so viel wie möglich fossile Brennstoffe durch solche aus Erneuerbaren Energien, zum Beispiel Biomasse, ersetzen.

Verbraucher können ihren Teil beitragen, indem sie weniger Lebensmittel wegwerfen, auf regionale und saisonale Produkte umsteigen oder andere (mit niedrigerem Treibhausgasausstoß verbundene) Lebensmittel konsumieren, beispielsweise weniger Fleisch.

Meinungen aus Politik und Gesellschaft zum Klimawandel

Ein Beitrag unserer Kollegin Christiane Nölle in der November-Ausgabe 2015 der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann".