IG BAU - die tun was!


Lohnbetrug gestoppt


© Rainer Sturm / www.pixelio.de
17.04.2013
Das klang nach gutem Geld: Ein Nettolohn von über 2000 Euro pro Monat war polnischen Bauarbeitern für „legale“ Arbeit mit Arbeitsvertrag in Salzgitter versprochen worden. Angeworben über das Internet bzw. ‚Mund-zu-Mund-Propaganda‘ und eingestellt von zwei Geschäftsleuten vor Ort, sollten sie leerstehende Wohnungen für eine große Immobiliengesellschaft renovieren. Doch es kam anders.

Arbeit gab es tatsächlich genug, dafür blieb die Bezahlung aus und auch einen Arbeitsvertrag bekamen die Beschäftigten niemals zu Gesicht. Abgespeist mit geringen Anzahlungen und dem ständigen Versprechen, Lohn gebe es, wenn der Generalunternehmer zahlen würde, harrten die Bauarbeiter bis zu vier Monate in Salzgitter aus. Schlafen legten sie sich in leerstehenden Wohnungen, die es zu renovieren galt, auf Matratzen, die sie teilweise vom Sperrmüll besorgten.

Die Bauarbeiter aus Polen wurden auf der Baustelle im Bereich des Bezirksverbandes Niedersachsen-Mitte um ihren Lohn geprellt und wehren sich jetzt. Als sich die Berater der Beratungsstelle Arbeitnehmerfreizügigkeit sowie des Projekts Faire Mobilität Hamburg gemeinsam mit den IG BAU- Sekretären Michael Thieme und Hermann Faber nach Salzgitter aufmachten, um die erschreckenden Angaben zu überprüfen, trafen sie nur noch eine Gruppe von sechs Personen an, die weiter auf ihr Geld warteten. Der Rest hatte irgendwie das nötige Geld zusammengekratzt, um rechtzeitig zum Weihnachtsfest zu Hause zu sein.

Die sechs ‚Übriggebliebenen‘ erklärten sich noch vor Ort bereit, mit dem Zoll zusammenzuarbeiten, um dem Lohnbetrug ein Ende zu bereiten. Der Zoll schaltete umgehend die Staatsanwaltschaft ein, die gegen die Drahtzieher ermittelt. Das Projekt Faire Mobilität ermöglichte ihnen mit einer finanziellen Unterstützung die Rückkehr zu ihren Familien rechtzeitig zum Weihnachtsfest.

Die offenen Lohnforderungen in Höhe von bis zu mehreren tausend Euro pro Person werden jetzt mit Hilfe von Rechtsanwälten eingeklagt. Der Gütetermin blieb ergebnislos. Die Geschädigten hoffen jetzt, dass der Kammertermin im Juni Klarheit bringt und sie doch noch ihre ausstehenden Löhne erhalten werden.

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