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Mut-Macher: Michael Paul


© Michael Paul
zplusz / Joachim E. Röttgers
13.09.2016
„Damit hat keiner gerechnet“. Seit 35 Jahren ist der Brite Michael „Mike“ Paul Mitglied in der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die Nachricht vom Brexit erwischte ihn kalt. Doch er ist sich sicher: „Die Initiatoren des Brexit haben selbst nicht mit ihrem Erfolg gerechnet.“ Mit charmantem Akzent vertritt der 63-Jährige rund 700 Kollegen im Betriebsrat der Zentralen Technik von Züblin.

„Ich wollte eigentlich auf meinem Rückweg von Israel eine ehemalige Mitbewohnerin meiner Wohngemeinschaft besuchen. Dann gefiel es mir hier in Stuttgart so gut, dass ich mir Arbeit suchte.“

Nach einigen Jobs bewarb er sich in einem Ingenieurbüro als technischer Zeichner, um im Winter nicht draußen arbeiten zu müssen. „Dort kames nach zwei Jahren aber zu einer Flaute bei den Geschäften. Also bat mich mein Chef, mir eine andere Tätigkeit zu suchen, damit er mich nicht entlassen müsse.“

Für den Briten, der inzwischen verheiratet war und bereits eine kleine Tochter hatte, kam eine Rückkehr in sein Heimatland nicht infrage. „Ich schlug dann am nächsten Samstag die ,Stuttgarter Zeitung‘ auf und fand heraus, dass Züblin Bauingenieuremit guten englischen Sprachkenntnissen für Projekte im Ausland suchte.“ Im Oktober 1981 begann er als Konstrukteur.

Vier Jahre später wurde er in den Betriebsrat gewählt und trat auch in die IG BAU ein. „Ich war ja schon in England in der Gewerkschaft. Deswegen hatte ich kein Problem damit.“ Zwischenzeitlich war Mike sogar Teil des europäischen Betriebsrats von Züblin.

Auch ehrenamtlich arbeitet er bei der Gewerkschaftmit. „Ab 2005 hatte ichmehr Zeit. Die Kinderwaren ausgezogen, und ich wollte mich im Bezirksverband Stuttgart einbringen. Irgendwann wurde ich dann zum Bezirksverbandsvorsitzenden gewählt.“ Als solcher sitzt er heute auch im Gewerkschaftsbeirat.

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Zur Person:

Michael Paul ist Jahrgang 1953, von Beruf Bautechniker und seit 1985 Gewerkschaftsmitglied.

Briefe aus der Heimat

Den Kontakt zu seinen Verwandten auf der Insel hält Mike aufrecht. „Auf die Gefahr hin, altmodisch zu wirken: Wir schreiben Briefe.Mit meiner Schwester einmal im Monat und mit meinem Bruder sogar einmal die Woche. Er ist inzwischen Rentner und schickt mir interessante Zeitungsausschnitte. In letzter Zeit auch immer wieder zum Thema Brexit.“

Michael Paul sieht dem Brexit gelassen entgegen: „Als braver deutscher Steuerzahler nehme ich nicht an, dass ich hier plötzlich ,rausgeschmissen‘ werde“, sagt er lachend. „Das wird eine reine Formalität sein und etwas mehr Bürokratie bedeuten.“ DieWahl in England empfand er als Protestwahl. Mit dem Ergebnis habe niemand gerechnet: „Der Premierminister Cameron dachte, mit der Wahl wird er die Europa-Kritiker los.“

In den Strukturen Großbritanniens sieht Mike den eigentlichen Grund für das ablehnende Votum älterer Bürger. „Die Konzentration der Regierung auf London und den Finanzsektor bewirkt, dass viele Menschen sich vernachlässigt fühlen von der Politik.“ Die Abschottung hält er dennoch für keine gute Idee: „Die erste Reaktion auf den Brexit war der Kursfall des britischen Pfund. Dadurch wurden die wenigen Konzerne,
die noch in britischer Hand sind, zu einem Schnäppchen für ausländische Investoren“, sagt er.

Besonders schwierig schätzt Mike die Situation der britischen Jugend ein. „Für die Jungen sind Grenzen nichts weiter als Hindernisse. Der Brexit ist sowas wie Gift für sie. Deswegen sind die Jugendlichen auch aufgebracht und finden: ,Die Alten machen unsere Zukunft kaputt.‘“

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Ein Beitrag unseres Volontärs Devin Can in der September-Ausgabe 2016 der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann".