Arbeit und Wirtschaft


Politik muss den Menschen die Zukunftsangst nehmen


© IG BAU (Alexander Paul Englert)
17.10.2016
Lange wurde uns von vielen Politikern und Wirtschaftsexperten gepredigt, der Markt sei der Maßstab. Er allein könne für Wachstum und Wohlstand sorgen, und wenn es den Reichen gut geht, bekämen die kleinen Leute auch mehr ab. Gewerkschafter galten dagegen als Dinosaurier. Unsere Forderung nach mehr Umverteilung von oben nach unten wurde als Sozialromantik geschmäht.

Inzwischen ändert sich jedoch das Bewusstsein. Immer mehr Stimmen prangern die Sparpolitik, wachsende Ungleichheit und zu niedrige Löhne an.

Manche Ökonomen und Kommentatoren, die noch vor Kurzem Verfechter des neoliberalen Kurses waren, geben zu, sich geirrt zu haben. Sie sehen ein, dass ihr Gesellschaftsmodell viel zu viele Verlierer hervorbringt. Die Gruppe der Abgehängten ist inzwischen so groß, dass sie eine eigene Stimme in der Politik hat. Nicht nur in Deutschland mit der AfD.

In den USA sind es die Trump-Anhänger, in Großbritannien die Brexit-Befürworter. Es ist zu einfach, diese Menschen pauschal als Populisten zu beschimpfen. Unter den Unterstützern sind viele normale Bürger. Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin erhielt die AfD auch viele Stimmen von früheren Anhängern der SPD und der CDU. Rund 80 Prozent der AfD-Wähler wollen denn auch nicht, dass diese Partei politische Verantwortung übernimmt.

Aber sie wollen ihre Unzufriedenheit und Zukunftsangst ausdrücken. Es ist höchste Zeit, dass die etablierten Parteien das ernst nehmen. Bis zur
Bundestagswahl ist es noch knapp ein Jahr. Jetzt müssen die Parteien handeln und ihre Wahlprogramme so gestalten, dass den Menschen die Ängste genommen werden. Ausreichend bezahlbare Wohnungen, eine vernünftige Rente, die für ein gutes Leben reicht, sowie mehr Investitionen in Infrastruktur und Bildung sind dafür wichtige Signale.

IG BAU-Bundesvorsitzender Robert Feiger in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein /Der Säemann", Ausgabe 10/2016.