Umwelt / Nachhaltige Entwicklung


Projekttage Nachhaltige Bauwirtschaft in der Luisenschule in München

Ressourcen "aus da Region schlachtn und plotzsporend bauen"


© PECO-Institut (Lisa Bauch)
München, 24.07.2015
Im Rahmen zweier Projekttage vom 15. bis 16. Juli 2015 an der Münchner Luisenschule setzte sich eine Klasse BetonbauerInnen mit den Herausforderungen auseinander, vor denen die Bauwirtschaft in ökologischer Hinsicht steht. Doch auch Lösungsansätze um Energie- und Rohstoffverbrauch zu verringern und effizienter zu gestalten spielten eine wichtige Rolle. Hier kann nachhaltiges Bauen einen wesentlichen Beitrag liefern.

Der Bausektor beschäftigt hierzulande ca. 700.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und sichert damit vielen Menschen und Haushalten ein Einkommen, doch das zu einem hohen Preis. Der Bausektor gehört in Deutschland und weltweit zu den rohstoff- und energieintensivsten Wirtschaftssektoren.

So gewinnt die Baustoff-, Steine-und-Erden-Industrie in Deutschland jährlich etwa 550 Millionen Tonnen Primärrohstoffe wie Gips- und Kalkstein, Kies und Sand, Naturstein oder Ton. Auch der Energiebedarf, zumeist gespeist aus Kohle, Atom und Gas für die Herstellung der Baustoffe ist erheblich. Allein die weltweite Zementproduktion benötigt dreimal mehr Energie als der gesamte globale Flugverkehr.

Dieser hohe Rohstoff- und Energiebedarf zieht viele unerwünschte ökologische und soziale Folgen hierzulande und in anderen Ländern nach sich - z. B. Trinkwasserbelastung durch Deponien von nicht wiederverwertbaren Bauabfällen, Klimawandel durch hohe Emissionen, Verlust von Lebens- und Erholgungsraum durch das Zubauen von Flächen, gesundheitliche Schäden durch Luftverschmutzung.
 
Energetische Gebäudesanierung ist auch für die IG BAU ein wesentlicher Schlüssel, um das Klima zu schützen. Jedoch gilt es an dieser Stelle näher hinzuschauen. Exemplarisch am Thema Dämmung wurden verschiedene Dämmstoffe und deren Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. Eine Erkenntnis: Neben den meistverwendeten Dämmstoffen Mineralwolle und Polystyrol gibt es eine Vielzahl von nachwachsenden Dämmstoffen, die ähnliche Eigenschaften hinsichtlich Verfügbarkeit, Einsatzbereich oder Feuerfestigkeit besitzen und dazu geringere Nachteile für Gesundheit und Umwelt mit sich bringen. Doch liegt deren Anteil immer noch unter 3 Prozent der verwendeten Dämmstoffe.

Zum einen ist sicherlich zu wenig Kenntnis über die ökologischen Zusammenhänge unter den Ausführenden darüber vorhanden. Andererseits sind nicht nachwachsende Dämmstoffe oft noch billiger, weil diese subventioniert werden und sich auch die ökologischen und sozialen Folgen nicht in den Anschaffungskosten widerspiegeln.
 
Neben dem Einsatz nachwachsender Baumaterialien waren ein geringerer Verbrauch von Energie und Rohstoffen, die Wiederverwendung und Regionale Kreisläufe diskutierte Lösungsansätze. Mit den Worten eines Schülers: "Wir miassn Ressourcen aus da Region schlachtn und plotzsporend bauen."
 
Über die Frage, wie man als Einzelner eigentlich aktiv werden kann angesichts der ökologischen und sozialen Problemstellungen, kam die Sprache auf die Rolle von Gewerkschaften. Denn ohne die Achtung guter Arbeitsbedingungen kann Bauen nicht nachhaltig sein. Und auch ohne Umweltschutz kann es auf Dauer keine guten Arbeitsbedingungen geben.

In einem Rollenspiel stellten die Auszubildenden Tarifverhandlungen nach, in denen sie sich ihre Vorstellungen eines fairen und umweltfreundlichen Arbeitsplatzes erarbeiteten: Neben einem Einstiegsgehalt von mindestens 1900 Euro (netto), einer Toilette auf der Baustelle oder 30-Tagen Urlaub waren auch ordentliches Trennen der Bauabfälle und der Einsatz von Rußpartikelfiltern in den Baumaschinen dabei.

"Ich dachte ja, das Thema Umwelt interessiert mich überhaupt nicht.", so einer der Schüler in der Abschlussrunde, "Doch nach den zwei Tagen, gucke ich jetzt zumindest bei mir selber mal, was sich so machen lässt."
 
Die Projekttage finden im Rahmen des Projekts "Bildung für eine nachhaltige Bauwirtschaft" statt. Das PECO-Institut setzt dieses Projekt in Zusammenarbeit mit der IG BAU an bayrischen Berufsschulen um. Die Stiftung für bayrische Bauwirtschaft finanziert das Vorhaben.

Ein Beitrag unserer Kollegin Lisa Bauch und unseres Kollegen Markus Eberl.

© PECO-Institut (Lisa Bauch)
© PECO-Institut (Lisa Bauch)