Bauen und Wohnen


Rentnern in Deutschland droht der soziale "Wohn-Abstieg"

Berlin, 25.06.2013
Die IG Bauen-Agrar-Umwelt hat zusammen mit anderen Verbänden der Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“ eine Studie zum künftigen quantitativen und insbesondere qualitativen Wohnbedarf der Altersgruppe 65+ in Auftrag gegeben und heute in einer Pressekonferenz in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:

Die Bevölkerung in der Altersgruppe ab 65 Jahren wird von zurzeit knapp 17 Millionen bis zum Jahr 2035 auf knapp 24 Millionen zunehmen.

Die Altersarmut wird zunehmen. Es ist zu befürchten, dass sich der Anteil an dieser Altersgruppe, die ergänzende Grundsicherungsleistungen zum Lebensunterhalt benötigt, von derzeit drei Prozent in den kommenden 20 Jahren auf circa 25 Prozent ansteigt.

Auch der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung steigt von rund drei Prozent auf rund 4,5 Prozent im Jahre 2035.

Im gleichen Zeitraum steigen die Kosten der Pflegeversicherung voraussichtlich von 22 auf 33 Milliarden Euro. Zudem wird die Hilfe zur Pflege von 3,6 auf über 18 Milliarden explodieren, sofern die Grundsicherungsquote etwa 25 Prozent erreicht. Diese Zahlenangaben können aufgrund des langen Prognosezeitraums natürlich nur Tendenzen zu den zu erwartenden Größenordnungen aufzeigen.

Künftig werden weite Teile der Altersgruppe ab 65 Jahren sich daher ihre ursprüngliche Wohnung aufgrund Haushaltsverkleinerung und Einkommensminderung finanziell nicht mehr dauerhaft leisten können. Zugleich wird ein Ausweichen auf kleinere Wohnungen nur begrenzt möglich sein.

Aus dieser Bestandsaufnahme leitet die Studie folgende Handlungsempfehlungen bzw. Forderungen ab:

  • Eine öffentliche Förderung für den Umbau und die Modernisierung zur Ausweitung des Bestands an barrierearmen Wohnungen um 2,5 Millionen ist in den kommenden Jahren dringend notwendig. Die Studie hält hierfür jährlich 540 Millionen Euro in den nächsten acht Jahren für notwendig, denn Hauseigentümer werden ohne eine Förderung den Investitionsaufwand ansonsten häufig nicht alleine aufbringen können. Wird der Förderzeitraum gestreckt, so vermindert sich die jährliche Fördersumme entsprechend.
  • Hierzu muss mit Blick auf die Altersstruktur der Eigentümerhaushalte das aktuelle Kreditprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau um eine Zuschussvariante ergänzt werden.
  • Die deutliche Ausweitung des Angebots barrierearmer Wohnungen ist vor allem geboten, damit der Anteil der ambulant in den Wohnungen zu leistenden Pflege stabilisiert bzw. möglichst erhöht werden kann. Bei einem durchschnittlichen Aufwand von rund 15.000 Euro zur Herstellung der notwendigen Barrierearmut amortisieren sich diese Investitionen gegenüber den Mehrkosten bei einer stationären Pflege von mindestens 7.200 Euro pro Jahr bereits in gut zwei Jahren.

Die IG BAU wird – auch zusammen mit den anderen Verbänden - die künftige Bundesregierung auf diese Ausgangslage und Prognose hinweisen und sie mit den genannten Forderungen konfrontieren.

Wir werden uns gemeinsam dafür einsetzen, dass die Untätigkeit der derzeitigen Bundesregierung in dieser wichtigen sozialpolitischen Frage ein Ende findet.

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