Gebäudereinigung


Sauberer Erfolg für Reinigungspersonal: Kündigungen am Klinikum verhindert

25.12.2010
Ohne Betriebsrat wäre das anders ausgegangen. So aber sind fast 30 Kündigungen am Klinikum Chemnitz zurückgenommen worden. Dies ist eine Erfolgsgeschichte für die Beschäftigten der Service-Gesellschaft KCS in Chemnitz, für ihren Betriebsrat und für die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die Service-Gesellschaft KCS wollte im September 50 ihrer 195 Beschäftigten kündigen. Die KCS ist ein 51-prozentiges Tochterunternehmen des Städtischen Klinikums, die restlichen Anteile hält der Dienstleistungskonzern Götz. Als Großauftrag reinigt KCS an den vier städtischen Krankenhäusern, dieser Dienstleistungsauftrag musste aufgrund gesetzlicher Regelungen neu ausgeschrieben werden.

Kündigungen „auf Vorrat“
Die Vergabeentscheidung sollte Ende September fallen – doch schon vorher begann man bei der KCS damit, „vorsorglich“ betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. „Und dies, obwohl noch gar nicht klar war, dass das Unternehmen den Auftrag verliert, weil die Ausschreibung ja noch lief“, kritisierte Wolfgang Bullin, Gewerkschaftssekretär der IG BAU.

Das Unternehmen „siebte“ nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit (und Kürze der Kündigungsfrist) und wollte so insgesamt mehr als 50 Beschäftigte loswerden. Sozusagen „auf Vorrat“, als sogenannte „Vorratskündigung“.

Es waren harte und heftige Wochen in Chemnitz. Aber der im Mai 2010 neugewählte und durch zahlreiche Gewerkschaftseintritte gestärkte Betriebsrat handelte im Interesse der Beschäftigten. Die Betriebsratsvorsitzende Marianne Hofmann berichtet: „Wir haben von der IG BAU Beratung gebraucht. Und wir haben sie bekommen. Die Gewerkschaft hat sich sehr eingesetzt, und wir als Betriebsrat haben immer wieder die Beschäftigten informiert. Das war auf Versammlungen, aber auch in vielen persönlichen Beratungen.“ Jeder der Gekündigten musste ja selbst Widerspruch einlegen. Bei dieser Gegenwehr half der Betriebsrat, half die IG BAU und half der gewerkschaftliche Rechtsschutz.

Ein voller Erfolg
Die Gerichte wiesen eine Kündigung nach der anderen zurück. Die Richtersprüche waren zum Teil „donnernd“, wie eine Betroffene berichtet. Dazu half auch, dass die Beschäftigten an die Öffentlichkeit gingen. Der Fall schlug Wellen, immerhin handelt es sich um ein quasi kommunales Unternehmen. Nach 26 Kündigungen war Schluss, die Geschäftsleitung lenkte ein. „Sie haben gemerkt, dass wir zusammenhalten“, meint Marianne Hofmann. Es half auch, dass der Betriebsrat und die IG BAU einen Sozialplan forderten, der für das Unternehmen teuer geworden wäre.

Der Aufsichtsrat des Klinikum-Konzerns beschloss schließlich das Ende der Kündigungsaktion. Per Presseinformation wurde mitgeteilt: „Es werden im Zusammenhang mit der Ausschreibung von Dienstleistungen bei der Unterhalts- und Glasreinigung keine weiteren Kündigungen mehr ausgesprochen. Die bereits ausgesprochenen werden unverzüglich für unwirksam erklärt.“

Solch eine öffentliche Mitteilung ist ungewöhnlich. Der Druck von Betriebsrat und Beschäftigten brachte zudem noch ein weiteres Zugeständnis: „Im Konzern Klinikum Chemnitz hat es seit der Gründung im Jahr 1994 keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben. An diesem, für Mitarbeiter des Unternehmens wie für die Stadt Chemnitz wichtigen Grundsatz möchten wir festhalten.“

Dass dies auch so bleibt, dafür sorgt bei der KCS nicht zuletzt ein engagierter Betriebsrat. Rund die Hälfte der Beschäftigten dort sind mittlerweile Mitglied der IG BAU. Sie haben erlebt, dass man gemeinsam stark ist.

Ein Beitrag unsers Kollegen Alf Mayer in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann 12-2010/01-2011.

Mitglied werden