Arbeit und Wirtschaft


Sicherheit und Arbeit für Flüchtlinge

Firmenchef Martin Röhlich (Zweiter von links) mit Said, Asef und Abdi (von links)
Firmenchef Martin Röhlich (Zweiter von links) mit Said, Asef und Abdi (von links) © Alexander Paul Englert / zplusz
06.10.2015
Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Afghanistan oder Somalia. In ihren Heimatländern haben sie alles zurückgelassen und sich auf den beschwerlich-gefährlichen Weg Richtung Europa gemacht. Im Gepäck ein paar Habseligkeiten und die Hoffnung auf ein sicheres, ein besseres Leben.

Zehntausende sind in den vergangenen Wochen und Monaten in Deutschland eingetroffen. Eine Herausforderung – für Politik, Wirtschaft und Bevölkerung. Vor allem die Wirtschaft sieht diese Herausforderung auch als Chance, da mit den Flüchtlingen potenzielle Arbeitskräfte ins Land kommen.

Doch bürokratische Hindernisse, Unsicherheit und Unwissenheit lassen gerade kleinere Handwerksbetriebe noch zurückschrecken. Ein Betrieb, der sich dieser Herausforderung stellt, ist die Firma Fliesen Röhlich aus Wendelstein in der Nähe von Nürnberg.

Asef aus Afghanistan und Said aus dem Irak absolvieren hier ihre Ausbildung zum Fliesenleger. Der Somalier Abdi hat bereits für kommendes Jahr eine verbindliche Ausbildungszusage. „Mit den Bewerbern hier aus der Region haben wir in der Vergangenheit nicht so gute Erfahrungen
gemacht“, erzählt Firmenchef Martin Röhlich. Motivation und Zuverlässigkeit ließen oft zu wünschen übrig.

„Wir haben im Betrieb sowieso schon Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern. Für mich spielt keine Rolle, welche Religion, Nationalität oder Hautfarbe jemand hat, solange es bei der Arbeit stimmt. Von daher war es für mich kein Thema, Flüchtlingen eine Chance zu geben.“

Wie alle Bewerber mussten auch sie ein Praktikum absolvieren, danach wurde entschieden. Bereut hat Röhlich diese Entscheidung nicht. „Asef und Said machen einen klasse Job. Abdi hat während seines Praktikums gezeigt, dass es ihm ernst und er mit Spaß bei der Sache ist. Sie sind zuverlässig, lernbegierig, und es ist unheimlich toll, wie schnell sie Deutsch gelernt haben.“

Auch unter den Kollegen wird ihre Arbeit geschätzt, und in der Berufsschule läuft’s auch ganz gut. Wenn alles so bleibt, steht einer Übernahme nach erfolgreicher Abschlussprüfung nichts im Weg. Im Betrieb sind sich alle einig: „Wenn Flüchtlinge hier eine Zukunft haben sollen, dann müssen wir was tun.“

Egal ob Praktikum oder Ausbildung – die jungen Männer gehen motiviert ans Werk © Alexander Paul Englert / zplusz
Said: „Ich bin hier in Deutschland freundlich aufgenommen worden.“ © Alexander Paul Englert / zplusz

Gute Perspektiven für Abdi

Auf seine bessere Zukunft freut sich auch Abdi (24) aus Somalia. Er fängt im kommenden Jahr seine Ausbildung als Fliesenleger an. Bis es soweit ist, besucht er in Nürnberg die Berufliche Schule 11. Diese nimmt als einer von 16 bayerischen Schulstandorten am Modellprojekt „Perspektive Beruf für Asylbewerber und Flüchtlinge“ teil und bereitet die Schüler auf ihr zukünftiges (Arbeits-)Leben vor. Abdi hat somit die besten Perspektiven. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Gemeinsam mit seiner Frau Samar floh er 2011 vor islamischen Milizen. Der Weg führte über Libyen nach Europa und endete im Februar 2014 in Deutschland. Mittlerweile war auch der gemeinsame Sohn Mohammed (heute ein Jahr) zur Welt gekommen. Kaum angekommen, erfuhr die Familie von vielen Seiten Unterstützung, allen voran von Ines Janker vom örtlichen Helferkreis.

Mit dem Ausbildungsvertrag in der Tasche haben Abdi, Samar und Mohammed nun die Chance auf ein neues Leben bekommen. Vorbei sind die schwere, mittlerweile überstandene Krankheit der Frau oder die Ungewissheit auf der Flucht. Vergessen sind aber nicht die Freunde, die Abdi in seiner Heimat zurücklassen musste. „Ich denke oft an sie“, sagt er betrübt. Doch seine Augen leuchten, wenn er in die Zukunft blickt. „Ich wollte mein Leben und das meiner Frau retten und ein sicheres, gutes Leben führen.“ Sieht ganz danach aus, als hätte es Abdi geschafft.

Asef: „Manchmal ist es schwierig, aber ich schaffe das.“ © Alexander Paul Englert / zplusz

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