Bauen und Wohnen


„Stein-Post“ fürs Rote Rathaus: Senat soll Grundstein für Wohnungsbau-Offensive legen

IG BAU verschickt 9 Ziegelsteine an den Berliner Senat

Staatssekretärin Hella Dunger-Löper erhält von Erhard Strobel, Bezirksvorsitzender der IG BAU Berlin und Peter Keibel, Vorsitzender des Arbeitskreises Baupolitik die "Stein-Post"
Staatssekretärin Hella Dunger-Löper erhält von Erhard Strobel, Bezirksvorsitzender der IG BAU Berlin und Peter Keibel, Vorsitzender des Arbeitskreises Baupolitik die "Stein-Post" © IG BAU (R+W)
15.08.2014
Stein-Post“ für den Senat: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) findet heute einen Ziegelstein auf seinem Schreibtisch. Ebenso sein Vize, Innensenator Frank Henkel (CDU), und alle weiteren sieben Mitglieder des Berliner Senats. Neun Ziegelstein-Päckchen – Absender ist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Berlin. „Mit dieser ‚steinigen Post‘ legen wir dem Senat schwere Argumente auf den Tisch, damit er sich intensiver um eines der drängendsten Probleme kümmert, das Berlin hat: um den Wohnungsbau“, sagt Peter Keibel von der IG BAU Berlin.

Die Gewerkschaft will mit dem pfundigen Ziegelstein den Grundstein für eine neue Wohnungsbaupolitik legen. Mit ihrer „Stein-Post“ richtet die Bau-Gewerkschaft deshalb elf „Wohnungsbau-Thesen“ und eine klare Forderung an den Senat: „Berlin braucht dringend ein umfassendes und effektives Wohnungsbaukonzept für die ganze Stadt.“

Es werde „höchste Zeit, den Berliner Wohnungsbau anzukurbeln“, so der Vorsitzende des Arbeitskreises Baupolitik der IG BAU Berlin, Peter Keibel. Nach dem „unbequemen Ausgang des Volksentscheids zum Tempelhofer Feld“ dürfe der Senat nun nicht in eine „Wohnungsbau-Starre“ verfallen. Notwendig sei jetzt eine „Berliner Wohnungsbau-Offensive“.
 
Dabei komme es darauf an, verstärkt Bauland zur Verfügung zu stellen – insbesondere auch öffentliche Flächen. Das Land dürfe allerdings nicht den Fehler machen, diese Flächen ausschließlich renditeorientiert auf den Markt zu geben. Der Verkauf von Bauland müsse sich maßgeblich an einem Ziel orientieren: an der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Luxusapartments haben wir genug. Berlin braucht einen sozialen Wohnungsbau“, so Keibel. Die IG BAU fordert zudem eine offensive Umwandlung leerstehender öffentlicher Gebäude in Wohnraum. Hier sei Berlin aufgefordert, dafür zu sorgen, dass verstärkt landes- und bundeseigene Gebäude, deren ursprüngliche Nutzung nicht mehr gegeben sei, in Wohnraum umgewandelt würden.

„Berlin ist ein Magnet für Zuwanderer“, so die IG BAU. Die Stadt müsse sich in diesem Jahr auf den Zuzug von bis zu 50.000 Menschen wie in den letzten Jahren einstellen. Allein für diese würden rund 28.000 neue Wohnungen zusätzlich benötigt. Immerhin seien fast 80 Prozent der Neu-Berliner ledig. „Wohnungssuche ist längst zum Wettlauf geworden. Der Kampf um bezahlbare Wohnungen bestimmt den Berliner Alltag. Die Warteschlangen bei Wohnungsbesichtigungen werden immer länger“, sagt Peter Keibel. Es komme darauf an, insbesondere Wohnraum für die Bezieher von geringen und mittleren Einkommen zu schaffen. „Ein Großteil der Wohnungen, die heute gebaut werden, bedient das Luxussegment. Was Berlin dringend braucht, sind Wohnungen, die sich auch die Floristin oder die Verkäuferin in der Bäckerei leisten kann“, so der Vorsitzende des IG BAU-Arbeitskreises Baupolitik.

Die „explodierenden Mieten“ in der Hauptstadt, so Peter Keibel, entwickelten sich mehr und mehr zu einer sozialen Herausforderung für den Senat: „Vermieter verlangen, was der Markt hergibt. Bei Neuvermietungen schlagen sie kräftig drauf: Mieten, die um mehr als 30 Prozent über dem liegen, was der Vormieter bezahlt hat, sind keine Seltenheit“, so der Gewerkschafter. Diese „anhaltende Mietspirale nach oben“ sei nur durch eine Maßnahme wirkungsvoll in den Griff zu bekommen: durch mehr neue Wohnungen. Der Wohnungsneubau habe einen weitaus besseren Effekt als jede Mietpreisbremse.

Zudem muss sich Berlin, so die Gewerkschaft, baupolitisch auf den demografischen Wandel vorbereiten. Berlin sei eine nicht nur bei Jüngeren, sondern zunehmend auch bei Älteren begehrte Stadt: Bis zum Jahr 2030 werden rund 200.000 Menschen in die Hauptstadt ziehen, die 65 Jahre oder älter sind, so die vom Berliner Senat selbst geäußerte Erwartung. Die Senioren schätzen, so die IG BAU, insbesondere die Infrastruktur und die Angebote der Großstadt – von der Kultur bis zu den Gesundheitseinrichtungen. Der „Zuzugs-Trend 65plus“ mache allerdings eine deutliche Belebung des altersgerechten Bauens und Sanierens notwendig. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts in Hannover müssen in den kommenden Jahren mehr als 105.000 barrierearme, altersgerechte Wohnungen in Berlin neu entstehen. Allein hierfür seien Investitionen von rund 1,64 Milliarden Euro erforderlich.

Baustein in Bärentatze:
Der Berliner Bär macht’s vor. Der Senat soll’s nachmachen und Ziegelsteine (politisch) in die Hand nehmen – für mehr Wohnungsbau. Bürgermeister Klaus Wowereit und alle Senatoren bekommen deshalb jetzt von der Berliner IG BAU einen Ziegelstein zugeschickt. „Der Senat soll ein Gefühl dafür bekommen, was die Stadt dringend braucht: Steine für mehr Wohnungen. Dann wird die Bereitschaft im Roten Rathaus hoffentlich größer sein, eines der drängendsten Probleme dieser Stadt entschlossen anzupacken: die Wohnungsnot“, so die IG BAU. Es komme dringend darauf an, mehr bezahlbare Wohnungen in Berlin zu schaffen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass der Berliner Senat ein „umfassendes und effektives Wohnungsbaukonzept“ schaffe.

© IG BAu (R+W)