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Verwaltung muss Zertifikate gegen Kinderarbeit anerkennen


© Benjamin Pütter / Misereor
Frankfurt am Main, 12.06.2015
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert die Politik auf, sich entschieden gegen die Ausbeutung von Kindern einzusetzen. Anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit (12. Juni) sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers: „Halbherzige Vorschriften bringen Kindern, die weltweit ausgebeutet werden, nichts. Das zeigt das Urteil aus Baden-Württemberg zu Grabsteinen aus Kinderhand wieder überdeutlich. Schutzregelungen nur auf dem Papier reichen nicht, die Verwaltung muss die Vorschriften auch umsetzen können. Was wir brauchen sind nicht nur symbolische weltweite Gedenktage, sondern entschlossene Politiker, die diesen unhaltbaren ausbeuterischen Sumpf mit entschlossener Politik austrocknen. Aber auch der Verbraucher muss sein Verhalten ändern und seine Kaufentscheidung von fairen Kriterien abhängig machen!“

Anfang dieser Woche (für die Red. 9. Juni 2015) hatte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württembergs das Stuttgarter Verbot gekippt, Grabsteine aus Kinderarbeit auf den städtischen Friedhöfen aufzustellen. Der Landtag hatte die Kommunen zuvor zu solchen Regelungen ermächtigt. Für den Nachweis fair hergestellter Grabsteine verweist die Stuttgarter Friedhofssatzung auf Zertifikate anerkannter Organisationen.

Das Gericht entschied nun, wegen fehlender staatlicher Stellen für die Anerkennung solcher Zertifikate könne der Nachweis nicht erbracht werden. Das 2005 unter anderem von der IG BAU mit auf den Weg gebrachte Gütesiegel von Xertifix sei juristisch deshalb ebenfalls kein ausreichender Nachweis für fair hergestellte Grabsteine.

„Es ist traurig, wie der gute Vorsatz, Kinder vor Ausbeutung zu schützen, durch mangelhafte Verwaltungsstrukturen blockiert wird“, sagte Schäfers. „Xertifix vergibt von Experten anerkannte Zertifikate für Steine, die ohne Kinderarbeit hergestellt werden. Dafür erfolgen in indischen Steinbrüchen regelmäßig unangekündigte Kontrollen. Es fehlt aber offenbar an einer staatlichen Stelle hierzulande, die ihrerseits wiederum dem Gütesiegel ihren Segen erteilt. Nur deshalb hat das Gericht dieses Urteil gefällt. Hier muss umgehend gehandelt werden, damit die Kinder zur Schule gehen können und nicht in die Steinbrüche müssen.“

Rund die Hälfte der in Deutschland verkauften Grabsteine stammen laut Medienberichten aus Kinderhand - ein Großteil davon aus Indien.

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