Einrichtungen


Vom Ferienheim zum 3-Sterne-Hotel: 45 Jahre Haus Schildhorn


GEW-Geschäftsführer Jörg Herpich, Annelie Buntenbach (DGB) mit Brigitte und Arno Weßler
© GEW (Dietmar Gust)
03.02.2012
20 Zimmer mit 40 Gästebetten, zwei Fernsehräume, die Übernachtung mit Vollpension für 8 DM am Tag – diese Zeiten sind lange vorbei im Berliner Haus Schildhorn. Heute verfügt das Ferienhotel im Berliner Grunewald über 47 Zimmer mit 100 Betten. Es hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, so wie sich die Gäste und ihre Erwartungen gewandelt haben. Der 45. „Geburtstag“ des ersten Ferienhotels des Gemeinnützigen Erholungswerks war Anfang Februar Anlass für einen Rückblick und einen Ausblick auf Neues.

Annelie Buntenbach, Mitglied im DGB-Bundesvorstand, ging in ihrer Laudatio beim Jubiläumsempfang auf die verschiedenen Ausbaustufen des Hauses ein, die den Weg vom Ferienheim der sechziger Jahre bis zum heutigen 3-Sterne-Hotel säumten. Sie spannte auch den Bogen hin zur aktuellen Sozialpolitik: „Die soziale Schieflage in unserem Land hat dazu geführt, dass Einrichtungen wie das Gemeinnützige Erholungswerk (GEW), die sich um soziale Belange kümmern, gegenüber Wirtschaftsunternehmen deutlich schlechter gestellt sind. Vorstand und Geschäftsführung des GEW haben daraus die Konsequenzen gezogen und werden sich noch in diesem Jahr aus der Gemeinnützigkeit verabschieden." Wieder einmal heißt es, neue Wege zu gehen.

Verbrachten Gäste früher bis zu drei Wochen Urlaub in Berlin, hat sich das Urlaubsverhalten und auch das touristische Angebot gravierend verändert. Drei Wochen geruhsamer Urlaub werden von Kurzreisen abgelöst, der Anteil reiselustiger Senioren wächst. Die Bedürfnisse der Gäste haben sich verändert –das GEW hat das mit seinen Hotels und Ferienzentren nachvollzogen. Fünf Ferienhotels und sechs Ferienzentren an den schönsten Urlaubszielen bieten den Mitgliedern der IG BAU, ihren Familien und Kolleginnen und Kollegen der anderen DGB-Gewerkschaften tolle Urlaubsmöglichkeiten. 300.000 Übernachtungen hat das Gemeinnützige Erholungswerk im Jahr zu verzeichnen – eine stolze Zahl.

Hotel Schildhorn, im Grunewald direkt an der Havel gelegen, bietet mit seiner unmittelbaren Stadtnähe viele Sehenswürdigkeiten – und doch genügend Ruhe für Erholungssuchende. Seit einigen Jahren ist die Gastronomie des Hotels auch für Spaziergänger und Wanderer geöffnet. Neben einer Mittagskarte werden auch Kaffee und Kuchen auf der Terrasse und im Restaurant angeboten. Hier werden alle Speisen hausgemacht – die Eisbein- und Wildschweinsülze und die selbst eingelegten Bratheringe sind der absolute Geheimtipp. Oder doch nicht mehr ganz so geheim – Stammgäste und Geschäftskunden kommen oft alleine wegen der exzellenten regionalen Küche ins Hotel Schildhorn.

Nach dem Fall der Mauer sind viele attraktive Ziele in direkter Umgebung hinzugekommen, beispielsweise Potsdam mit seinem Holländischen Viertel, dem traumhaft schönen Schloß Sanssouci oder die Filmstadt Babelsberg. Eine durchschnittliche Jahresauslastung von über 70 Prozent – das sind Zahlen, von denen Berliner Stadthotels nur träumen können. Auch wenn es Vollpension für 8 DM am Tag heute nicht mehr geben kann – die Halbpension ist mit 47,60 Euro (in der Hauptsaison) für Gewerkschaftsmitglieder sehr günstig.

1994 erhielt man nach langen Verhandlungen mit der Baubehörde die Genehmigung für die Aufstockung des Hauses. Das Hotel erhielt elf weitere Gästezimmer und einen Fahrstuhl. Um das Hotel wirtschaftlich weiterführen zu können, ist jetzt wieder ein Umbau geplant. Derzeit wird wieder mit dem Bauamt verhandelt.

Der geplante Umbau war neu für Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf und Ressortchef der Wirtschaftsförderung. Er zeigte sich in seinem Grußwort sehr angetan von diesem Juwel in „seinem“ Bezirk. Seine besonderen Glückwünsche galten dem Betreiber-Ehepaar Wessler und seinem Team, das dem Hotel Schildhorn seine ganz persönliche Prägung gibt. Sehr professionell, mit viel Fleiß und Engagement und doch einer ganz persönlichen Note.

Haus Schildhorn ist mehr als nur ein Hotel. Leitung und Team sind gewerkschaftlich geprägt, wie sich beispielsweise auch beim sechswöchigen Berliner Baustreik 1997 zeigte. Haus Schildhorn hatte die Verpflegung der Streikenden im Streikzelt übernommen. Und Haus Schildhorn trägt sein Teil zu Berufschancen für junge Menschen bei. In Zusammarbeit mit dem Internationalen Bund (IB) absolvieren Auszubildende den praktischen Teil ihrer Ausbildung zum Restaurant- oder Hotelfachmann im Haus an der Havel.

Berlin und Haus Schildhorn sind eine Reise wert!