Frauen


Was wollen die Frauen bei Züblin?

Ergebnisse der Umfrage der IG BAU-Frauen


© IG BAU
26.02.2015
„Frauen führen Projekte“ lautet der Titel eines Weiterbildungsangebots für die weiblichen Mitglieder in der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die Teilnehmerinnen bringen ihre eigenen Projektideen ein und lernen die Planung der einzelnen Schritte für die Durchführung eines Projekts. Ilse Bruttel und Renate Wapenhensch haben sich vorgenommen, ein Konzept für die Ansprache von Frauen im Baugewerbe zu entwickeln. Aufgrund bestehender Kontakte zum Betriebsrat haben sie sich für Züblin in Stuttgart als ihren „Pilotbetrieb“ entschieden.

Der Bau ist eine klassische Männerdomäne. Frauen sind auf Baustellen noch immer die Ausnahme. Und auch insgesamt sind sie im Baubetrieb in der Minderheit. Wie schätzen Frauen ihre Arbeitsbedingungen in der Männerbranche ein? Wo finden sie sich mit ihren Interessen wieder? Welche betrieblichen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Themen interessieren sie? Inwieweit gibt es Bereitschaft zu Engagement und Mitgestaltung?

Die beiden Gewerkschafterinnen erarbeiteten dazu einen Fragebogen. Die Frauen bei Züblin haben sie freundlich empfangen. Fast alle füllten den Bogen aus. Viele fragten auch, ob es eine Rückmeldung der Ergebnisse gäbe.

Insgesamt kamen 176 Bögen zurück. Größtenteils schätzen die Frauen ihre Arbeitsbedingungen als gut bis sehr gut ein, ganz besonders das Betriebsklima. Auch die Anerkennung und die Entlohnung werden überwiegend positiv gesehen. Defizite gibt es offensichtlich bei den Karrierechancen, die sehen immerhin 70 Kolleginnen als nicht gut bis gar nicht gut. Auch bei Züblin stoßen noch viele Frauen an die berüchtigte „gläserne Decke“.

Bei der Frage: „Was gefällt Dir an Deiner Arbeit besonders gut?“ ist das Spektrum vielfältig. Neben dem guten Umgang miteinander werden Eigenverantwortung, berufliche Herausforderungen und Arbeitsplatzsicherheit immer wieder benannt. In der Frage der Arbeitszeit gaben gut zwei Drittel der Frauen an, dass sie länger als die tariflich bezahlte Zeit arbeiten, davon 25 Frauen sogar deutlich mehr. Der größte Teil der Frauen arbeitet in Vollzeit. Für 31 Mitarbeiterinnen gibt es Probleme, die Erwerbsarbeitszeit mit ihren privaten Aufgaben zu vereinbaren.

Fast alle Frauen arbeiten im Büro, nur zwei auf der Baustelle und sechs vorwiegend auf der Baustelle. Das spiegelt die Situation der Branche insgesamt wider. Möglicherweise wurde aber auch ein Teil dieser Frauen bei der Umfrage nicht erreicht.

In Bezug auf gewerkschaftliches Engagement zeigt knapp ein Drittel der Frauen Interesse. Es gibt allerdings wohl auch wenig Informationen zur Frauenpolitik der IG BAU und über Gewerkschaft insgesamt. So ist die Resonanz bei der detaillierteren Frage nach Themen, die die Frauen ansprechen, deutlich höher. Ganz vorn liegt die „Gesprächsführung“ bei gut der Hälfte der Befragten. Aber auch Zukunftsfragen, Tarifinformationen, arbeitsrechtliche Bedingungen sowie „Zeit“ sind von Interesse. Bei den Themen „Konflikte im Betrieb“ gibt es „nur“ 45 Interessierte und mit 21 Kreuzen bei „Mobbing“ noch deutlich weniger. Das bestätigt die erfreulich positive Kultur des Umgangs miteinander bei Züblin.

Bei der offenen Frage nach weiteren Themen überwiegen die Zeitoptionen für Beschäftigte: Flexibler, kürzer, home-office oder auch Rentenübergang. An zweiter Stelle stehen Karrierechancen und die Quote als Mittel zur Erreichung von Chancengleichheit.

Zuletzt fragten Ilse Bruttel und Renate Wapenhensch nach dem Zeitrahmen für inhaltliche Angebote an interessierte Frauen. Diese Frage war für ihre weitere Projektplanung besonders wichtig. Für gut sechzig Frauen wäre eine kurze „Talk-Time“ in der Mittagspause oder direkt nach der Arbeit passend. Immerhin 34 Frauen würden auch zu einer Abendveranstaltung kommen, deutlich weniger zu einem Tages- oder Wochenendseminar. Erst mal reinschnuppern, ist da wohl eher der Gedanke.

Im nächsten Schritt ihres Projekts planen die beiden Gewerkschafterinnen jetzt eine erste „Talk-Time“ für die Frauen bei Züblin.