IG BAU - die tun was!


Wenn Beton auf Kälte trifft

Eisige Temperaturen - doch beste Stimmung bei den Streikenden der Nachtschicht
Eisige Temperaturen - doch beste Stimmung bei den Streikenden der Nachtschicht © IG BAU (Normen Schulze)
01.03.2013
Dienstagmorgen, 5 Uhr früh: Vor dem Werkstor des Schwellenwerks Güsen bei Magdeburg spielen sich ungewohnte Szenen ab. Männer streifen sich weiße Hemdchen über, IG BAU-Fahnen werden ausgepackt, ein Feuerkorb steht bereit, um die klammen Hände zu wärmen. STREIK ist in großen Buchstaben auf dem Werkstor zu lesen.

Am Mittwoch werden die noch verbliebenen Leiharbeiter vom Werksleiter nach Hause geschickt. 10.000 qm Fertigungshallen liegen gespenstisch leer – bis zu 1.800 Gleisschwellen pro Tag werden nicht produziert.

Ab Mitte Januar hatte die IG BAU zur Urabstimmung in der Beton- und Fertigteilindustrie Mitte-Ost aufgerufen. Mit überwältigendem Erfolg. Vielerorts hatten die Kollegen schon darauf gewartet: endlich können sie ein deutliches Zeichen für mehr Lohn setzen. Die Beschäftigten in der Beton- und Fertigteilindustrie in Sachsen-Anhalt bekommen derzeit rund 12.000 Euro weniger im Jahr als ihre Kollegen in den westlichen Bundesländern. Die IG BAU fordert darum die Angleichung der Ost- an die Westlöhne bis 2020 – und in der (gescheiterten) Tarifrunde eine ordentliche Schippe mehr.

Jetzt zeigt sich: die Arbeitgeber haben den Bogen überspannt – und die Wut der Kolleginnen und Kollegen unterschätzt. Den Streikenden im Schwellenwerk Güsen schlossen sich am Donnerstag die Kollegen im Fermacell-Werk in Calbe an. Nach ihrem Warnstreik in der Woche zuvor hieß es jetzt für sie: nichts geht mehr. Schicht für Schicht wurden die Streik-Hemdchen weitergegeben.

Verstärkt wurde die Streikfront am darauffolgenden Montag durch die Beschäftigten der Fa. Rekers in Groß Ammensleben. Ein ganz besonderes Zeichen, sitzt doch Herr Rekers selbst auf der Arbeitgeberbank am Verhandlungstisch. Er hatte seinen Beschäftigten bereits eine Lohnerhöhung gezahlt, vielleicht auch mit der stillen Hoffnung, „unbestreikt“ davonzukommen. Doch die Kollegen wissen: es geht um mehr: “Es ist an der Zeit, endlich für gleiche Löhne in Ost und West zu kämpfen“, sagt einer der Streikenden.

Sie sind gut informiert über das, was anderenorts läuft, vernetzen sich über Social Media. Der Betriebsrat der Fa. Rekers informiert an seinem Schwarzen Brett über die Streiks und Urabstimmungen im Tarifgebiet Beton Mitte-Ost, hat sich dazu die täglichen Meldungen der IG BAU-Website ausgedruckt. Während die einen schon streiken, laufen die Urabstimmungen weiter: in Stendal, im Betonwerk Brandenburg, im BWW-Betonwerk Heiligengrabe, im Betonwerk Velten und an vielen weiteren Orten. Überall zeigt sich der Frust der Kollegen in enormer Zustimmung zu Streikmaßnahmen .

Bewegung bringt Fortschritt – offenbar auch hier. Bereits in der ersten Streikwoche kommen die Arbeitgeber auf die IG BAU zu, wollen wieder zurück an den Verhandlungstisch. Ein toller Erfolg für die Kollegen vor den Werkstoren, eine Nachricht, die für Hochstimmung sorgt. Die Streiks sind jetzt bis zum Verhandlungsbeginn am 7. März ausgesetzt. Die Urabstimmungen gehen weiter.

IG BAU – die tun was!

Aktuelle Infos frisch von der IG BAU-Website: Die Info-Tafel des Betriebsrats der Fa. Rekers

© IG BAU (Thomas Waldheim)

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