Saisonarbeit - „Freifahrt-Schein“ für Kurzzeit-Jobs kostet reguläre Arbeitsplätze

„Freifahrt-Schein“ für Kurzzeit-Jobs kostet reguläre Arbeitsplätze

Gewerkschaft befürchtet Boom von ausländischen Billiglohnkräften

© IG BAU
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Frankfurt am Main, 15.09.2010
Die von der Europäischen Kommission geplante massive Ausweitung der Saisonarbeit wird nach Einschätzung Bundesvorsitzenden der IG BAU, Klaus Wiesehügel, negative Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt haben. „Wenn es nach dem Willen der EU geht, wird der Einsatz von Saisonarbeitern aus außereuropäischen Ländern künftig nicht mehr nur auf die klassischen Saisonarbeitsbranchen begrenzt bleiben.

Stattdessen soll dies in fast allen Bereichen erlaubt sein. Überall da, wo sich ein erhöhtes Arbeitsaufkommen jahreszeitlich auch nur irgendwie begründen lässt, sollen ausländische Saisonkräfte künftig beschäftigt werden dürfen“, so Wiesehügel.

Egal, ob Schlaglochreparaturen im Frühjahr, jahreszeitgebundene Bauvorhaben oder die Kongresshotelreinigung – fast alles könne dann zur Saisonarbeit „umetikettiert“ werden. Und das mit fatalen Folgen.

„Das wird zwangsläufig reguläre Arbeitsplätze kosten. Arbeitgeber werden ausländische Arbeitnehmer massiv für Saison-Jobs nach Deutschland holen, um sie zu Niedriglöhnen zu beschäftigen. Zwar plant die EU Bestimmungen, um Saisonarbeiter vor Ausbeutung zu schützen. Effektiv sind die aber nicht“, so Klaus Wiesehügel. Vielmehr sei zu befürchten, dass skrupellose Chefs ausländische Arbeitnehmer gegen deutsche Beschäftigte ausspielen würden.

Die EU-Pläne werden, so Wiesehügel, neben dem Bau und der Gebäudereinigung auch zahlreiche andere Branchen konkret betreffen. „Das Ostergeschäft in der Schokoladenfabrik, die Weihnachtssaison im Kaufhaus, der Modellwechsel in der Automobilindustrie oder der Messebau ... Das Ganze ist ein verhängnisvoller ‚Freifahrt-Schein für Saisonarbeit’ – auf Kosten der heimischen Arbeitnehmer und auf Kosten der ausländischen Arbeitskräfte, die ausgenutzt werden.

Schon jetzt haben ausländische Saisonarbeiter mit niedrigen Löhnen und oft bedenklichen Arbeitsbedingungen zu kämpfen“, so der IG BAU-Bundesvorsitzende. Wiesehügel forderte die Bundesregierung und die Abgeordneten des Europäischen Parlaments auf, die geplante Saisonarbeiter-Richtlinie der EU-Kommission abzulehnen.